Ein verlassener Klassenraum an der wissenschaftliche Oberschule in Kankara im Bundesstaat Katsina. | REUTERS

Nigeria Einige entführte Schüler offenbar frei

Stand: 17.12.2020 22:38 Uhr

Die Terrorgruppe Boko Haram hat nach ersten Berichten einige entführte Schüler wieder freigelassen. Es sollen jene Kinder seien, die die Extremisten vergangene Woche aus einer Oberschule verschleppt hatten.

Die von der islamistischen Terrorgruppe Boko Haram im Norden Nigerias entführten Schüler sind nach Angaben der Regierung wieder frei. Allerdings war zunächst unklar, ob alle entführten Schüler freigelassen wurden. Die Schüler seien "gerettet" worden, teilte Bashir Ahmaad, Assistent des nigerianischen Präsidenten, mit. Eine genaue Zahl nannte er nicht. Aus Sicherheitskreisen hieß es, ein Teil der Kinder sei noch in den Händen der Entführer.

Am vergangenen Freitag hatten die Extremisten eine Oberschule in Nordnigeria überfallen und Hunderte Schüler verschleppt. Während die Regierung von 333 entführten Schülern spricht, gehen Medienberichte von knapp der doppelten Zahl aus. Die Terroristen begründeten ihren Anschlag damit, dass die Kinder islamfeindlich erzogen werden.

Video soll Schüler zeigen

Nach ihrer Tat veröffentlichten die Terroristen ein Video veröffentlicht, das die verschleppten Schüler zeigen soll. Zu sehen sind darin verängstigt blickende, staubbedeckte Jungen vor einem bewaldetem Gebiet, die sich als Schüler der überfallenen Oberschule bezeichnen. Im Hintergrund des weitgehend verschwommenen Videos, das von den Behörden zunächst nicht offiziell bestätigt wurde, ist ein Mann mit einem Sturmgewehr zu sehen.

Ein älterer Jungen bittet vor laufender Kamera um eine friedliche Einigung mit den Entführern. "Schickt bitte alle Truppen zurück, die gekommen sind, um zu helfen", fleht er mit tränenerstickter Stimme. Auf dem mehrminütigen Video, das die Runde in den sozialen Medien des Landes machte, ist zudem die Stimme eines Unbekannten zu hören. Er betont an die Adresse der Provinzregierung: "Sie sind bei guter Gesundheit - schaut sie euch an." Ein Kind forderte zudem die Entfernung der Wachen vor den Schulen.

Noch immer viele Vermisste

Boko Haram hatte in der Vergangenheit wiederholt Schulen überfallen. Im April 2014 hatte sie im Bundesstaat Borno 276 Mädchen entführt. Viele gelten bis heute noch als vermisst. Laut der Menschenrechtsorganisation Amnesty International wurden seit 2012 hunderte Lehrer, Schüler und Studenten getötet oder verwundet. Viele verschleppte Jungen würden gezwungen, als Kindersoldaten tätig zu werden.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Dezember 2020 um 22:15 Uhr.