Eine Rose im Sand zum Gedenken an fünf Surfer, die vor der niederländischen Küste ums Leben gekommen sind.  | Bildquelle: dpa

Surfer-Unglück in der Nordsee Tödlicher Schaum?

Stand: 13.05.2020 18:24 Uhr

Zwei Tage nachdem fünf Surfer in der aufgewühlten See vor Den Haag gestorben sind, ist die Unglücksursache weiter unklar. Im Verdacht: Ein Phänomen namens "Cappuccino-Coast" - also ungewöhnlich dichter Schaum.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Die Hoffnungen, auch den fünften Toten noch zu bergen, schwinden. Der Leichnam des 22-jährigen Mannes aus Delft sei von der Strömung mitgerissen und aufs offene Meer hinausgetrieben worden, sagte ein Sprecher der Küstenwache. Auch eine Suchaktion der Marine blieb ergebnislos.

Zwei Tage nach dem Surfer-Drama von Scheveningen ist auch Den Haags Bürgermeister Johan Remkes noch immer fassungslos: "Fitte, junge, sportliche Menschen, die das Meer dort kennen wie ihre Westentasche, sind dennoch in Schwierigkeiten geraten - und dabei sind fünf Menschen ums Leben gekommen." Ein ungewöhnlich langanhaltender Nordwind hatte die Wellen am Surferstrand von Scheveningen am vergangenen Montag enorm hochschlagen lassen. Laut Küstenwache war auch die Strömung extrem stark.

Alge sorgt für Schaumschicht

Dennoch vermuten erfahrene Surfer, dass die eigentliche Ursache für das Unglück der Schaumteppich auf der Nordsee gewesen ist. Eine Augenzeugin schildert ihre Beobachtungen: "Ich habe die See noch nie so rau gesehen - ganz abgesehen von dem Schaum. Der wurde wirklich in großen Wellen an den Strand gespült und kam ganz nah."

Surfer sprechen von einer bis zu zwei Meter hohen Schaumschicht auf dem Wasser, verursacht durch eine Alge in der Nordsee. Die setzt Eiweiß frei, das von den Wellen zu Schaum geschlagen wird - vergleichbar mit dem Milchschaum für Kaffeegetränke. Das Phänomen wird daher auch "Cappuccino-Coast" genannt.

Die Marine sucht nach einem verschollenen Surfer vor der niederländischen Küste. | Bildquelle: dpa
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Eine Suchaktion der Marine nach einem verschollenen Surfer in der Nordsee blieb bislang ergebnislos.

Experten untersuchen Proben

Als ehemaliger Surf-Bundestrainer der Niederlande weiß Chris Way, wie gefährlich es sein kann, in so einen dichten Schaumteppich zu geraten. "Du bist dann völlig desorientiert. Du weißt nicht, in welche Richtung du schwimmen musst. Es ist wie in einem Labyrinth ohne Ausgang. Du hast nur deinen Kopf über Wasser und dann noch zwei Meter Schaum über dir." Dies sei eine sehr gefährliche Situation.

Experten untersuchen nun anhand von Proben, warum die Schaumbildung am Tag des Unglücks so intensiv gewesen ist. Mit so einer Masse an Schaum, so eine Meeresbiologin, habe sie noch nie zu tun gehabt. Konkrete Ergebnisse aus dem Labor werden aber erst in einigen Wochen erwartet.

Schaum als Ursache für fünf tote Surfer?
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
13.05.2020 16:03 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 12. Mai 2020 um 12:00 Uhr.

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