Neuseelands Premierministerin Ardern mit Mitgliedern der muslimischen Gemeinschaft | Bildquelle: AFP

Ardern zu Christchurch Die Opfer benennen - nicht den Täter

Stand: 19.03.2019 13:38 Uhr

Schaut auf die Opfer - nicht auf den Täter. Mit diesem Appell hat die neuseeländische Premierministerin Ardern des Anschlags in Christchurch gedacht. Kritik übte sie an Facebook.

Das neuseeländische Parlament hat der 50 Todesopfer des Anschlags auf zwei Moscheen in Christchurch gedacht. Die Abgeordneten begannen die Gedenkfeier mit einem islamischen Gebet. Auch Premierministerin Jacinda Ardern ging mit der arabischen Grußformel "Salam aleikum" ("Friede sei mit Euch") auf die Religion der Opfer ein.

In ihrer Rede verzichtete die Premierministerin darauf, den 28-jährigen mutmaßlichen Attentäter beim Namen zu nennen. Er sei ein Terrorist, Krimineller und Extremist.

"Er wollte viele Dinge mit seinem Akt des Terrors zu erreichen. Eines davon war, berühmt zu werden. Deshalb werden Sie von mir niemals seinen Namen hören."

Der Täter suche nach einer Möglichkeit, seine rassistischen Ansichten zu verbreiten - das wolle sie verhindern, sagte Ardern. Die in schwarz gekleidete Premierministerin forderte, stattdessen die Namen derjenigen zu nennen, "die wir verloren haben".

Der Angeklagte hatte angekündigt, sich vor Gericht selbst verteidigen zu wollen und auf einen Anwalt verzichtet. Ob und wie sich verhindern lässt, dass der 28-Jährige Australier den ersten Verhandlungstermin am 5. April als Bühne nutzt, wird gerade diskutiert. Bevor das Kabinett am kommenden Montag wieder zusammenkommt, will die Premierministerin die geplanten Änderungen der Waffengesetze bekanntgeben.

Beisetzung am Mittwoch

Morgen sollen zahlreiche Todesopfer - alles Muslime - in Christchurch beigesetzt werden. Auf Spendenkonten für die Hinterbliebenen gingen inzwischen umgerechnet mehr als fünf Millionen Euro ein. Die meisten Opfer kommen aus Einwandererfamilien.

In den Krankenhäusern der Stadt werden noch 30 Verletzte behandelt. Nach Angaben der Kliniken sind neun von ihnen noch in kritischem Zustand.

Kritik an Facebook

Die Tatsache, dass der Täter seine Tat mit einer Helmkamera gefilmt und das Video live bei Facebook übertragen hatte, sorgt für Diskussionen. Premierministerin Ardern verlangte, von den großen Internet-Konzernen wie Facebook und Google, ihrer moralischen Verantwortung gerecht zu werden und die Verbreitung solcher Videos zu verhindern. "Das darf kein Fall sein, in dem es allein um Profit geht, nicht um Verantwortung."

Facebook hatte mitgeteilt, in den ersten 24 Stunden nach dem Anschlag 1,5 Millionen Kopien des Videos entfernt zu haben. Ardern kritisierte, dass das Video auch Tage danach noch zu sehen war. Sie habe mit Facebook Kontakt gehabt, die Sache liege in der Verantwortung des Unternehmens.

Auch mehrere neuseeländische Netzbetreiber forderten von den Konzernen, mehr zu tun. Zudem zogen verschiedene neuseeländische Firmen ihre Anzeigen zurück, die sie bei Facebook geschaltet hatten.

Neuseeländisches Parlament gedenkt der Opfer
tagesschau 09:00 Uhr, 19.03.2019

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Erdogan nutzte Video der Tat

Der stellvertretende Regierungschef und Außenminister Winston Peters kritisierte die Türkei für die "Politisierung des Massakers". Ein solches Vorgehen gefährde die Zukunft und die Sicherheit der neuseeländischen Bevölkerung, sagte er.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan hatte die Aufnahmen der Tat bei mehreren live übertragenen Wahlkampfkundgebungen am Wochenende gezeigt und diese als Angriff auf den Islam und die Türkei im Besonderen dargestellt. In dem Manifest des Täters wurde auch die Türkei erwähnt.

Peters sagte, er habe sich direkt beim türkischen Vizepräsidenten Fuat Oktay und bei Außenminister Mevlüt Cavusoglu über die Verwendung des Videos beschwert, als diese nach dem Anschlag auf die beiden Moscheen in Christchurch die Stadt besuchten.

Mit Informationen von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 19. März 2019 um 08:00 Uhr.

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