Wahlplakate auf Neukaledonien | Bildquelle: AFP

Ergebnis des Referendums Frankreich darf Neukaledonien behalten

Stand: 04.11.2018 19:39 Uhr

Die Mehrheit der Bewohner der Inselgruppe Neukaledonien hat sich bei einer Volksabstimmung dafür entschieden, weiterhin zu Frankreich gehören zu wollen. Vorerst. Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen.

Frankreich darf sein Überseegebiet Neukaledonien auf der anderen Seite der Erdkugel behalten. Auf der Inselgruppe im Pazifik - 18.000 Kilometer von Paris entfernt - entschied sich eine Mehrheit der Bevölkerung klar gegen die Unabhängigkeit.

In einer Volksabstimmung waren dem vorläufigen Endergebnis zufolge 56,4 Prozent dagegen. Für die Trennung nach mehr als anderthalb Jahrhunderten stimmten demnach 43,6 Prozent.

Rückschlag für die Ureinwohner

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sprach in einer Rede an die Nation aus dem Pariser Élyséepalast von einer "historischen Etappe". Er fügte hinzu: "Ich bin als Staatschef stolz darauf, dass sich die Mehrheit der Kaledonier für Frankreich entschieden hat."

Gleichzeitig rief er alle Beteiligten auf, miteinander im Gespräch zu bleiben. "Es gibt keinen anderen Weg als den Dialog." Er schloss seine Ansprache mit den Worten. "Es lebe Neukaledonien. Es lebe die Republik. Es lebe Frankreich."

Das Nein zur Unabhängigkeit bedeutet vor allem für die Bevölkerungsgruppe der Kanaken - Neukaledoniens Ureinwohner - eine herbe Enttäuschung. Viele von ihnen hoffen seit langem auf einen eigenen Staat.

Das Ergebnis bedeutet allerdings nicht, dass die Hoffnung der Separatisten endgültig vergebens ist. Bis 2024 sind nach früheren Abmachungen mit Paris noch zwei weitere Volksabstimmungen möglich. Aktuell sind noch knapp 40 Prozent der Bevölkerung Kanaken. Auf deutsch bedeutet Kanake Mensch.

Menschen in Neukaledonien stehen vor einem Wahllokal an. | Bildquelle: dpa
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Noumea auf Neukaledonien: Die Wahlbeteiligung lag eine Stunde vor Ende der Abstimmung bei 80 Prozent.

Befürworter der Unabhängigkeit Neukaledoniens schenkt eine Flagge | Bildquelle: AFP
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Die Befürworter einer Unabhängigkeit Neukaledoniens geben die Hoffnung nicht auf. Bis 2024 darf noch zwei mal über eine Abspaltung abgestimmt werden.

Frankreich schickt viel Geld auf die Inseln

Die rund 175.000 Wahlberechtigte waren aufgerufen darüber abzustimmen, ob sie die "vollständige Souveränität und Unabhängigkeit" der Inselgruppe im Pazifik wollen. Die Ureinwohner machen weniger als die Hälfte der Stimmberechtigten aus. Die Wahlbeteiligung lag laut vorläufigen Zahlen bei 80 Prozent.

Viele Unabhängigkeitsgegner verwiesen auf die 1,3 Milliarden Euro, die der französische Staat jedes Jahr in die öffentlichen Kassen Neukaledoniens fließen lässt. Andere befürchteten einen größeren Einfluss Chinas im Pazifik, sollte Frankreich in der Region weniger präsent sein.

Verbindung in die EU

Das Archipel Nouvelle-Calédonie - wörtlich übersetzt: Neuschottland - wurde 1853 von Paris in Besitz genommen und anfangs als Sträflingsinsel genutzt. Heute sind dort mehr als 280.000 Menschen zu Hause - neben Kanaken und Nachfahren der Kolonialsiedler inzwischen auch viele Zuwanderer aus anderen Pazifikstaaten.

Für Frankreich hat die Inselgruppe nach wie vor eine geostrategische Bedeutung. Zudem lagert hier ein Viertel der weltweiten Nickelvorkommen - ein wichtiger Rohstoff für die Herstellung elektronischer Geräte.

Neukaledonien gehört nicht zum Gebiet der Europäischen Union. Bezahlt wird nicht mit dem Euro, sondern mit dem Pazifik-Franc. Bei Europawahlen dürfen die Neukaledonier aber mitstimmen. Zudem gibt es von der EU auch Geld.

Karte: Neukaledonien
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Das französische Überseegebiet Neukaledonien im Pazifik stimmt über die Unabhängigkeit von Frankreich ab.

Neukaledonien bleibt französisches Übersee-Gebiet
Barbara Kostolnik, ARD Paris
05.11.2018 06:36 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 04. November 2018 um 15:00 Uhr.

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