Dampf steigt aus dem Vulkan der neuseeländischen Insel White Island. | Bildquelle: AFP

Vulkanausbruch in Neuseeland Bergung der Leichen verzögert sich

Stand: 11.12.2019 09:50 Uhr

Noch sei es zu gefährlich, die Insel White Island nach dem Vulkanausbruch zu betreten, warnt die Polizei. Seismologen befürchten einen erneuten Ausbruch. Von den Verletzten schweben weiter viele in Lebensgefahr.

Nach dem Vulkanausbruch auf der neuseeländischen Insel White Island können Rettungsteams die Leichen der Todesopfer wegen der gefährlichen Bedingungen weiterhin nicht bergen. Die Insel könne noch nicht betreten werden, sagte Polizeiminister Stuart Nash. "Es wäre Wahnsinn, Männer und Frauen nach White Island zu schicken, wenn es dort nicht sicher für sie ist."

Gefahr eines weiteren Ausbruchs

Der Vulkan spuckt weiterhin Dampf und Dreck in die Höhe, aus dem Krater treten giftige Gase aus. Die ganze Insel ist mit einer dicken Schicht säurehaltiger Asche bedeckt. Laut Seismologen stieg die vulkanische Aktivität an. Die Gefahr eines erneuten Ausbruchs sei hoch, sie liege bei rund 50 Prozent. 

Die Behörden planen den Einsatz von Drohnen, um den Gehalt giftiger Gase in der Luft rund um die Insel zu messen. Bisher konnten die Drohnen jedoch wegen windigen Wetters nicht starten. Die Polizei teste alle zwei bis drei Stunden, ob der Einsatz endlich starten könne, sagte Polizeichef Bruce Bird.

Vulkan auf der White Island in Neuseeland | Bildquelle: AFP/Maxar Technologies
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Eine aktuelle Satellitenaufnahme des White-Island-Vulkans

Kritik am Vorgehen der Polizei

Die Vorsicht der Polizei stieß auch auf Kritik. Hubschrauberpilot Mark Law sagte, er könne die Verzögerung nicht verstehen. Wenn die Entscheidung bei ihm läge, ginge es sofort los. "Es würde 20 Minuten brauchen, um dorthin zu kommen." Man wisse, wo die Leichen seien. "Wir könnten sie nach Hause bringen."

Die Leiterin des nationalen Zivilschutzes, Sarah Stuart-Black, sprach von einer "höchst tragischen Situation", nicht nur für die Hinterbliebenen.

Der auch unter dem Namen Whaakari bekannte White-Island-Vulkan vor der Küste von Whakatane auf der Nordinsel Neuseelands war am Montag ausgebrochen. Dabei kamen mindestens sechs Menschen ums Leben, auf der Insel werden nach jüngsten Informationen der Polizei mindestens neun weitere Leichen vermutet.

Viele Verletzte schweben noch ins Lebensgefahr

Zum Zeitpunkt der Eruption hielten sich 47 Ausflugstouristen und Reiseleiter auf der Insel auf. Laut dem neuseeländischen Gesundheitsministerium schweben 22 Überlebende mit schwersten Verbrennungen weiterhin in Lebensgefahr. Mehrere der Opfer könnten nicht sprechen, sie hätten schwere Verbrennungen nicht nur an der Körperoberfläche, sondern auch an inneren Organen.

Auch Deutsche betroffen

Insgesamt liegen noch 30 Menschen in Krankenhäusern. Unter ihnen sind auch vier deutsche Neuseeland-Urlauber. Wie schlimm ihre Verletzungen sind, ist unklar.

Australien kündigte an, zehn der Verletzten auszufliegen und in eigenen Spezialkliniken für Verbrennungen zu behandeln. Dazu sei eine Militärmaschine nach Neuseeland geschickt worden.

Experten zufolge stieß der Vulkan bei der Eruption extrem heißen Dampf und kanonenkugelgroße Gesteinsbrocken aus.

Flaggen auf halbmast: Bergungsarbeiten erschwert nach Vulkanausbruch in Neuseeland
Lena Bodewein, ARD Singapur
11.12.2019 08:17 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 11. Dezember 2019 um 07:46 Uhr und 08:39 Uhr.

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