Jacinda Ardern | Bildquelle: AFP

Anschlag von Christchurch Ardern erhielt "Manifest" per Mail

Stand: 17.03.2019 06:59 Uhr

Der mutmaßliche Täter von Christchurch schickte sein rechtsextremes "Manifest" kurz vor dem Massenmord auch an Neuseelands Premierministerin Ardern. Doch der Mann sei nicht zu stoppen gewesen. Die Zahl der Toten stieg auf 50.

"Ich war eine von mehr als 30 Empfängern des Manifests, das per Mail versendet wurde - neun Minuten, bevor die Tat stattfand": Neuseelands Premierministerin Jacinda Ardern hat bestätigt, eine Hassschrift des mutmaßlichen Christchurch-Attentäters erhalten zu haben.

In dem 74-seitigen Schreiben seien keine Ortsangaben oder Details zu der bevorstehenden Tat enthalten gewesen, betonte sie. Zwei Minuten nach Erhalt sei das "Manifest" an die Sicherheitsbehörden weitergeleitet worden. Ein Regierungssprecher betonte: "Es gab keine Gelegenheit, ihn zu stoppen."

Debatte über Livestreaming

Der mutmaßliche Täter, ein Australier, hatte am Freitag in zwei Moscheen in Christchurch 50 Menschen erschossen und Dutzende weitere verletzt. Das "Manifest", das ihm zugerechnet wird, ist durchzogen von rechtsextremen Verschwörungstheorien. Der Mann wurde gefasst und muss sich nun wegen Mordes vor Gericht verantworten. Die Regierung stuft die Tat als Terrorakt ein.

Der 28-Jährige hatte seine Tat gefilmt und live über Facebook gestreamt. Wenig später kursierte das Tatvideo in den sozialen Netzwerken und wurde dort massiv geteilt. Facebook löschte nach eigenen Angaben in den ersten 24 Stunden nach der Tat 1,5 Millionen Videos der Attacke. Ardern teilte mit, sie habe noch keine Gelegenheit gehabt, mit Facebook-Geschäftsführerin Cheryl Sandberg direkt zu sprechen. Aber das Livestreaming sei ein Problem, über das sie diskutieren wolle.

Die Regierungschefin äußerte sich in der Hauptstadt Wellington, wo sie zum Gedenken an die Opfer in einer Moschee einen Kranz niederlegte. Zwei Tage nach der Tat schweben noch immer zwei Menschen in Lebensgefahr. 36 Menschen liegen mit Schussverletzungen in Krankenhäusern.

Jacina Ardern | Bildquelle: dpa
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Ardern besuchte in Wellington eine Moschee.

Opfer zwischen drei und 77 Jahre alt

Die 50 Todesopfer waren laut einer vorläufigen Auflistung zwischen drei und 77 Jahre alt. Familie und Freunde warten nun darauf, dass die Leichen zur Beisetzung freigegeben werden. Vermutet wird, dass alle Opfer muslimischen Glaubens waren. Viele waren als Einwanderer nach Neuseeland gekommen. Ihre Familien haben Wurzeln in Ländern wie Pakistan, Bangladesch, Afghanistan, Ägypten, Saudi-Arabien und Indien. Die genaue Herkunft will die Polizei erst bekannt geben, wenn alle Leichen identifiziert sind.

Die Tat hat Neuseeland tief erschüttert. In Christchurch ist nun viel bewaffnete Polizei zu sehen, Moscheen sind gesichert. Bis wieder Normalität einkehrt, wird es lange dauern.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 17. März 2019 um 06:00 Uhr.

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