Das Wrack des LKW, der in Nizza in eine Menschenmenge raste | REUTERS

Hollande: "Anschlag mit terroristischem Charakter" Lkw rast in Nizza in Menschenmenge - 80 Tote

Stand: 15.07.2016 07:16 Uhr

Bei den Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag ist in Nizza ein Lkw in eine Menschenmenge gerast - mindestens 80 Menschen starben. Präsident Hollande sprach von einem Anschlag mit "terroristischem Charakter" und verlängert den Ausnahmezustand in Frankreich um drei Monate.

Bei den Feierlichkeiten zum französischen Nationalfeiertag ist in Nizza ein Lkw in eine Menschenmenge auf der berühmten Strandpromenade Promenade des Anglais gerast. Staatspräsident François Hollande trat in der Nacht vor die Presse und sprach von einem "Anschlag, dem ein terroristischer Charakter nicht abgesprochen werden kann".

Innenminister Bernard Cazeneuve, der nach Nizza gereist war, teilte am frühen Morgen vor Ort mit, dass die Zahl der Todesopfer auf mindestens 80 gestiegen sei. 18 Verletzte befinden sich demnach in einem kritischen Zustand. Er sagte, die Polizei habe "in einer sehr gefährlichen Situation einen Terroristen ausschalten können." Berichte, wonach in dem Lastwagen des mutmaßlichen Attentäters ein Personalausweis gefunden wurde, wollte Cazeneuve nicht bestätigen. Es werde aber an der Identifizierung gearbeitet, sagte er.

"Die Polizei hat ihn neutralisiert"

Wie in Aufnahmen des ARD-Reporters Richard Gutjahr zu sehen ist, raste ein weißer, großer Lkw in die Menge. Deutlich ist zu sehen, dass er kurz zuvor langsamer fuhr, dann jedoch Gas gab und in die Menge raste. Der Fahrer des Lastwagens sei tot, sagte der Sprecher des französischen Innenministeriums, Pierre-Henry Brandet: "Die Polizei hat ihn neutralisiert", sagte er. Er widersprach Gerüchten über eine Geiselnahme. Derzeit liefen Ermittlungen, um zu klären, ob der Lastwagenfahrer allein gehandelt oder Komplizen gehabt habe, die möglicherweise die Flucht ergriffen hätten. Der Bürgermeister hatte die Bewohner von Nizza aufgerufen, vorerst zu Hause zu bleiben.

Gutjahr, der für die Feierlichkeiten vor Ort war und zum Zeugen wurde, berichtet von Schüssen. Als er nach dem Vorfall auf die Straße gegangen sei, habe er zahlreiche leblose Körper dort verstreut gesehen. Die Gegend wurde laut Gutjahr schnell weiträumig abgesperrt. Laut einem weiteren Augenzeugen eröffnete der Lastwagenfahrer zunächst das Feuer auf die Polizei. Der Fahrer habe mit einer Pistole durch die Windschutzscheibe seines Fahrzeugs geschossen, sagte ein englischsprachiger Mann, der seinen Namen mit Nader angab, dem französischen Sender BFMTV.

Beamte in Zivil mit Maschinenpistolen leuchteten in Autos, auf dem Meer kreisten Polizeiboote, berichtete er. Auch ein Helikopter mit Scheinwerfer sei in der Luft. Die Toten und Verletzten seien inzwischen abtransportiert worden.

In der Lobby des Luxushotels Negresco wurde ein Lazarett eingerichtet, berichtet die französische Zeitung "Le Figaro". Dort würden Verletzte vorsorgt, auch Menschen, die sich in Sicherheit gebracht hatten, hielten sich dort in der Nacht auf. Überdies befragte die Polizei dort Zeugen zum Tathergang.

Augenzeugen berichten, der Fahrer des Lkw sei ausgestiegen und habe um sich geschossen. Dies ist jedoch noch nicht bestätigt. Der Präsident der Region Provence-Alpes-Côte d'Azur, Christian Estrosi, sagte, der LKW habe Waffen und Granaten geladen. Die Anti-Terror-Staatsanwaltschaft in Paris hat die Ermittlungen übernommen.

Ausnahmezustand wird verlängert

Hollande, der sich zur Tatzeit in Avignon befunden hatte, reiste umgehend nach Paris zurück. Bei seiner Ansprache in der Nacht sagte er auch, dass der Ausnahmezustand, der nach den Anschlägen im November eigentlich am 26. Juli aufgehoben werden sollte, um drei Monate verlängert werde. Den Kampf gegen den "Islamischen Staat" in Syrien und anderen Ländern werde man jedoch auch jetzt nicht aufgeben, betonte er. Für den Morgen berief er das Sicherheitskabinett ein. Der französische Innenminister Bernard Cazeneuve reist an den Tatort.

Keine Hinweise auf deutsche Opfer

Das Auswärtige Amt hat bislang keine Hinweise darauf, dass Deutsche zu den Todesopfern gehören könnten. Man stehe mit der deutschen Botschaft in Paris, dem Generalkonsulat in Marseille und den französischen Behörden in engem und ständigem Kontakt. Man bemühe sich um Aufklärung: "Dies können wir zum jetzigen Zeitpunkt weder ausschließen, noch bestätigen", sagte eine Sprecherin.

Die Teilnehmer des Asien-Europa-Gipfels (ASEM) in der Mongolei gedachten der Opfer in einer Schweigeminute. EU-Ratspräsident Donald Tusk sagte dort: "Es ist ein trauriger Tag für Frankreich, Europa und uns alle hier in der Mongolei." US-Präsident Barack Obama erklärte: "Wir stehen in Solidarität und Partnerschaft an der Seite Frankreichs, unseres ältesten Alliierten." Die Bürgermeisterin von Paris, Anne Hidalgo, ordnete für Freitag Trauerbeflaggung in der Hauptstadt an.

EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker sprach in einer Erklärung von einem "Terror-Akt", den er scharf verurteile. Auch Bundespräsident Joachim Gauck sprach von einem "brutalen Anschlag": "Ein Angriff auf Frankreich ist deshalb ein Angriff auf die gesamte freie Welt", sagte er.

Frankreich war wiederholt Ziel von Anschlägen. Bei islamistischen Attentaten waren im vergangenen Jahr 149 Menschen gestorben, davon 130 bei der Pariser Terrorserie am 13. November 2015.

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KOMMENTARE

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Berster 15.07.2016 • 01:33 Uhr

Mein ganzes Herz ist in

Mein ganzes Herz ist in diesen Stunden bei den Franzosen, den Menschen vor Ort, die solch schreckliche Dinge miterleben mussten, bei den Verletzten und auch bei denen, die heute Abend ihr Leben verloren haben! Möge Gott bei Ihnen allen sein! Ps: Mit erscheint es als pietätlos und vor allem aber respektlos all den Opfern gegenüber, dass nicht wenigstens einer der deutschen öffentlichen Sender seine Sendung unterbricht um teilzunehmen-an dem so unfassbar schrecklichem Geschehen heute in Nizza und wiedermals unserm Nachbarn Frankreich!