Lockerungsübungen: Kinder in Christchurch | AFP

Neuseeland und das Virus Team Kiwi gegen Corona

Stand: 17.05.2020 11:09 Uhr

Nach sieben Wochen Lockdown kehrt Neuseeland zur Normalität zurück. Das Coronavirus gilt als besiegt. Regierungschefin Ardern ist beliebt wie nie zuvor. Ihre Strategie: Teamgeist und Transparenz.

Von Holger Senzel, ARD-Studio Singapur

Mit einem Bungee-Sprung begrüßt der Bürgermeister von Queenstown die Lockerungen der Corona-Maßnahmen. Mit Applaus wird die erste Kundin in einem Café willkommen geheißen. An der Westküste erobern sich  Surfer die Wellen zurück: Die Neuseeländer feiern das Leben, nachdem Premierministerin Jacinda Ardern Phase zwei im Kampf gegen Corona eröffnet hat.

Holger Senzel ARD-Studio Singapur

Die Wirtschaft wird wieder hochgefahren, die Geschäfte öffnen wieder, die Menschen dürfen nach draußen, nach einer der strengsten Ausgangssperren der Welt. Sieben Wochen haben die Neuseeländer zu Hause verbringen müssen.

Dann erklärte die Regierungschefin das Virus für besiegt: "Wir Kiwis waren stark und entschlossen. Wir wussten, dass wir diesen Krieg am Ende nur gewinnen können, wenn wir gemeinsam handeln. Deshalb haben wir ein Team gebildet und als Mannschaft haben wir eine Mauer gebaut, um einander zu schützen."

Bevölkerung unterstützt strengen Lockdown

Bereits Mitte März - da waren in dem Fünf-Millionen-Inselstaat gerade mal sechs Covid-19-Fälle bestätigt - verkündete die sozialdemokratische Politikerin strenge Quarantäne-Regeln. Wenige Tage später bereitete sie ihr Land bereits auf den Lockdown vor.

Sieben Wochen lang haben die Neuseeländer ihre Normalität geopfert, um Alte und Kranke zu schützen. Doch anders als etwa in Deutschland - wo die Einschränkungen niemals auch nur annähernd so radikal waren wie in Neuseeland - gibt es kaum Kritik in der Bevölkerung.

"Ich denke, es war das Einzige, das wir tun konnten", sagt Surfer Alan Miller. "Wir Neuseeländer können uns jetzt sicher fühlen und nun um so schneller zum normalen Leben zurückkehren." Und seine Freundin Bridget Wallis ergänzt: "Ich unterstütze die Regierung. Ich denke, sie haben einen fantastischen Job gemacht. Ich fühle mich wirklich sicher."

Grund zur Freude: Kinder in Wellington auf einem Spielplatz. | AFP

Grund zur Freude: Kinder in Wellington auf einem Spielplatz. Bild: AFP

Ardern erntet Lob für Transparenz

Ardern, deren politische Zukunft unlängst noch mehr als ungewiss war, ist bei den Neuseeländern beliebter denn je. Was womöglich auch an der Transparenz lag, mit der sie die Fakten während der Ausgangssperre Tag für Tag in Pressekonferenzen kommunizierte.

1498 Covid-19-Erkrankungen, 21 Tote - das ist die bisherige Bilanz. Lediglich eine einzige Neuinfektion wurde seit Mittwoch registriert. Gesundheitsdirekor Ashley Bloomfield sieht Neuseeland für die Zukunft gut gerüstet: "Wir werden jeden neuen Fall schnell ermitteln, die Kontakte nachverfolgen, die Leute isolieren. Wir haben dafür die Testkapazitäten und auch die Technologie, um die Kontakte aufzuspüren."

Jacinda Ardern bei einer ihrer täglichen Pressekonferenzen. | dpa

Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, bei einer ihrer täglichen Pressekonferenzen. Bild: dpa

Schwerste Rezession seit Jahrzehnten

Der Lockdown hat allerdings auch Handel und Tourismus - die wichtigsten Säulen der neuseeländischen Wirtschaft - auf null abgebremst, das Land erlebt die schwerste Rezession seit Jahrzehnten. "Ich habe nie behauptet, dass die Zukunft ein Zuckerschlecken ist", erklärt Ardern, aber so wie wir gemeinsam das Virus bekämpft haben, können wir uns jetzt auch zusammenschließen, um unsere Wirtschaft wieder aufzubauen."

"Nie die Teamkameraden aus dem Auge verlieren", riet die Premierministerin: "Genießt es wieder draußen zu sein, zusammen zu sein. Wahrt Distanz. Und seid freundlich."

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 16. Mai 2020 um 06:08 Uhr.