Verlassene Einkaufsstraße in den Niederlanden (Archivbild) | dpa

Lockdown seit 19. Dezember Niederlande öffnen wieder - aber nicht alles

Stand: 15.01.2022 02:11 Uhr

Ab heute wird der strenge Lockdown in den Niederlanden gelockert - doch nicht für alle Bereiche. Gastronomie und Kultur bleiben geschlossen. Vor allem Gastwirten aber reicht es - einige wollen trotz Verbots ebenfalls öffnen.

Die Niederlande beenden nach fast vier Wochen und unter starkem Druck von Unternehmern den strengen Corona-Lockdown. Aber strenge Maßnahmen bleiben. Geschäfte, Friseure, Sexshops und Sportclubs sowie Hochschulen dürfen ab heute wieder öffnen. Das kündigte Premier Mark Rutte am Freitagabend in Den Haag an. Geschlossen aber bleiben weiter Gaststätten, Museen, Theater und Kinos - mindestens bis zum 25. Januar. Gastwirte und der Kultursektor sind empört.

Angesichts dramatisch steigender Infektionszahlen könnten nicht mehr Sektoren zugleich geöffnet werden, sagte Rutte. "Alles zugleich geht nicht, das Risiko ist zu groß." Ende des Monats werde es möglicherweise neue Lockerungen geben.

Immer noch Sorge um Gesundheitssystem

Gesundheitsminister Ernst Kuipers sprach von einer "neuen Phase der Pandemie". Die Not bei Bürgern und Unternehmern sei groß. "Wir müssen lernen, mit dem Virus zu leben." Das Risiko einer Überlastung des Gesundheitssystems bleibe aber hoch.

Der Widerstand gegen die harten Maßnahmen hatte in den vergangenen Tagen stark zugenommen. Gastwirte kündigten bereits Proteste für heute an und wollen trotz des Verbots ihre Cafés und Restaurants öffnen. Sie werden vielfach von Bürgermeistern unterstützt. "Das Kabinett kann die Gastronomie (& Kultur) nicht als Einzige allein lassen", twitterte der Generaldirektor des nationalen Branchenverbandes, Dirk Beljaarts. Rutte räumte ein: "Ich verstehe sehr gut, dass sich das absolut unfair anfühlt." Schließlich hätten sich viele in den langen Monaten der Schließung darauf vorbereitet, sicher öffnen zu können.

Valkenburg - wie die Gallier

In der südlichen Stadt Valkenburg bei Aachen waren allerdings am Freitag bereits zahlreiche Geschäfte und Gaststätten geöffnet. Um ihrem Ärger Luft zu machen, öffneten hier am Freitagmorgen Geschäfte, Bars und Gaststätten. Einwohner aßen und tranken auf der Hauptstraße im Freien. "Die ersten paar Lockdowns waren logisch, denen habe ich zugestimmt, aber es fühlt sich nicht mehr fair an", sagte Didi Corten, der die Außenterrasse seiner "Brasserie America" geöffnet hatte.

Nach der Entscheidung der Regierung dürfen Geschäfte jetzt wieder bis 17 Uhr täglich Kunden empfangen. Bürger dürfen zu Hause vier Besucher empfangen, bisher waren es zwei. Die Quarantänepflicht entfällt für diejenigen, die eine Booster-Impfung bekommen haben oder in diesem Jahr infiziert waren. Bisher waren nur Supermärkte oder Apotheken geöffnet.

Der Lockdown ab dem 19. Dezember sollte den Krankenhäusern Luft verschaffen. Trotz täglicher Höchstwerte bei Neuinfektionen sinkt die Anzahl der Patienten in den Krankenhäusern. Am Freitag wurden mehr als 35.000 Neuinfektionen registriert - so viele wie nie zuvor. Das sind mehr als 1300 Fälle pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen. Zum Vergleich: In Deutschland liegt dieser Wert bei 470.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. Januar 2022 um 09:00 Uhr.