New Yorks Bürgermeister Adams | AP

Gewalt in New York Adams' Kampf gegen die Waffen

Stand: 29.01.2022 03:34 Uhr

6000 illegale Waffen beschlagnahmte die New Yorker Polizei 2021. Zu viel, meint New Yorks neuer Bürgermeister Adams. Der Ex-Cop hat der Waffengewalt den Kampf angesagt, stößt aber an Grenzen.

Von Antje Passenheim, ARD-Studio New York

Gegen die Waffengewalt auf New Yorks Straßen ist Bürgermeister Eric Adams angetreten, mit Versprechen wie:

Wir werden unsere Stadt nicht den wenigen Gewaltbereiten ausliefern. Wir werden zurückkommen - aber nicht zu den schlechten alten Tagen. Wir holen die Leute am Abzug von den Straßen und nehmen ihnen die Waffen weg.
Antje Passenheim ARD-Studio New York

Gut drei Wochen später holt die Realität das Versprechen des Ex-Cops ein. Als Adams erfährt, dass ein 22-jähriger Polizist im Einsatz in Harlem durch Schüsse starb und sein Kollege schwer verletzt ist, kommt er gerade von einer Mahnwache aus der Bronx - für ein elf Monate altes Kleinkind, dem eine Irrläufer-Kugel in den Kopf geschossen wurde.

Für Adams ist die Waffengewalt trauriger Alltag: "Ich traf die Mutter einer 19-Jährigen, die getötet wurde, als sie von der Nachtschicht in Ost-Harlem kam", erzählt er. "Ich saß am Bett eines Polizisten, der von einem 16-Jährigen angeschossen wurde. Ich sah die blutverschmierte pinke Jacke des kleinen Mädchens ohne Kopfteil auf der Straße."

 

"Waffenhändler sorgen für Nachschub"

Die meisten Schüsse gehen auf das Konto von Banden. Sie haben seit der Corona-Pandemie regen Zulauf. Die Gefängnisse haben viele Häftlinge auf die Straßen gespült und sie dort einfach sich selbst überlassen. Tausende Jobs gibt es nicht mehr. "Unsere Polizisten konfiszieren täglich Rekordmengen von der Straße", berichtet Adams. Allein seit seinem Amtsantritt am 1. Januar seien es 350 Waffen in illegalem Besitz gewesen, vergangenes Jahr mehr als 6000 - "aber die Waffenhändler sorgen für Nachschub".

 

Appell an Regierung in Washington

Zwar gehören die New Yorker Waffengesetze bereits zu den strengsten des Landes. Doch viele Pistolen und Gewehre kommen leicht über die Nachbarstaaten herein. "Es gibt keine Waffenhersteller in New York. Und wenn die Polizei im vergangenen Jahr 6000 Waffen konfisziert hat, wissen wir, dass täglich neue per Auto, Bus oder Bahn in die Stadt kommen", kritisiert Adams. 

Er nimmt die US-Regierung in Washington in die Pflicht. Auf Bundesebene sei es versäumt worden, den Strom von Schusswaffen in seine Stadt zu stoppen. Dabei habe Präsident Joe Biden ihm Zusammenarbeit zugesagt.

Wir müssen zwischen Städten, Bundestaaten und staatlichen Behörden kooperieren. Genauso, wie wir das nach 9/11 gemacht haben, um den Terrorismus zu bekämpfen, müssen wir das mit den Verbrechen auf unseren Straßen machen.

 

Geld für Menschen, die Waffen abgeben

Als erster US-Bundesstaat hatte New York im vergangenen Sommer den Katastrophennotstand wegen Waffengewalt erklärt. Über diesen Weg kann Geld für die Abwehr locker gemacht werden: umgerechnet 118 Millionen Euro. Der größte Teil soll in neue Jobs fließen, der andere in Gemeindearbeit.

Schon seit Jahren bietet die New Yorker Polizei Programme an, in denen Besitzer ihre Waffen gegen Geld abgeben können. Unter Adams hat die New Yorker Polizei nun eine Zivileinheit wiedereingesetzt, die Waffen von der Straße holen soll. Er selbst hat in den 1990er-Jahren lange als Polizist gegen die damals eskalierende Gewalt an "Big Apple" gekämpft. Statistisch gesehen sei New York die sicherste Großstadt der USA, betont Adams - aber davon werde seine Regierung sich nicht zufriedenstellen lassen.

Es reiche auch nicht, zu beten, sagt Adams. Zu seiner Strategie gehören bessere Schulen und Jobangebote für junge Menschen in den ärmeren Stadtteilen, die er gut kennt. Der Demokrat befürwortet auch eine Rückkehr der hochumstrittenen "Stop and Frisk"-Taktik. Bis 2013 durften New Yorker Cops jeden beliebigen Menschen auf der Straße anhalten, um ihn willkürlich nach Waffen oder Drogen zu durchsuchen. Ein US-Bundesgericht stufte die Praxis als verfassungswidrig ein. 

 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 24. Januar 2022 um 23:38 Uhr in der Sendung "Das war der Tag".