Netanjahu während seiner Rede  in München bei der Sicherheitskonferenz | Bildquelle: dpa

Netanyahu attackiert Iran Scharfe Worte und eine angebliche Drohne

Stand: 18.02.2018 12:40 Uhr

Es sind die Erzfeinde in Nahost: Israel und der Iran. Auf der Sicherheitskonferenz hat Israels Premier Netanyahu den Iran als Hauptagressor in der Region verantwortlich gemacht - und ein "Beweisstück" präsentiert. Irans Außenminister Sarif hingegen stellte sein Land als friedliebend dar.

Von Christian Thiels, tagesschau.de, z.Zt. München

Im Bayerischen Hof ist man den Anblick von Sicherheitsbeamten gewöhnt. An vielen Ecken steht breitschultriges Personal mit Knopf im Ohr und auffällig ausgebeulten Sakkos.

Doch wenn der israelische Premier Benjamin Netanyahu kommt, ist das eine andere Liga. Durchgänge werden abgesperrt, und seine Personenschützer sind überall präsent. Das mag auch daran liegen, dass zeitgleich eine Delegation von Israels Erzfeind Iran im Haus ist. Näher als in München kommen sich Spitzenpolitiker der beiden Länder selten.

Nur einen Schritt gehen sie nicht: Im selben Saal sieht man die Vertreter Israels und des Iran nie. Sie sprechen immer nacheinander.

Verbrecherisches Regime

Netanyahu macht in München den Anfang und er lässt keinen Zweifel an seiner Bewertung des Iran. Für ihn herrscht in Teheran ein verbrecherisches Regime. Und in der bayerischen Landeshauptstadt zieht er historische Vergleiche zum Aufstieg der Nazis und der Beschwichtigungspolitik des Westen durch das Münchner Abkommen im Jahre 1938. Dieses habe den Weg für einem Krieg bereitet, den man durch konsequentes Auftreten leicht hätte verhindern können.

Natürlich sei der Iran nicht Nazi-Deutschland. Es gebe einige Unterschiede: ¨Die einen wollten eine Herrenrasse, die anderen einen beherrschenden Glauben", so Netanyahu. Auch gebe es keine Gaskammern im Iran, aber die religiöse Freiheit werden massiv eingeschränkt, Journalisten und Oppositionelle würden weggesperrt, Homosexuelle erhängt. Gleichzeitig strebe das Land danach, die Region zu dominieren, indem es schiitische Milizen im Irak, im Jemen und in Syrien unterstütze und Israel massiv bedrohe.

Netanjahu während seiner Rede  in München bei der Sicherheitskonferenz | Bildquelle: dpa
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Scharfe Worte gegen den Iran: Israels Premier Netanyahu.

Ein Metallteil einer abgeschossenen iranischen Drohne?

Quasi als Beleg zeigt Netanyahu ein Trümmerteil einer angeblichen iranischen Drohne vor, die die israelischen Streitkräfte im israelischen Luftraum abgeschossen haben und fragt den nicht im Saal anwesenden iranischen Außenminister Mohammed Dschawad Sarif: ¨Erkennen Sie dieses Teil wieder? Es gehört ihnen".

Die Geste mag etwas theatralisch wirken, aber sie lässt kaum Zweifel an der Haltung Israels zum Iran. Trotz des Iran-Abkommens entwickele Teheran weiter Atomwaffen und Trägerraketen. ¨Das ist die größte Bedrohung nicht nur für Israel oder die Region, sondern für die ganze Welt¨, sagt Netanyahu.

Iran-Abkommen für Netanyahu Beschwichtigungspolitik

Das Abkommen mit dem Iran sei nur Beschwichtigungspolitik, aber es habe nicht zur Mäßigung des Regimes geführt. Israel werde nicht zulassen, dass der Iran die Sicherheit der Region weiter gefährde. Netanyahu zeigt eine Landkarte, um zu demonstrieren, wie Teheran versuche, seinen Einfluss über den Irak und Syrien bis an das Mittelmeer zu erweitern. Der Iran unterstütze Terrorgrupppen wie die Hisbollah im Libanon und versuche Israel einzukeilen. Teheran wolle am Mittelmeer dauerhaft Luftwaffen- und Marinebasen einrichten. ¨Können sie sich iranische U-Boote in direkter Nachbarschaft der 6. US-Flotte vorstellen?¨, warnt der israelische Premier.

In seiner Einschätzung des Iran glaubt sich Netanyahu einig mit der großen Mehrheit von Israels arabischen Nachbarländern. ¨Diese Frage hat Araber und Israelis näher zusammen gebracht als je zuvor¨. Das könne langfristig auch die Aussöhnung und den Frieden mit Palästinensern befördern. Aber dafür müsse erst einmal dem Iran Einhalt geboten werden. Das sei auch im Interesse der iranischen Volkes, das keinerlei Interesse an einem Konflikt habe.

Irans Außenminister spricht von "Hysterie"

Irans Außenminister Sarif kommt ein paar Stunden später auf die Bühne. Netanyahu ist da schon lange weg. Die Organisatoren der Konferenz hatten einen anderen Programmpunkt als Puffer zwischen den israelischen Premier und den Iraner gesetzt. Sarif porträtiert sein Land als friedliebend und dialogorientiert. Sarif betont: ¨Wir wollen kein Alleinherrscher in der Region sein, wollen sie nicht dominieren". Sein Land wolle gemeinsam mit anderen einen Beitrag zur Stabilität leisten.

Alle Behauptungen, der Iran strebe danach den Nahen Osten zu destabilisieren, weist Sarif zurück. Es herrsche ¨Hysterie¨ bezüglich der Außenpolitik Teherans. "Wir stehen ganz nahe vor einem militärischen Konflikt mit Folgen für unser Kinder und Kindeskinder". Dabei wolle sein Land vor allem eine neue, gleichberechtigte Sicherheitsstruktur in der Region aufzubauen - mit allen Ländern.

Appell an die Golfstaaten - nicht an Israel

Der Außenminister schlägt vertrauensbildende Maßnahmen wie gemeinsame Arbeitsgruppe zu Tourismus vor. Langfristig solle es auch Transparenz bei militärischen Fragen geben. Sarifs Appell richtet sich vor allem an die Golfstaaten, von Israel ist nicht die Rede.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Februar 2018 um 13:15 Uhr.

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