Totenmaske aus einer altägyptischen Mummifizierungswerkstatt in Sakkara südlich von Kairo | Bildquelle: AP

Sensationsfund von Tübinger Ägyptologen Mumien und eine vergoldete Totenmaske

Stand: 14.07.2018 19:25 Uhr

Ägyptologen der Universität Tübingen haben bei Ausgrabungen in der ägyptischen Stadt Sakkara eine vergoldete Mumienmaske entdeckt. Sie werten den Fund als Sensation und stellten ihn nun der Öffentlichkeit vor.

Von Carsten Kühntopp, ARD-Studio Kairo

Die Maske besteht aus Silber und ist teilweise vergoldet. Ihre Augen wurden als Einlegearbeit ausgeführt, mit einem schwarzen Edelstein sowie Calcit und Obsidian. Der Leiter des ägyptisch-deutschen Teams, Ramadan Hussein von der Universität Tübingen, sagt, nur sehr wenige Masken aus Edelmetall hätten sich bis heute erhalten.

Die Mehrzahl der Gräber altägyptischer Würdenträger sei bereits in der Antike geplündert worden, sagt Hussein bei der Vorstellung der Funde in den altägyptischen Anlagen von Sakkara wenige Kilometer südlich von Kairo. Grabräuber entwendeten den Großteil solcher Masken und schmolzen sie vermutlich ein.

Fund einer Totenmaske aus einer altägyptischen Mummifizierungswerkstatt in Sakkara südlich von Kairo | Bildquelle: MOHAMED HOSSAM/EPA-EFE/REX/Shutt
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Die Totenmaske vermutlich eines Priesters, der zwischen dem siebten und dem fünften Jahrhundert vor Christus lebte.

"Seit 1939 keine ähnliche Maske entdeckt"

Den Fund der Maske bezeichnet Hussein als Sensation: "Seit dem Jahr 1939 ist keine ähnliche Maske mehr entdeckt worden." Besonders wichtig sei das Silber. "Silber war damals seltener und teurer als Gold", so Hussein. Da es in Ägypten wenig Silber gegeben habe, sei es vermutlich aus dem Ausland eingeführt worden.

Hussein zufolge sei darüber hinaus die Herstellungstechnik der Maske interessant. Die Verzierungen sowie die Art, wie das Gold auf das Silber gegossen wurde, seien außergewöhnlich. "Solch eine Technik war für Ägypten nicht typisch", sagt Hussein. "Das gab es eher in Griechenland."

Maske eines Priesters

Die Maske befand sich auf dem Gesicht einer Mumie. Der Tote dürfte ein Priester gewesen sein, der zwischen dem siebten und dem fünften Jahrhundert vor Christus lebte. Entdeckt wurde die Mumie in einer ausgedehnten Grabanlage südlich der Pyramiden in der Nekropole von Sakkara. Der Komplex wird seit zwei Jahren von Tübinger Ägyptologen mit neuesten Methoden untersucht.

Die Pyramiden in Sakkara südlich von Kairo sind die ältesten in Ägypten | Bildquelle: MOHAMED HOSSAM/EPA-EFE/REX/Shutt
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Die Pyramiden in Sakkara südlich von Kairo sind die ältesten Pyramiden in Ägypten. Seit zwei Jahren arbeiten die Ägyptologen aus Tübingen dort.

Klassenunterschiede der Verstorbenen

Die Wissenschaftler stießen dort auch auf Reste eines Gebäudes, das wohl als Werkstatt zum Einbalsamieren der Verstorbenen diente. "Bedeutend ist, dass erstmals eine umfassende Bauanlage gefunden wurde, die Stellen für die Einbalsamierung und andere Stellen für die Bestattung beinhaltet", sagt Hussein. Die Anlage "ist als öffentliches Grab zu sehen und ist 30 Meter tief. Bereits ab dem ersten Meter begegnen wir Grabstätten".

Auffallend an der Konstruktion sei, dass man die Klassenunterschiede der Verstorbenen deutlich erkennen konnte. "Wenn es darum geht, wie man den Verstorbenen mit Grabbeigaben für das Jenseits versorgt, hat das ja eine wirtschaftliche Dimension", so Hussein. Einige gingen also mit viel auf die Reise ins Jenseits, andere mit deutlich weniger.

Mumien in einer wieder entdeckten altägyptischen Mummifizierungswerkstatt in Sakkara südlich von Kairo | Bildquelle: MOHAMED HOSSAM/EPA-EFE/REX/Shutt
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Mumien in der wieder entdeckten altägyptischen Grabanlage in Sakkara. Neben den Gäbern fanden die Archäologen auch eine Art Mummifizierungswerkstatt.

Ein besonders gutes Jahr

Für die Altertumsforscher in Ägypten war es bisher ein besonders gutes Jahr, das auch andere aufregende Entdeckungen brachte. So fanden Archäologen in Minya - von Sakkara aus gesehen mehr als hundert Kilometer nilaufwärtes - ein verstecktes Netzwerk von Grabstätten. In der westlichen Wüste entdeckten sie einen griechisch-römischen Tempel. Im Juni stießen Bauarbeiter in der Hafenstadt Alexandria auf einen Sarkophag. Obwohl er mindestens 2000 Jahre alt ist, war sein Verschluss noch völlig intakt.

In den sozialen Medien tauchten sofort die wildesten Theorien darüber auf, was man wohl in seinem Inneren finden würde - bis ihn zu Warnungen vor einem Weltuntergang, sollte der Sarkophag geöffnet werden.

Vorstellung von Funden aus einer altägyptischen Mummifizierungswerkstatt in Sakkara südlich von Kairo | Bildquelle: MOHAMED HOSSAM/EPA-EFE/REX/Shutt
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Vorstellung der Funde aus der Grabanlage in Sakkara südlich von Kairo. Die Archäologen betrachten die Anlage als öffentliches Grab. Es ist 30 Meter tief.

Rätselraten über Grab von Tutanchamun beendet

Die ägyptischen Behörden hingegen haben mittlerweile gelernt, dass es besser ist, sich nach jedem Fund mit Spekulationen zurückzuhalten. So gingen kürzlich drei Jahre eines fieberhaften Rätselratens zu Ende über eine versteckte Kammer im Grab von Tutanchamun. Denn unwiderlegbar und endgültig wurde im Mai festgestellt, dass es solch eine Kammer schlicht nicht gibt.

Immer wieder gibt es Meldungen über neue Funde in Ägypten. Die unglaublichen Schätze aus dem Altertum, über die das Ägyptische Museum am Tahrir-Platz in Kairo verfügt, wachsen also weiter an. Bald werden sie eine neue Heimat finden: das Große Ägyptische Museum, ein Neubau der Superlative unweit der Pyramiden von Gizeh. Etwa eine Milliarde Dollar kostet das Projekt. Ende des Jahres soll es fertig sein und dann im kommenden Jahr eröffnet werden.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 14. Juli 2018 um 20:00 Uhr.

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