Skyline von Manhattan | Bildquelle: AFP

Pläne zum Klimaschutz Schluss mit Glas für New Yorks Wolkenkratzer

Stand: 27.04.2019 16:01 Uhr

Sie prägen das New Yorker Stadtbild: gläserne Wolkenkratzer. Ausgerechnet der Bürgermeister der Stadt der Hochhäuser stört sich nun an den Glasfassaden: Diese seien klimaschädlich und das müsse sich ändern.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York

Gerade erst hat New York seine so genannten Hudson Yards eröffnet - eine Stadt in der Stadt am Hudson-Fluss. Es sind Wohn- und Bürohochhäuser mit bis zu 75 Etagen aus Glas und Stahl. Da tritt der Bürgermeister einer Weltstadt, deren Markenzeichen genau solche Gebäude sind, ans Mikrofon und verkündet: Alles wird anders.

"Wir bereiten Gesetze vor, die diese Hochhäuser aus Glas und Stahl verbieten werden, die so sehr zur Erderwärmung beigetragen haben."

"Green New Deal" - so skandieren die Unterstützer von Bürgermeister Bill de Blasio begeistert. Ein Begriff, den New Yorks linke Demokratin Alexandria Ocasio-Cortez aufgebracht hat. In Anlehnung an Roosevelts "New Deal" mit Sozialprogrammen soll das "Grüne Neue Abkommen" den Umweltschutz radikal voranbringen.

Eine Millionenstadt ist verwundert. Was genau meint der Bürgermeister - das fragen ihn viele Sender, auch das Stadtfernsehen NY1.

"In der Tat: Ich beschimpfe Glas und Stahl. Solche Gebäude, die für Jahrzehnte gebaut wurden, sind große Verursacher von Treibhausgasen. Sie wurden als Monumente des Reichtums errichtet, sind aber schrecklich für die Umwelt."

Rudy Giuliani, früher New Yorks Bürgermeister, heute einer von Trumps Anwälten, schimpft über seinen Nachfolger: Der sei in seiner letzten Amtszeit. Mal schauen, wie viel Schaden er noch anrichte.

Skyline von New York | Bildquelle: AFP
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Hoch, groß und oft aus Glas: die Wolkenkratzer von New York.

Bauvorgaben sollen verschärft werden

Doch da geht es schon längst um Klarstellungen. New York wird keinen Gebäudetyp verbieten. Aber Bauvorgaben verschärfen, um mehr Energieeffizienz zu erreichen. Die Vorgaben seien auch mit Glas zu erfüllen, so Industrievertreter Yago Martinez. Möglich seien spezielle Beschichtungen und Dreifachverglasung, gefüllt mit schlecht Wärme leitenden Gasen wie Argon oder Krypton.

Bürgermeister de Blasio mahnt, noch aber seien die Nr.1-Verursacher für Emissionen die Gebäude in New York, nicht etwa der Verkehr der Großstadt.

Der Stadtrat hat gerade erst neue Standards für großflächige Häuser verabschiedet. So soll bis 2030 der CO2-Ausstoß, den Gebäude in New York verursachen, um 40 Prozent gesenkt werden. Insgesamt will die Metropole ihre Treibhausgase bis 2050 um 80 Prozent im Vergleich zu 2005 reduzieren.

Damit würde New York große Hoffnungen erfüllen. Die ruhen in Sachen Klimaschutz in den USA nun auf Städten, Bundesstaaten und Wirtschaftsunternehmen. Denn mit einem US-Präsidenten, der sich aus dem Pariser Klimavertrag verabschiedet hat, ist ja nicht zu rechnen.

Ambitionen auf ein Spitzenamt?

Zugleich werden de Blasio selbst auch Ambitionen nachgesagt, sich auf das Spitzenamt der USA bewerben zu wollen. Es gehe um nicht weniger als eine existentielle Frage, sagt er: Eine Zukunft ohne Angst, so ruft er es seinen Anhängern entgegen.

„Weg mit den Monumenten des Reichtums“
Kai Clement, ARD New York
27.04.2019 14:58 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 27. April 2019 um 14:50 Uhr.

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