Jacinda Ardern | Bildquelle: AFP

Neuseelands Corona-Strategie Das harte Durchgreifen von "Tante Cindy"

Stand: 14.11.2020 12:46 Uhr

Neuseelands Premierministerin Ardern geht die Corona-Pandemie in ihrem Land auf ganz eigene Weise an: mit einer Mischung aus harter Entschlossenheit und medialer Fürsorglichkeit. Offenbar mit Erfolg.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Im Frühjahr, also im neuseeländischen Herbst, da hatte das Land das hinter sich, was ihre Premierministerin Jacinda Ardern "die strengsten Beschränkungen der Neuseeländer in ihrer modernen Geschichte" nannte. "Es waren fünf Wochen, in denen wir auf eine Art und Weise gearbeitet und gelebt haben, die vor zwei Monaten noch undenkbar schien."

Damals, Anfang März, als die Kunde von der weltweiten Verbreitung des Virus die Runde machte. "Aber wir haben es getan, und wir haben es gemeinsam geschafft." Hart und schnell wollte die Regierung das Virus angehen, aber vor allem als "Team Neuseeland" - mit fünf Millionen Menschen.

Und so begleitete die Premierministerin ihre Bürger über die sozialen Medien durch die Lockdowntage. Sie versicherte den Kindern, dass der Osterhase kommen dürfe - schließlich sei er systemrelevant. Das medizinische Team der Regierung gab und gibt Erklärstunden auf Facebook, die Grenzen des Inselstaates am anderen Ende der Welt blieben dicht, um das Virus auszumerzen und fernzuhalten. Das Ergebnis: Bisher insgesamt nur 1998 verzeichnete Covid-19-Infektionen und 25 Tote.

Lockdown für Millionenstadt

Als Neuseeland im Juni zum ersten Mal keine aktiven Infektionen mehr vorwies, legte die Premierministerin einen kleinen Tanz ein, verriet sie. "Meine Tochter Neve hatte absolut keine Ahnung, was los war, aber sie hat mitgetanzt."

Nach 100 Covid-19-freien Tagen gab es einen erneuten Ausbruch in Auckland. Daraufhin wurde die komplette Millionenstadt - die größte des Landes - ohne Zögern wieder in den Lockdown geschickt. Zurzeit gibt es 55 aktive Fälle, fast alles Rückkehrer und damit unter Kontrolle.

Denn jeder, dem es überhaupt gestattet wurde zurückzukehren, muss nach Ankunft direkt für 14 Tage in Hotel-Quarantäne, mit kurzem täglichem Hofgang. Weil so viele Neuseeländer ihre Heimat zu Weihnachten besuchen wollen, musste die Regierung noch mehr Quarantäne-Plätze suchen, damit alle auch einreisen können.

"Bleibt gesund"

"Neuseeland macht seine Sache weiterhin richtig gut, auch in Anbetracht der 70.000 Neuseeländer, die heimgekehrt sind - wie es ihr Recht ist - und die in unseren Quarantäne-Einrichtungen waren", fasste Ardern zusammen. "Aber Covid wütet in der Welt und wir müssen wachsam bleiben. Vielen Dank an alle, die dafür so hart arbeiten. Vor allem an die Menschen, die unsere Grenzen hüten."

Internationale Reisende dürfen das Land weiterhin nicht besuchen - was den Tourismus hart trifft, wie überall auf der Welt. Im Alltag, zu dem das Land ansonsten zurückgekehrt ist, muss zwar niemand Maske tragen, sollte es aber, wie das Gesundheitsministerium rät. Und Premierministerin Ardern gibt ihren Schützlingen weiter Ratschläge über die sozialen Medien - so gerade nach einem aktuellen Fall in Auckland. "Scannt euch ein, wo auch immer ihr hingeht, notiert euch, wen ihr trefft - tut all das, was in Zeiten einer globalen Pandemie wirklich wichtig ist. Bleibt gesund!"

Für ihre Fürsorglichkeit hat sie auf instagram schon einen neuen Namen bekommen: Tante Cindy. "Till then, rest up everyone!" Bis dahin - erholt euch!

Hart, klar und mit Erfolg: Neuseelands Corona Strategie
Lena Bodewein, ARD Singapur
14.11.2020 11:59 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 14. November 2020 um 12:36 Uhr in der Sendung "Informationen am Mittag".

Korrespondentin

Darstellung: