Ausbruch des White-Island-Vulkans in Neuseeland. | Bildquelle: AFP

Vulkanausbruch in Neuseeland Polizei will Bergungsmission starten

Stand: 12.12.2019 07:18 Uhr

Die Warnung vor einem neuen Vulkanausbruch auf White Island besteht weiter - doch der Druck von Angehörigen steigt, die Toten von der Insel zu holen. Morgen will die neuseeländische Polizei mit der riskanten Bergung beginnen.

Neuseeländische Bergungsteams planen mehrere Tage nach dem Vulkanausbruch auf der Insel White Island einen riskanten Einsatz zur Bergung von Leichen. Trotz der Warnungen von Vulkanforschern vor einer möglichen neuen Eruption billigte die neuseeländische Polizei nach eigenen Angaben die Entsendung einer Bergungsmission.

Die Rettungskräfte sollen bereits am Freitag in dem Vulkangebiet nach den acht Vermissten suchen, wie Vize-Polizeichef John Tims mitteilte. Die Behörden gehen davon aus, dass sie aufgrund der von Drohnen und Hubschraubern kurz nach dem Ausbruch gesammelten Informationen den Ort von zumindest einigen der Leichname kennen. 

Noch kurz vor der jetzigen Ankündigung der Bergungsmission hatte Polizeiminister Stuart Nash in einem Radiointerview gesagt, es sei "Wahnsinn, Männer und Frauen nach White Island zu schicken, wenn es dort nicht sicher für sie ist". Allerdings war zuletzt von Seiten von Angehörigen der Druck auf die Behörden gewachsen, mit der Suche auf der Insel zu beginnen. Befürchtet wird, dass sie bei einer neuen Eruption für immer verschwunden sein könnten.

Dampf steigt aus dem Vulkan der neuseeländischen Insel White Island. | Bildquelle: AFP
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Bereits im November eine erhöhte vulkanische Aktivität auf White Island festgestellt.

Zwei weitere Menschen erliegen Verletzungen

Die Zahl der Todesopfer stieg unterdessen auf mindestens acht. Zwei Menschen erlagen nach Polizeiangaben im Krankenhaus ihren Verletzungen. Insgesamt 21 Menschen werden derzeit wegen teils schlimmer Verbrennungen in Spezialkliniken behandelt.

Den Gesundheitsbehörden zufolge sind 16 davon in einem kritischen Zustand. Mehrere der Opfer könnten nicht sprechen, teilte die Polizei mit. Sie hätten schwere Verbrennungen nicht nur an der Körperoberfläche, sondern auch an inneren Organen.

Beliebte Touristenattraktion

Die Behörden vermutet, dass es auf White Island mindestens acht weitere Todesopfer gibt, nach denen nun gesucht werden soll. Zum Zeitpunkt der Eruption des auch unter dem Namen Whaakari bekannten White Island Vulkans am Montag hielten sich 47 Menschen auf der Insel auf. Darunter waren vier Deutsche, die nach Angaben des Auswärtigen Amts in Berlin Verletzungen davon trugen. Die anderen Ausflugstouristen und Reiseleiter kamen aus Australien, den USA, Großbritannien, China, Malaysia und Neuseeland.

White Island ist die Spitze eines größtenteils unter Wasser liegenden Vulkans, der als beliebte Touristenattraktion gilt und jährlich von Tausenden Touristen besucht wird. Am Montag waren Dampf und Asche mehr als 3500 Meter hoch in die Luft geschleudert worden. Auch in den folgenden Tagen spuckte der Vulkan immer wieder Dampf und Schlamm.

Gefahr eines weiteren Ausbruchs

Die neuseeländische Agentur für die Überprüfung von seismischer Aktivität GeoNet senkte den Alarm inzwischen auf Stufe 2. Seit Montag habe es keine weitere Eruption gegeben, teilte sie mit. Am Montag war Alarmstufe 4 erreicht worden - Stufe 5 bedeutet einen großen Ausbruch. Nach der Eruption hatte Stufe 3 gegolten. Ein weiterer Ausbruch in den kommenden Tagen ist nach Angaben der Agentur weiterhin möglich.

Nach wie vor stellt sich die Frage, warum den Touristen überhaupt ein Besuch der Insel erlaubt worden ist. Seismologen hatten im November eine erhöhte vulkanische Aktivität festgestellt. White Island ist seit 1953 ein Naturschutzgebiet in privater Hand. Ob je wieder Touristen auf die Insel dürfen, ist unklar.

Neuseeland: Opfer sollen von Vulkaninsel geholt werden
Lena Bodewein, ARD Singapur
12.12.2019 08:08 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 12. Dezember 2019 um 07:15 Uhr.

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