Carl Gustaf | Bildquelle: imago/E-PRESS PHOTO.com

Literaturnobelpreis-Gremium Machtwort vom König

Stand: 11.04.2018 13:38 Uhr

Die Schwedische Akademie steckt in der Krise. Nachdem sich Mitglieder des Literaturnobelpreis-Gremiums gegenseitig öffentlich beschimpften, hat sich nun König Carl Gustaf eingeschaltet.

Von Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Der Skandal um die 1786 gegründete Schwedische Akademie waberte schon lange immer mal wieder durch die Medien. Mit dem lauten Abgang der drei Stühle, Nummer zehn, elf und 16, war er nun aber nicht länger kleinzuhalten. Als solche, als Stuhlnummern, sind deren "Inhaber", die Akademiemitglieder Peter Englund, Klas Östergren und Kjell Espmark, nationale Berühmtheiten.

Jetzt ist der Krach um das alte, aber offenbar nicht so ehrwürdige Gremium Chefsache. König Carl Gustaf will - eher "muss" - die Wogen glätten. "Die Akademie ist eine unglaublich wichtige Institution für Schweden, für die Kulturwelt und nicht zuletzt für die Vergabe des Nobelpreises. Deshalb wollen wir das auf bestmögliche Art und Weise für alle Beteiligten lösen", teilte der König mit. "Über Nacht wird es nicht gehen, aber ich sehe Möglichkeiten. Probleme sind schließlich dazu da, dass man sie löst."

Die schwedische Lyrikern Katarina Frostensen | Bildquelle: OLAFUR STEINAR GESTSSON/EPA-EFE/
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Wegen ihres Ehemannes sollte die Lyrikern Katarina Frostensen aus der Akademie geworfen werden.

Die Rausschmeißer verloren die Abstimmung

Ausgelöst hat den Streit der Ehemann von "Stuhl Nummer 18", der Lyrikerin Katarina Frostensen. Er soll über Jahre hinweg im Umfeld der Akademie mehrere Frauen sexuell belästigt, von finanziellen Zuwendungen der Akademie profitiert und nach Presseberichten gleich sieben Mal noch hochgeheime Namen von Nobelpreisträgern vor der offiziellen Bekanntgabe ausgeplaudert haben.

Einige Mitglieder der Akademie wollten deshalb "Stuhl Nummer 18" buchstäblich vor die Tür stellen, sagt "Stuhl Nummer vier", Anders Olsson. "Das war eine der schwersten Fragen, die wir jemals zu beantworten hatten", berichtet Olsson. "Soll das Akademiemitglied, das in Kontakt stand mit der 'Person' aus der Kulturwelt, ausgeschlossen werden oder nicht?"

Am Ende verloren die Rausschmeißer diese Abstimmung, die drei "Abgänge" gehörten zu ihnen. Zwei weitere hatten schon vorher aus anderen Gründen das Handtuch geworfen. Bleiben im Moment also von 18 nur noch 13 aktive Mitglieder. Die Akademie steckt damit in der schwersten Krise seit ihrer Gründung.

Die ständige Sekretärin der Schwedischen Akademie, Sara Danius | Bildquelle: AFP
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Noch ist Sara Danius die Chefin der Schwedischen Akademie. Das könnte sich bald ändern.

Attacke auf die Noch-Chefin

Gibt es einen Ausweg? Wenn, dann nur diesen: "Man müsste etwas Radikales machen", ist Ingrid Elam, Literaturkritikerin beim öffentlichen Sender SVT, überzeugt. "Wie sollen sie denn die Glaubwürdigkeit zurückbekommen? Eine Möglichkeit wäre es, bei Null anzufangen."

Aber soweit sind die Damen und Herren wohl noch nicht. Stattdessen gibt es gegenseitige Schuldzuweisungen und Beleidigungen. Ex-Akademiechef Horace Engdahl nannte die gegenwärtige Ständige Sekretärin Sara Danius die "bisher schlechteste von allen".

Gunnar Bohlin, Kulturjournalist im schwedischen Radio, hat so eine Schlammschlacht noch nicht erlebt. "Das war schockierend, der bisher härteste Angriff in einer üblen Affäre." Engdahl gewinne damit vorläufig den ersten Preis im öffentlichen "Schmutzigewäschewaschen". Er hats gesagt: "Vorläufig". Denn heute wird vermutlich kräftig weiter gewaschen. Berichten zufolge treffen sich einige der "Stühle", um an einem anderen zu sägen: an dem ihrer Noch-Chefin Danius.

Streit bei der Schwedischen Akademie eskaliert
Carsten Schmieser, ARD Stockholm
11.04.2018 13:18 Uhr

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Über dieses Thema berichtete MDR aktuell am 11. April 2018 um 13:21 Uhr.

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