Rote Tulpen blühen auf einem Blumenfeld in Aasmeer, Holland. | Bildquelle: WDR/Anneke Wardenbach

Blumenindustrie in Corona-Zeiten "Kauft Blumen, nicht Klopapier!"

Stand: 05.04.2020 05:30 Uhr

Die riesige Blumenbörse bei Amsterdam steht still, der Handel mit Schnittblumen liegt brach. Dabei ist im Frühling eigentlich Hochsaison.

Von Gudrun Engel, ARD-Studio Brüssel

In den Niederlanden blühen die Tulpenfelder kilometerlang in allen erdenklichen Farben. Im vergangenen Jahr musste mehrfach die Polizei eingreifen, weil Touristen für Fotos durch die Blumen gewalzt waren. Das kann dieses Jahr wegen der Corona-Schutzmaßnahmen nicht passieren.

Für die Blumenzüchter und -händler gibt es dennoch keinen Grund aufzuatmen. Denn sie können ihre Ware nicht verkaufen. Normalerweise werden 85 Prozent der Blumen in die ganze Welt exportiert, doch seit ganze Lkw-Ladungen an den Grenzen zurückgewiesen wurden, ist der Handel fast komplett eingebrochen - 150.000 Arbeitsplätze in den Niederlanden und eine Million Beschäftigte in afrikanischen Ländern sind bedroht.

Blumenhandel in den Niederlanden bricht ein
tagesschau24 15:00 Uhr, 05.04.2020, Gudrun Engel, SWR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Gähnende Leere in Aalsmeer

In den riesigen Hallen der Blumenbörse in Aalsmeer bei Amsterdam herrscht Stillstand und gähnende Leere. Die Sitze im Versteigerungsraum sind mit rot-weißem Absperrband abgetrennt - 1,5 Meter Abstand gilt auch für die Blumenkäufer.

Jedes Jahr kommen im größten überdachten Handelskomplex der Welt 1,2 Milliarden Blumen und Topfpflanzen unter den Hammer. Es wird täglich versteigert. Eine riesige Logistik sorgt dafür, dass die Karren mit den verschiedenen Blumen zwischen Züchtern und Händlern hin und her fahren - zum Teil vollautomatisch. Jetzt sind die meisten der grauen Stahlwagen leer geparkt worden.

Keine Zeit für frische Blumen

Mit Beginn der Beschränkungen, den Veranstaltungsverboten und geschlossenen Grenzen ist der Handel um 85 Prozent eingebrochen. "Als die ersten Lastwagen vollbeladen an den Grenzen umdrehen mussten und zurückkamen, haben sich viele Exporteure nicht mehr getraut, etwas zu ordern", erklärt Ruud Knorr, Geschäftsführer Vertrieb der Blumenbörse, den drastischen Einbruch im Blumenhandel.

Hinzu kam, dass die Supermärkte tagelang keine frischen Blumen orderten, weil sie mit Mann und Macht die leeren Regale nachfüllen mussten - für frische Blumen war da keine Zeit mehr.

Blaue Hyazinthen blühen auf einem Blumenfeld in Aasmeer, Holland. Ein Betreten-Verboten-Schild ist vor dem Feld aufgestellt. | Bildquelle: WDR/Anneke Wardenbach
galerie

Wenigstens werden die Blumen dieses Jahr nicht für ein schnelles Selfie zertrampelt - ein schwacher Trost für die Züchter.

Umsatz um 60 Prozent eingebrochen

Knorr ist selbst überrascht, wie schnell hier alles zum Erliegen kam. Normalerweise werden jedes Jahr sieben Milliarden Umsatz gemacht, 6,2 Milliarden allein durch den Export. Der fällt jetzt in der absoluten Hochsaison weg. "Der Gesamtumsatz ist innerhalb von wenigen Tagen um 60 Prozent eingebrochen", rechnet Knorr vor. Und das wird sich noch verschärfen. Denn Blumen sind Frischware - man kann sie nicht auf Lager legen.

Normalerweise wird gerade im Frühling das Geschäft gemacht: Rund um Ostern sind sonst besonders gelbe Blumen gefragt, später zu Muttertag dann ganz klassisch Rosen. Das Geschäft zum Valentinstag hätten sie zum Glück noch normal mitnehmen können, erläutert Knorr.

"Mein Herz weint!"

Zwei Tage nach Beginn der Corona-Sicherheitsmaßnahmen in weiten Teilen Europas stapelten sich die prall gefüllten Container und Kisten auf einer Flüche so groß wie einem Fußballfeld. "Am diesem historischen Montag, am 16. März, wurde die Hälfte der wunderschönen bunten Prachtstücke hier nicht verkauft", berichtet Knorr immer noch perplex.

Als niemand mehr kaufen wollte, musste die Blumenbörse zum Äußersten greifen: die Pflanzen schreddern und entsorgen. Für eine Verschenk-Aktion war die schiere Menge zu groß, zudem fehle dafür jetzt Geld für die Logistik. Den nüchternen Holländer Knorr bringt so schnell nichts aus der Ruhe, aber als er seinen Kollegen beim Schreddern der Blumen zusehen musste, da hat es ihn auch gepackt: "Mein Herz weint! So etwas haben wir noch nie erlebt."

1,15 Millionen direkt Betroffene

Mittlerweile werden in Aalsmeer nur noch wenige Blumen gehandelt und die zu Dumpingpreisen: 25 Cent kostet ein Stiel sonst durchschnittlich - jetzt werden gerade mal fünf Cent aufgerufen. Um weitere Blumenberge zu verhindern, dürfen die Züchter und Lieferanten nur noch 30 Prozent dessen anliefern, was sie sonst in diesen Tagen umgesetzt hätten. Sie alle fragen sich, wie es weiter geht.

In der Blumenindustrie arbeiten 150.000 Menschen in den Niederlanden und noch mal eine Million Menschen in afrikanischen Ländern wie etwa Äthiopien für exotische Gewächse oder Kenia für Rosen. Sie alle hoffen auf Staatshilfen. Wie die aussehen könnten, ist noch unklar. Derweil werben sie in Kampagnen um Blumenkäufer mit dem Slogan: "Kauft Blumen, nicht Klopapier!"

Unbenutztes Logistikmaterial steht in den Hallen der Blumenbörse in Aalsmeer bei Amsterdam. | Bildquelle: WDR/Anneke Wardenbach
galerie

In den Hallen der Blumenbörse in Aalsmeer steht fast alles still.

Grabgestecke statt Ostersträuße

Der Florist Paul Deckers ist im Moment vor allem mit Mut machen und Trösten beschäftigt. Er kümmert sich in seinem Familienbetrieb im niederländischen Limburg jetzt viel um Kränze und Grabgestecke - im Moment dreht sich in der Floristik vieles ums Sterben. Dabei ist die Osterzeit nach der Karwoche sonst eigentlich eine fröhliche Zeit.

Deckers wäre mit seinem Team wohl in Rom, denn der 56-Jährige ist der niederländische "Blumenpapst", wie überall in seinem Laden deutlich sichtbar ist. Seit 35 Jahren dekoriert der Florist den Petersplatz und den Papstbalkon für den feierlichen Ostersegen Urbi et Orbi.

Grabgestecke statt Ostersträuße
Europamagazin, 04.04.2020, Gudrun Engel, WDR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Video einbetten

Nutzungsbedingungen Embedding Tagesschau: Durch Anklicken des Punktes „Einverstanden“ erkennt der Nutzer die vorliegenden AGB an. Damit wird dem Nutzer die Möglichkeit eingeräumt, unentgeltlich und nicht-exklusiv die Nutzung des tagesschau.de Video Players zum Embedding im eigenen Angebot. Der Nutzer erkennt ausdrücklich die freie redaktionelle Verantwortung für die bereitgestellten Inhalte der Tagesschau an und wird diese daher unverändert und in voller Länge nur im Rahmen der beantragten Nutzung verwenden. Der Nutzer darf insbesondere das Logo des NDR und der Tageschau im NDR Video Player nicht verändern. Darüber hinaus bedarf die Nutzung von Logos, Marken oder sonstigen Zeichen des NDR der vorherigen Zustimmung durch den NDR.
Der Nutzer garantiert, dass das überlassene Angebot werbefrei abgespielt bzw. dargestellt wird. Sofern der Nutzer Werbung im Umfeld des Videoplayers im eigenen Online-Auftritt präsentiert, ist diese so zu gestalten, dass zwischen dem NDR Video Player und den Werbeaussagen inhaltlich weder unmittelbar noch mittelbar ein Bezug hergestellt werden kann. Insbesondere ist es nicht gestattet, das überlassene Programmangebot durch Werbung zu unterbrechen oder sonstige online-typische Werbeformen zu verwenden, etwa durch Pre-Roll- oder Post-Roll-Darstellungen, Splitscreen oder Overlay. Der Video Player wird durch den Nutzer unverschlüsselt verfügbar gemacht. Der Nutzer wird von Dritten kein Entgelt für die Nutzung des NDR Video Players erheben. Vom Nutzer eingesetzte Digital Rights Managementsysteme dürfen nicht angewendet werden. Der Nutzer ist für die Einbindung der Inhalte der Tagesschau in seinem Online-Auftritt selbst verantwortlich.
Der Nutzer wird die eventuell notwendigen Rechte von den Verwertungsgesellschaften direkt lizenzieren und stellt den NDR von einer eventuellen Inanspruchnahme durch die Verwertungsgesellschaften bezüglich der Zugänglichmachung im Rahmen des Online-Auftritts frei oder wird dem NDR eventuell entstehende Kosten erstatten
Das Recht zur Widerrufung dieser Nutzungserlaubnis liegt insbesondere dann vor, wenn der Nutzer gegen die Vorgaben dieser AGB verstößt. Unabhängig davon endet die Nutzungsbefugnis für ein Video, wenn es der NDR aus rechtlichen (insbesondere urheber-, medien- oder presserechtlichen) Gründen nicht weiter zur Verbreitung bringen kann. In diesen Fällen wird der NDR das Angebot ohne Vorankündigung offline stellen. Dem Nutzer ist die Nutzung des entsprechenden Angebotes ab diesem Zeitpunkt untersagt. Der NDR kann die vorliegenden AGB nach Vorankündigung jederzeit ändern. Sie werden Bestandteil der Nutzungsbefugnis, wenn der Nutzer den geänderten AGB zustimmt.

Einverstanden

Zum einbetten einfach den HTML-Code kopieren und auf ihrer Seite einfügen.

Die Anthurie muss warten

In diesem Jahr hätte die Anthurie eine zentrale Rolle beim Blumenschmuck des Vatikan spielen sollen. Fast ein Jahr lang hat Deckers am Konzept gewerkelt - nun weiß er, dass es umsonst war. "Durch meine guten Kontakte nach Italien war schon früh klar, dass wir dieses Jahr nicht dorthin fahren können. Vor allem auch um das Team nicht zu gefährden."

Drei Päpste hat Deckers schon persönlich kennengelernt. Franziskus bedankte sich im vergangenen Jahr nach dem Segen öffentlich bei ihm für die "wunderschönen Blumen" - der mit Tausenden Gläubigen dicht gefüllte Platz jubelte.

Ein leerer Petersplatz

Dieses Jahr bleibt der Petersplatz leer - den Segen hat der Papst vorgezogen. Vor einer Woche gab es nasse Tristesse statt Blumenmeer. "Den Plan für dieses Jahr lege ich einfach als Blaupause für das kommende Jahr in die Schublade", gibt sich Deckers pragmatisch. "Die Welt hat jetzt viel größere Probleme." Enttäuscht sei er natürlich schon, aber auch zuversichtlich, dass er im kommenden Jahr wieder prachtvoll schmücken kann.

So bitter der Verdienstausfall sei, in der Krise wolle er versuchen, dem Menschen eine Freude zu machen. Die Blumen für den Papst hat er mit seinem Großlieferanten deshalb an Alten- und Pflegeheime sowie Krankenhäuser in der Umgebung gespendet. Blumen sollten schließlich schmücken, gute Laune schaffen und die Seele erfreuen.

Das erkennen auch die Kunden: Ein großes Unternehmen hat jetzt bei Decker mehrere Hundert Sträuße für die Mitarbeiter im Homeoffice bestellt. Als Anerkennung und Dankeschön für den besonderen Einsatz in diesen Tagen. Ein Blumengruß vom Chef. Denn eine Lieferung vor die Haustüre im Inland, dass funktioniert immerhin noch.

Über dieses Thema berichtet das Europamagazin am Sonntag, 5. April 2020

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 05. April 2020 um 15:00 Uhr.

Darstellung: