Kinder und Jungen sitzen im Raum einer Koranschule in Nigeria, in der sie misshandelt und gefoltert worden sein sollen. | Bildquelle: AFP

Koranschule Hunderte Schüler in Nigeria befreit

Stand: 27.09.2019 21:06 Uhr

Im Norden Nigerias wurden Hunderte Jungen befreit, die in einer angeblichen Koranschule offenbar körperlich und sexuell misshandelt worden waren. Der Betreiber der Schule wurde festgenommen.

Aus einer Koranschule im Norden Nigerias sind Hunderte Schüler befreit worden, die dort offenbar gewaltsam gefangen gehalten und misshandelt worden waren. Die Angaben zu den Zuständen in der Schule und zu mutmaßlichen Opfern schwanken jedoch.

Laut der Nachrichtenagentur AFP konnten Sicherheitskräfte etwa 300 Jungen aus der Schule in der Stadt Kaduna befreien. Die Agentur AP sprach sogar von bis zu 400 Kindern und jungen Männern. Sie sollen zum Großteil aus Nigeria, aber auch aus anderen Ländern wie Burkina Faso stammen. Beide Agenturen beziehen sich auf Angaben des örtlichen Polizeisprechers Yakubu Sabo. Konkrete Angaben über das Alter der Schüler lagen nicht vor, ein Teil der Befreiten soll noch minderjährig gewesen sein.

Das rosa Gebäude der Koranschule im Norden Nigerias, in dem Hunderte Jungen gefangen gehalten und misshandelt worden sein sollen. | Bildquelle: AFP
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Anwohner hatten die Polizei auf die Koranschule aufmerksam gemacht.

Jungen berichten von Folter und Vergewaltigung

Die Polizei sei durch Hinweise von Anwohnern auf die Koranschule aufmerksam geworden, berichtete Sabo weiter. Im muslimischen Norden Nigerias gibt es viele privat betriebene Koranschulen.

Sabo sprach von "entwürdigendsten und unmenschlichen Bedingungen", unter denen die Schüler festgehalten worden wären. Aussagen von einigen Jungen zufolge seien sie geschlagen und gefoltert worden. Einige der Kinder berichteten von Vergewaltigungen. Teils seien die Jungen angekettet worden - bis zu 100 Kinder in einem Raum. Zudem sei die Versorgung mit Nahrung nur mangelhaft gewesen.

Die Eltern seien über die Misshandlungen schockiert gewesen, sagte Sabo weiter. Sie gaben an, nichts davon gewusst zu haben.

Ein Junge ist mit einer Eisenkette an einer Radkappe festgekettet. | Bildquelle: REUTERS
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Die Jungen sollen festgeketten, geschlagen und vergewaltigt worden sein.

Betreiber und sechs angebliche Lehrer festgenommen

Der Betreiber der Schuler sowie sechs weitere Verdächtige, die als Lehrer gearbeitet haben sollen, wurden festgenommen. Dem Betreiber zufolge wurden die Jungen nur im Koran unterwiesen. Unter ihnen hätte es viele Kleinkriminelle und Drogenabhängige gegeben. Nach Angaben der Polizei besaß der Betreiber keine Lizenz, um ein Bildungsprogramm anzubieten.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 27. September 2019 um 20:00 Uhr.

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