Christchurch-Anschlag | dpa

Viele Tote in Neuseeland Entsetzen nach Terrorangriff auf Moscheen

Stand: 27.03.2019 14:53 Uhr

International haben Politiker die Angriffe auf Moscheen im neuseeländischen Christchurch als "brutales Verbrechen" verurteilt. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um einen rechtsextremen Australier handeln. 49 Menschen wurden getötet.

Die Angriffe auf zwei Moscheen in der neuseeländischen Stadt Christchurch mit 49 Toten und 48 Verletzten haben weltweit für Entsetzen gesorgt. Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern sprach von einem "gut vorbereiteten Terroranschlag".

Der mutmaßliche rechtsextreme Angreifer, ein Australier, hatte die Tat gefilmt und live im Internet übertragen. Nach Polizeiangaben wurden im Auto des Mannes zwei Sprengsätze sichergestellt und entschärft. Der Angreifer sowie zwei weitere Männer wurden festgenommen.

Mitgefühl und Solidarität

EU-Ratspräsident Donald Tusk drückte Mitgefühl aus und versicherte Solidarität: "Der brutale Angriff wird die Toleranz und den Anstand, wofür Neuseeland berühmt ist, niemals schmälern." EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker erklärte: "Die Europäische Union trauert heute mit euch und wir werden immer gegen jene an eurer Seite stehen, die auf abscheuliche Weise unsere Gesellschaften und unsere Art zu leben zerstören wollen."

Bundesaußenminister Heiko Maas verurteilte die Angriffe als "brutales Verbrechen". "Wir sind tief erschüttert von dem brutalen Verbrechen in Christchurch", schrieb er auf Twitter." In diesen schweren Stunden stehen wir fest an der Seite unserer neuseeländischen Freunde."

Die Ermittlungen laufen derweil auf Hochtouren. Die Polizei evakuierte ein Wohngebiet in der 350 Kilometer entfernt gelegenen Stadt Dunedin. Anwohner in der Nähe eines Hauses seien vorsichtshalber in Sicherheit gebracht worden, erklärte die Polizei. Das Haus sei im Zusammenhang mit den Ermittlungen "von Interesse", hieß es.

300 Menschen beim Freitagsgebet

Nach Augenzeugenberichten hatte der Angriff gegen 13.45 Uhr (1.45 Uhr MEZ) begonnen. Ein bewaffneter Mann drang in die Masjid-al-Noor-Moschee in der Innenstadt ein, wo sich zur Mittagsstunde mehr als 300 Menschen zum Freitagsgebet versammelt hatten, und schoss mit einer Schnellfeuerwaffe um sich. Später fielen noch in einer kleinen Moschee im Vorort Linwood Schüsse.

Aus Sorge vor weiteren Angriffen riegelte die Polizei Schulen und andere öffentliche Gebäude stundenlang ab. An die Bevölkerung - insbesondere an Muslime - appellierte sie, zu Hause zu bleiben: "Unter keinen Umständen sollte irgendjemand im Land jetzt zu einer Moschee gehen."

50.000 Muslime leben in Neuseeland

In Neuseeland ist nur eine kleine Minderheit der Bevölkerung muslimischen Glaubens. Insgesamt gibt es dort etwa 50.000 Muslime, viele davon Einwanderer aus Staaten wie Pakistan oder Bangladesch. Die Mehrheit in Neuseeland sind Christen. Die Stadt Christchurch hat 350.000 Einwohner und liegt auf der Südinsel des Pazifikstaats. Bürgermeisterin Lianne Dalziel sagte: "Alle sind geschockt. Ich hätte nie gedacht, dass so etwas hier passieren kann.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 15. März 2019 um 11:00 Uhr.