Trauernde Menschen legen Blumen an einen Zaun in den Botanischen Gärten von Christchurch. | Bildquelle: dpa

Anschlag von Christchurch Weiterleben nach dem Terror

Stand: 17.03.2019 15:28 Uhr

Neuseeland ist nach den Attentaten von Christchurch weiter im Schockzustand. Von allen Seiten kommt Unterstützung für Opfer und Angehörige. Diese warten sehnlichst darauf, die Toten bestatten zu können.

Von Lena Bodewein, ARD-Studio Singapur

Der Wille der Neuseeländer ist ungebrochen: Liebe und Frieden sind ihre Botschaft, die Propaganda des Hasses, die der Attentäter von Christchurch verbreiten wollte, lassen sie nicht an sich heran - auch nicht der Imam der Masjid-al-Noor-Moschee, in der mehr als 40 Menschen starben.

"Neuseeland ist ein friedliches Land", sagt Gamal Fouda. "Wir lieben es und werden es weiterhin lieben - und auch die Neuseeländer. Es wird uns keine Angst machen und nicht davon abhalten, mit unseren Brüdern und Schwestern zusammenzuarbeiten in diesem schönen Land."

Es sei ein großer Schock, erzählt der Imam dem "New Zealand Herald". Er sprach gerade zu den Gläubigen, als die ersten Schüsse ertönten. Und innerhalb kürzester Zeit tötete der Attentäter einen Menschen nach dem anderen. "Sie fielen, stürzten aufeinander, einer über den anderen." Der Attentäter habe nur dagestanden und auf die Menschen gezielt. "Wenn er etwas hörte, ein Geräusch von irgendwoher, schoss er dahin. Er beobachtete die Menschen, ganz ruhig, und schoss und schoss und schoss und schoss."

Trauernde Menschen halten sich an den Händen. | Bildquelle: AP
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Nach dem Anschlag beten viele Neuseeländer gemeinsam und spenden sich gegenseitig Trost.

Tote sollen Angehörigen übergeben werden

Für alle, die das überlebt haben, für die Verletzten und die Familien der Toten wird dieser Schrecken lange noch nicht vorbei sein. Die Neuseeländer tun, was sie können, um sich gegenseitig Halt zu geben und sich zu trösten. Sie legen Blumen nieder und beten gemeinsam. Sie spendeten bereits Millionen von Euro für die Familien der Opfer. Von jeder Seite kommen Unterstützung und Solidarität. Eine Motorrad-Gang führte vor der Masjid-al-Noor-Moschee den traditionellen Tanz der Ureinwohner, der Maori, vor.

Was für die Familien der Toten aber das Wichtigste ist: Ihre Liebsten bestatten zu können. Nach islamischem Ritus sollte das eigentlich innerhalb eines Tages geschehen - dass das nicht möglich ist, quält die Angehörigen noch mehr.

"Der sehr, sehr wichtige Schritt der Rückgabe der Opfer dieses schrecklichen Vorfalls an ihre Angehörigen wird heute Abend beginnen und hoffentlich bis Mittwoch beendet sein", sagt Polizeichef Mike Bush. Die Polizei geht inzwischen davon aus, dass der mutmaßliche Attentäter allein gehandelt hat.

Mike Bush, Polizeipräsident von Neuseeland | Bildquelle: dpa
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Polizeipräsident Mike Bush will, dass sich die Neuseeländer auch nach dem Anschlag sicher fühlen.

Starke Polizeipräsenz angekündigt

Die Premierministerin bestätigte, dass sie und 30 andere Adressaten neun Minuten vor Beginn des Attentats das "Manifest" des mutmaßlichen Täters erhielten. Doch es habe weder einen Ort noch andere Details enthalten, sie konnten nicht handeln und nichts verhindern. Am Montag wird das Parlament in Wellington über die Verschärfung der Waffengesetze diskutieren.

Für die Neuseeländer wird der Beginn der Woche hart werden. "Die Menschen in Christchurch und in ganz Neuseeland werden ihre Leben wieder aufnehmen wollen", glaubt Bush. "Es ist die Aufgabe der neuseeländischen Polizei, dafür zu sorgen, dass sie das in Sicherheit tun können." Er kündigte eine "sehr deutliche Polizeipräsenz" an - auf den Straßen, vor den Geschäften, vor den Schulen und auch in der Luft. Und vor den Moscheen werden weiterhin Meere von Blumen liegen.

Anschlag in Christchurch: In Liebe weiterleben
Lena Bodewein, ARD Singapur
17.03.2019 15:21 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. März 2019 um 13:00 Uhr im "Mittagsecho".

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