Ein OPCW-Mitarbeiter untersucht in einem Labor in den Niederlanden Proben. | Bildquelle: AFP

Laut niederländischen Behörden Russischer Hackerangriff auf OPCW?

Stand: 04.10.2018 13:50 Uhr

Die Niederlande haben vier russische Spione ausgewiesen. Laut der Sicherheitsbehörden planten diese einen Hackerangriff auf die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen in Den Haag. Dieser wurde verhindert.

Die niederländischen Sicherheitsbehörden haben nach eigenen Angaben einen Angriff russischer Hacker auf die Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen (OPCW) in Den Haag vereitelt. Vier Spione des russischen Geheimdienstes seien bereits im April aus dem Land ausgewiesen worden, teilte Verteidigungsministerin Ank Bijleveld mit.

Die vier hatten demnach geplant, in das Computernetzwerk der OPCW einzudringen. Die Organisation hatte Chemiewaffenangriffe in Syrien untersucht, aber auch den Giftangriff auf den ehemaligen russischen Doppelspion Sergej Skripal und seine Tochter Julia in Großbritannien.

Sitz der OPCW in Den Haag | Bildquelle: Lex van Lieshout/EPA-EFE/REX/Shu
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Der Sitz der Organisation für ein Verbot von Chemiewaffen ist in Den Haag, ein Labor jedoch auch in der Schweiz.

Die niederländischen Ermittler hätten die Laptops und Handys der Spione beschlagnahmt und untersucht. Daraus wurde deutlich, so die Ermittler, dass auch Hackerattacken in der Schweiz und auf die strafrechtliche Untersuchung zum Abschuss des Passagierfluges MH17 geplant waren.

Die niederländische Regierung verurteilte das russische Vorgehen als "sehr besorgniserregend" und bestellte den russischen Botschafter ein. "Russland muss damit aufhören", forderte Ministerin Bijleveld.

NATO stellt sich hinter Niederlande

Die britische Regierung hatte bereits zuvor Russland vorgeworfen, hinter einer Reihe von Cyberangriffen auf westliche Staaten und Institutionen in den vergangenen Jahren zu stecken.

Die NATO stellte sich hinter die Niederlande und Großbritannien: Die NATO-Verbündeten unterstützten das Vorgehen, "Russland wegen seiner unverhohlenen Versuche, internationales Recht und Institutionen zu untergraben, bloßzustellen", erklärte Generalsekretär Jens Stoltenberg. Russland müsse "sein rücksichtsloses Verhalten stoppen".

Ausweisung der Spione schon im April

Bereits im September war bekannt geworden, dass zwei russische Spione im April aus den Niederlanden ausgewiesen wurden. Sie sollen auf dem Weg in die Schweiz gewesen seien, um dort ein Labor der OPCW zu hacken. Der niederländische militärische Geheimdienst machte nun die Fotos und Namen der insgesamt vier Männer bekannt.

Sie waren den Angaben zufolge am 10. April mit Diplomatenpässen in die Niederlande eingereist und dort von einem Angehörigen der russischen Botschaft empfangen worden. Sie hätten ein Auto gemietet und seien mehrfach in der Nähe der OPCW-Zentrale geortet worden. Am 13. April wurden sie vorläufig festgenommen. Im Kofferraum des Autos fanden die Ermittler Spezialgeräte für Hackerangriffe.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 04. Oktober 2018 um 13:04 Uhr.

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