Drei junge Mädchen mit Blumensträußen laufen bei einem Trauerzug nach den Anschlägen auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch mit. | Bildquelle: REUTERS

Attentat in Christchurch Durch Gewalt getrennt, in Trauer vereint

Stand: 16.03.2019 14:05 Uhr

Der Schock sitzt tief nach den Attentaten in Christchurch. Die Menschen versuchen, sich Trost zu spenden. Der mutmaßliche Täter - ein 28-jähriger Australier - sitzt in Untersuchungshaft.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

"Für ein Land, das leidet, bitten wir Dich, Herr, sei bei uns. Für eine Stadt, die leidet, sei bei uns. Für unsere toten Brüder und Schwestern, Herr, sei bei ihnen."

Menschen halten sich in den Armen, sie singen und beten bei einer spontanen Mahnwache in Christchurch. Die Neuseeländer haben nicht nur schon Millionen von Euro für die Angehörigen der Opfer des Attentats auf zwei Moscheen gesammelt - sie arbeiten auch daran, den Schock dieses Attentats aufzuarbeiten.

Nach Anschlag in Neuseeland wird mutmaßlicher Täter angeklagt
tagesthemen 23:30 Uhr, 16.03.2019, Jan Liebold, NDR

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"Das ist nicht Neuseeland"

Die Menschen umarmen sich spontan, trösten sich. Reporter nehmen ihre Interviewpartner in den Arm. Der Imam einer der beiden angegriffenen Moscheen berichtet, dass viele fremde Menschen kommen und auch ihn umarmen. "Wir lieben dieses Land nach wie vor", sagt er. Extremisten könnten das Vertrauen der Muslime in dieses Land nie erschüttern

"Das ist nicht Neuseeland", steht auf handgemalten Schildern zwischen Blumen, die an Moscheen überall im Land niederlegt wurden. Auf anderen ist zu lesen: "Wir denken an Euch alle in dieser schweren Zeit". Oder:

"Ihr hättet hier sicher sein sollen, aber ihr wart es nicht."

Zwei Männer nehmen sich in Christchurch in den Arm, um sich nach den Anschlägen auf zwei Moscheen Trost zu spenden. | Bildquelle: AFP
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Trost durch Nähe - so versuchen die Menschen in Christchurch die Trauer zu verarbeiten.

Immer mehr Opfer werden identifiziert

Immer mehr Angehörige erhalten die traurige Gewissheit, dass ihre Männer, Frauen oder Kinder unter den Opfern sind. Ein Syrer wurde getötet, der vor einigen Monaten erst mit seiner Familie aus den Wirren des Bürgerkriegs nach Neuseeland gekommen war. Einer seiner Söhne ist verletzt, der andere vermisst in der Moschee.

"Die Polizei bemüht sich, alle Leichen zu bergen. Die Spurensicherung, Gerichtsmediziner, Pathologen sind dabei und all diese Menschen wissen, wie wichtig es für die Familien ist, dass sie ihre Angehörigen so schnell wie möglich sehen können", sagt Premierministerin Jacinda Ardern bei dem Besuch eines Flüchtlingszentrums in Christchurch, in dem Angehörige von Opfern versorgt werden.

"Er wollte die Attacke ganz klar fortsetzen"

Sie lobt das Verhalten der Polizei: "Sie haben sofort auf den Notruf nach dem Anschlag reagiert. Der Verdächtige war 36 Minuten nach dem ersten Anruf in Gewahrsam. Er war mit dem Auto unterwegs und hatte zwei weitere Waffen dort - er wollte die Attacke ganz klar fortsetzen."

Ein Handyvideo zeigt, wie Polizisten auf das Auto des mutmaßlichen Attentäters zustürmen. Ein Polizeiauto hatte es gerammt und gestoppt, sie zerren den Mann heraus und zu Boden.

Verbindungen nach Europa?

Der bulgarische Geheimdienst prüft mögliche Verbindungen des Attentäters von Christchurch nach Europa. Das angebliche Video der Bluttat zeigt auf Waffen des Täters Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan.

Zudem habe der Attentäter von Christchurch im November 2018 historische Orte in Bulgarien besucht, sagte der bulgarische Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow. Der Attentäter sei im Herbst 2018 von Dubai nach Bulgarien geflogen und habe auch Rumänien und Ungarn bereist. Bereits im Dezember 2016 sei er nach Serbien, Montenegro, Bosnien und Herzegowina und Kroatien gereist. Die bulgarischen Geheimdienste arbeiteten in dem Fall mit den Diensten der betreffenden Staaten zusammen, sagte Zazarow.

Mutmaßlicher Täter verzichtete selbst auf Kaution

Der mutmaßliche Attentäter ist bereits einem Richter vorgeführt worden. Er bleibt in Untersuchungshaft, bis er am 5. April erneut vor Gericht erscheinen soll, um sich wegen Mordes zu verantworten. Auf eine Kaution hatte der 28-jährige selbst verzichtet, ebenso darauf, dass sein Name der Öffentlichkeit nicht preisgegeben wird. Im Gegenteil scheint er sich geradezu zu wünschen, dass sein Name bekannt wird, dass seine Tat von Gleichgesinnten gefeiert wird.

Nach den Anschlägen auf zwei Moscheen, bei denen 50 Menschen getötet und 40 Menschen verletzt wurden, tauchte im Internet ein "Manifest" auf, das von dem mutmaßlichen Täter verfasst worden sein könnte. Es spiegelt deutlich rechtsextreme und fremdenfeindliche Ideologien wider.

In Christchurch ist nun viel bewaffnete Polizei zu sehen, Moscheen sind gesichert. Bis hier wieder Normalität einkehrt, wird es lange dauern. Viele der Muslime von Christchurch sind als Arbeiter hierhergekommen, um die Stadt nach dem verheerenden Erdbeben von 2011 wieder mit aufzubauen.^

Neuseeland nach dem Terroranschlag
Lena Bodewein, ARD Singapur
16.03.2019 12:49 Uhr

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Über dieses Thema berichteten am 16. März 2019 Deutschlandfunk um 12:11 Uhr und tagesschau24 um 13:00 Uhr.

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