Dick eingepackte Kinder im Unterricht | Bildquelle: WDR

Klimaschutz mal anders Heizung aus, dicker Pullover an

Stand: 12.02.2019 14:08 Uhr

Wie viele Pullover braucht man, um das Klima zu retten? Beim "Dikke Truien Dag" in Flandern und den Niederlanden ziehen sich die Menschen warm an für den Kampf gegen den Klimawandel.

Von Gudrun Engel, ARD-Studio Brüssel, z.Zt. Leuven

Lars gähnt, dann schiebt er seinen Arm durch den Ärmel seines Pullis. Vorne drauf prangt ein fauchender Tiger. Nur heute klappt das nicht so einfach, denn der Neunjährige hat schon sechs Lagen Unterhemden und T-Shirts darunter. Und vor ihm auf dem Tisch liegen noch vier weitere Sweatshirts und Kapuzenjacken. In Flandern und den Niederlanden ist heute "Dikke Truien Dag" - der "Dicke Pullover Tag".

Behörden bleiben kalt

Schulen, Universitäten, Rathäuser, Behörden - alle drehen an diesem Tag die Heizung runter. Die ganz Überzeugten schalten sie sogar komplett aus. Sie erinnern damit an das Klima-Protokoll von Kyoto aus dem Jahr 2005. Und sie wollen auf die Folgen der globalen Erwärmung aufmerksam machen. Direkt im Jahr 2006 haben die Flamen damit angefangen, seit 2007 sind die Niederlande mit im Boot.

Peter Olaerts hat zu Hause in Leuven die Heizung ausgeschaltet. Privathaushalte sind ebenfalls aufgefordert, sich am "Dikke Truien Dag" zu beteiligen. Auf den Webseiten verschiedener Initiativen haben sich mehr als 300.000 Familien angemeldet. "Wir versuchen, unseren Fußabdruck auf der Erde so klein wie möglich zu hinterlassen. Dazu gehört für uns auch, dass wir so wenig Ressourcen wie möglich verbrauchen", erklärt Lars Vater während er die Pausenbrote einpackt. Katze Joko sitzt mit dickem Fell in der Küche und ist vermutlich die einzige, die nicht fröstelt.

Die Heizung um ein Grad zu drosseln spart sechs Prozent Energiekosten und Treibhausgase. Das haben Klimaexperten errechnet. Die Heizung ist zum Großteil für den Energieverbrauch von Gebäuden verantwortlich. Denn geheizt wird mit fossilen Brennstoffen, die CO2-Emissionen verursachen und damit zum Klimawandel beitragen. In Flandern werden oft noch alte Mazout-Heizungen betrieben, die Ölsalze verbrennen. In den Niederlanden wird mit Gas geheizt.

Zwischen Spaßveranstaltung und Wissensvermittlung

Energie sparen, Klima retten: Diese einfache Formel wollen sie schon den Kindern nahe bringen, also der Generation, die einmal hier leben wird. An der Regenbogenschule in Leuven haben sie den "Dicke Pullover Tag" schon seit Wochen vorbereitet. Überall in der Aula und in den Fluren hängen Plakate: "Rettet das Klima", "Vermeidet Müll". Vor zwei Wochen haben sich die Schüler auch schon an einer der Klimademonstrationen beteiligt.

Kinder in warmer Kleidung | Bildquelle: <WDR Brüssel>
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Dick eingepackt Energie sparen, ist das Ziel von Lehrern und Schülern.

Es ist eine Gratwanderung zwischen Spaßveranstaltung und Wissensvermittlung. Lehrerin Anneke Debarbieux will ihren Schülern vermitteln, dass es um ihre Zukunft geht:

„Sie werden diesen Planeten von uns übernehmen, deshalb sollten sie früh begreifen, dass sie Verantwortung übernehmen müssen.“

Die Schüler sollen Vorschläge machen, was sie ändern würden, wenn sie Umweltminister wären. Mehr und bessere Fahrradwege werden vorgeschlagen, Rabatte für Elektroautos, ein Plastiktüten-Verbot und ein vegetarischer Tag pro Woche.

Wollpullover | Bildquelle: picture alliance / blickwinkel/M
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Mit dicken Pullovern Energie sparen...

Wenig Einsatz - große Einsparung

Schätzungen zufolge würden die Niederlande 3,6 Millionen Kubikmeter Gas einsparen, wenn das ganze Land die Heizung einen Tag um nur ein Grad herunterdrehen würde. Das entspricht nicht nur etwa 3,2 Millionen Euro, es wären vor allem auch 6,4 Millionen Kilogramm CO2.

Eine große Menge für einen kleinen Einsatz. Damit es den Schülern nicht kalt wird, hat der Sportlehrer extra ein Bewegungsprogramm ausgearbeitet. Auf dem Schulhof sieht man viele bunte Schals und Mützen. Bei Lars in der Klasse wird der "Dicke Pullover König" gekürt. Gekürt wird, wer die meisten Lagen trägt. Der Reihe nach zählen alle durch. Und tatsächlich: Der Neunjährige hat mit elf Oberteilen am meisten an. Für Lars hat sich die Klimarettung doppelt gelohnt.

Über dieses Thema berichtete das Erste am 17. Februar 2019 im "Weltspiegel" um 19:20 Uhr.

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