Jacinda Ardern, Premierministerin von Neuseeland, spricht auf einer Pressekonferenz über die Änderung der Waffengesetze.  | Bildquelle: dpa

Nach Anschlag in Christchurch Neuseeland will Waffengesetze verschärfen

Stand: 16.03.2019 13:34 Uhr

Nach dem Anschlag auf zwei Moscheen will Neuseeland das Waffenrecht verschärfen. Der mutmaßliche Haupttäter besaß offenbar einen Waffenschein. Eine Spur des Mannes führt nach Europa.

Als Konsequenz aus dem Terroranschlag auf zwei Moscheen will Neuseeland das Waffenrecht verschärfen. "Unsere Waffengesetze werden sich ändern", versprach Premierministerin Jacinda Ardern. Der Tatverdächtige habe im November 2017 einen Waffenschein erworben. Bei ihm seien fünf Schusswaffen gefunden worden, darunter zwei halbautomatische, die er legal habe erwerben können, sagte sie.

Der Verdächtige, ein 28-jähriger Australier, wurde inzwischen offiziell des Mordes beschuldigt. Weitere Anschuldigungen würden folgen, teilte die neuseeländische Polizei mit. Das Bezirksgericht von Christchurch habe die Entscheidung bei einer Anhörung unter großen Sicherheitsvorkehrungen unter Ausschluss der Öffentlichkeit gefällt. Der australische Premierminister Scott Morrison sprach von einem "rechtsextremistischen gewalttätigen Terroristen".

In Christchurch gedenken die Menschen der Opfer des Anschlags. | Bildquelle: AFP
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In Christchurch gedenken die Menschen der Opfer des Anschlags.

Tat gefilmt

Zur Zeit des Freitagsgebets hatte ein Mann in die Al-Nur-Moschee von Christchurch mit einer Schnellfeuerwaffe auf die Menschen geschossen. Seine Tat filmte er mit einer Helmkamera und übertrug die Bilder ins Internet. Die Polizei zählte am Tatort 41 Leichen. Einige Zeit später wurden in einer anderen Moschee der Stadt weitere Menschen erschossen. Unter den Opfern sollen auch mehrere Kinder sein.

Ardern zufolge plante der Schütze seine Tat fortzusetzen, allerdings konnten ihn zwei Beamte in seinem Auto stoppen. "Er hatte absolut die Absicht, seine Attacke fortzuführen", sagte die Regierungschefin. In seinem Auto seien zwei weitere Feuerwaffen sichergestellt worden. Neben dem mutmaßlichen Haupttäter wurden zwei weitere Verdächtige festgenommen.

Spur nach Bulgarien

Der mutmaßliche Haupttäter soll den Anschlag in einem "Manifest" im Internet ankündigt haben. Der bulgarische Geheimdienst prüft mögliche Verbindungen des Attentäters. Das angebliche Video der Bluttat zeigt auf Waffen des Täters Namen von Schlachten in Europa gegen die Araber oder die Osmanen, darunter mehrere auf dem Balkan. Zudem habe der Attentäter von Christchurch im November 2018 historische Orte in Bulgarien besucht, sagte der bulgarische Generalstaatsanwalt Sotir Zazarow.

Der Attentäter sei im Herbst 2018 von Dubai nach Bulgarien geflogen und habe auch Rumänien und Ungarn bereist. Bereits im Dezember 2016 sei er nach Serbien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina und Kroatien gereist. Die bulgarischen Geheimdienste arbeiteten in dem Fall mit den Diensten der betreffenden Staaten zusammen, sagte Zazarow.

Weltweites Entsetzen

Weltweit löste die Tat Entsetzen aus. Bundeskanzlerin Angela Merkel sagte, die Attacke sei gegen Muslime gerichtet und damit auch ein Anschlag auf die neuseeländische Demokratie. US-Präsident Donald Trump sicherte Ardern in einem Telefonat jedwede Hilfe der USA zu.

Die Polizei verstärkte die Maßnahmen in Neuseeland zum Schutz muslimischer Veranstaltungen und rief die Bürger über Twitter auf, Verdächtiges sofort zu melden. "Es gibt keine Garantie, dass die Gefahr auf Canterbury begrenzt ist, und alle Neuseeländer müssen besonders wachsam sein", hieß es.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 16. März 2019 um 02:44 Uhr.

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