Papst Franziskus beim Angelus-Gebet im Apostolischen Palast | VATICAN MEDIA HANDOUT/EPA-EFE/Sh

Papst Franziskus Neujahrssegen trotz Ischias-Schmerzen

Stand: 01.01.2021 14:56 Uhr

Die Gerüchte über eine Erkrankung des Papstes scheinen sich nicht zu bestätigen. Während er sich bei der Neujahrsmesse noch vertreten ließ, zeigte er sich beim Angelus-Gebet in guter Form und mahnte zu Solidarität.

Von Jörg Seisselberg, ARD-Studio Rom

Für viele Gläubige war auch dies eine wichtige Neujahrsbotschaft: Der Papst zeigte sich beim Angelus-Gebet in guter Form. Die Rückenprobleme, wegen der Franziskus zuvor seine Teilnahme an der Neujahrsmesse im Petersdom hatte absagen müssen, hatten Sorgen bei vielen ausgelöst. Ischias-Schmerzen waren von Papstsprecher Matteo Bruni gestern als offizieller Grund für den Verzicht genannt worden. In Rom gingen daraufhin Gerüchte um, der Papst sei möglicherweise schwerer erkrankt.

Jörg Seisselberg ARD-Studio Rom

Bei seiner Neujahrsbotschaft in der Bibliothek des Apostolischen Palastes war davon nichts zu sehen. Franziskus wirkte sogar frischer als während der Weihnachtsfeierlichkeiten. Er sprach an einem Stehpult, mit fester Stimme, souveräner Gestik und immer wieder, wie bei ihm üblich, in freier Rede.

Ein Jahr der "brüderlichen Solidarität und des Friedens"

In den Mittelpunkt seines Neujahrsangelus stellte Franziskus eine Botschaft der Mitmenschlichkeit und Hoffnung in Corona-Zeiten. Franziskus' Wunsch für 2021: Es sei ein Jahr der brüderlichen Solidarität und des Friedens für alle; ein Jahr voll der zuversichtlichen Erwartung und der Hoffnungen.

Der Papst blickte zudem zurück auf das gerade zu Ende gegangene Jahr. Dies habe Leiden gebracht, aber auch Gesten der Mitmenschlichkeit: "Die schmerzhaften Ereignisse, die den Weg der Menschheit im vergangenen Jahr gezeichnet haben, besonders die Pandemie, lehren uns, wie notwendig es ist, sich für die Probleme der anderen zu interessieren und ihre Sorgen zu teilen."

Forderung nach Frieden im Jemen

Diese gelernte Mitmenschlichkeit, so der Wunsch des Papstes, solle im Jahr der beginnenden Impfungen gegen Covid-19 nicht verloren gehen. "Es geht darum, eine Mentalität und eine Kultur des 'Sich Kümmerns' zu entwickeln. Mit dem Ziel, die Gleichgültigkeit, das Aussortieren und die Rivalität zu besiegen."

Ein Umgang miteinander, basierend auf den Werten der Geschwisterlichkeit, so Franziskus, sei auch die Grundlage für eine friedliche Gesellschaft - und für Frieden in der Welt. Jeder Einzelne, betonte der Papst, sei im täglichen Leben gefordert Frieden zu realisieren durch Gesten des Trostes und der solidarischen Hilfe.

In seinem Wunsch für weltweiten Frieden erwähnte der Papst speziell den Jemen. Er sprach von einer "geplagten Bevölkerung" in dem seit Jahren andauernden Konflikt und sagte, er denke besonders an die notleidenden Kinder dort.

"Ein Impfstoff für das Herz"

In der Neujahrsmesse im Petersdom am Vormittag hatte sich Franziskus von Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin vertreten lassen. Der enge Papst-Vertraute zelebrierte den Gottesdienst wegen der Corona-Kontaktbeschränkungen in der riesigen Basilika vor nur rund 100 Gläubigen. Unter anderem trug Parolin den vom Papst vorbereiteten Predigttext vor.

Darin formulierte Franziskus mit Blick auf die beginnenden Impfungen gegen Covid-19: Über den Impfstoff für den Körper hinaus brauchten die Menschen einen Impfstoff für das Herz.  Aber wenn jeder für den andere sorge, so der Papst, dann werde 2021 für alle ein gutes Jahr.

Über dieses Thema berichtet B5 aktuell am 01. Januar 2021 um 15:15 Uhr.