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Corona-Pandemie in Dänemark Das große Schlachten auf den Nerzfarmen

Stand: 01.11.2020 01:36 Uhr

Auf Dänemarks Nerzfarmen greift das Coronavirus um sich - rund 160 Höfe sind bislang betroffen. Die Behörden reagieren mit massenhaften Notschlachtungen, denn eine Mutation des Erregers soll verhindert werden.

Von Christian Stichler, ARD-Studio Stockholm

Nerzzüchter Bjarne Pedersen aus der Nähe von Hjørring im Norden Dänemarks ist verzweifelt. "Als Selbstständiger bist Du gewohnt, dass Du Dir selbst hilfst. Aber jetzt kann ich nichts mehr machen." In wenigen Tagen wird Karsten Aagaard mit seinen Leuten bei Pedersen anrücken. Dann werden auch auf seinem Hof 10.000 Nerze aus den Käfigen geholt, in kleine Transportwagen gesteckt, mit Kohlenmonoxid getötet und danach samt Fell verbrannt.

Karsten Aagaard arbeitet für das regionale Veterinäramt. Er organisiert die Notschlachtungen. Mit seinen Leuten ist er derzeit im Dauereinsatz. Mehr als eine Million Nerze müssen vernichtet werden. Für den Hof von Bjarne Pedersen wird er gut einen Tag brauchen.

Veterinäre rücken auf einer Nerzfarm im Norden Dänemarks an, um Tiere zu schlachten. | Bildquelle: AP
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Die Veterinäre sind derzeit im Dauereinsatz auf den Nerzfarmen.

160 Farmen in Dänemark betroffen

Dänemark greift zu radikalen Maßnahmen. Denn seit Anfang Oktober steigen die Corona-Fälle auf den Nerzfarmen rasant an. Dabei gab es die ersten Fälle bereits im Juni. Eine genaue Erklärung haben die Virologen dafür bisher nicht. Anders Formsgaard von der Staatlichen Behörde für Infektionskrankheiten in Kopenhagen hat sich intensiv mit den Coronafällen auf den Farmen beschäftigt. "Alle Sicherheitsmaßnahmen haben nichts gebracht", sagt er. So dürfen die Züchter schon seit langem nur noch mit einer Mund-Nasen-Bedeckung in ihre Ställe. Trotzdem steigt die Anzahl der Coronafälle weiter an. Bis zum Ende dieser Woche waren 160 Farmen in Dänemark betroffen. Fast täglich gibt es neue Verdachtsfälle.

Wenn auf einer Farm das Virus nachgewiesen wurde, muss der gesamte Bestand vernichtet werden. Und zwar nicht nur in der betroffenen Zucht, sondern auch in allen Betrieben, die in einem Umkreis von knapp acht Kilometern liegen. Schon jetzt müssen deshalb mehr als eine Million Nerze getötet werden.

Dänemark: Millionen Nerze wegen Corona gekeult
Europamagazin , 01.11.2020, Christian Stichler, ARD Stockholm

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Wildtiere als Überträger?

Gut möglich, dass es deutlich mehr werden. Insgesamt gibt es in Dänemark mehr als zehn Millionen Pelztiere. Und den Behörden läuft die Zeit davon. Denn je länger sie für die Tötungen brauchen, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich das Virus weiter ausbreitet. Anders Formsgaard vermutet den Menschen als Überträger des Virus. Aber er hält es auch nicht für ausgeschlossen, dass Wildtiere das Virus weitergeben. Nerze gehören schließlich zur Familie der Marder. Also können auch frei lebende Tiere als Überträger in Frage kommen.

Den Nerzen selbst macht das Virus offenbar wenig aus. Züchter Pedersen, der sich ebenfalls mit dem Coronavirus angesteckt hat, erinnert sich noch genau an den Tag im September: "An einem Ende meiner Ställe fing es an, dann ging es wie eine Welle über die ganze Farm." Die Tiere bekommen erst eine Art Schnupfen, viele überfällt Appetitlosigkeit. Aber nach einer Woche sei alles wieder vorbei gewesen, berichtet Pedersen. Er will nicht verstehen, warum seine genesenen Tiere nun trotzdem getötet werden müssen. Seine Existenz stehe auf dem Spiel.

Das Virus mutiert

Warum die Dänen trotzdem zu so harten Maßnahmen greifen, erklärt Virologe Anders Formsgaard. "Wir können mit Genanalysen klar nachweisen, dass sich das Virus vom Menschen auf den Nerz überträgt, dort schnell mutiert und danach seinen Weg wieder zurück zum Menschen findet." Das Problem dabei ist: wenn sich auch nur ein Tier ansteckt, erkrankt praktisch der gesamte Bestand. Das sei ein riesiger Virenherd, sagt Formsgaard.

Und noch etwas treibt den dänischen Virologen um. Je mehr Mutationen des Virus im Umlauf seien, desto schwieriger werde die Bekämpfung der Pandemie. Denn die Veränderungen, die das Virus im Körper der Nerze durchmache, gebe es in dieser Form nicht beim Menschen. Deshalb können so kaum bekannte Mutationen von den Nerzfarmen sich über Dänemark hinaus in ganz Europa und darüber hinaus ausbreiten. "Wir sehen, dass in Nordjütland schon jeder dritte Coronafall auf die Nerzfarmen zurückzuführen ist."

Was bedeutet das schlussendlich? Ganz einfach, sagt Virologe Formsgaard: "Das kann dazu führen, dass ein möglicher Impfstoff deutlich weniger oder gar nicht wirkt oder dass Menschen, die die Krankheit erfolgreich überstanden haben, trotzdem nicht immun sind." Ein Ende der Pandemie wäre so nicht in Sicht.

Ein Milliardengeschäft mit langer Tradition

Nach den ersten Fällen in den Niederlanden hat die Regierung in Den Haag beschlossen, die Nerzfarmen im Land ganz zu schließen. Dafür gibt es in Dänemark bisher keine politische Mehrheit, auch wenn Tierschützer gerade jetzt wieder ein Ende der Pelztierfarmen fordern. Auch Bjarne Pedersen aus Hjørring will nicht aufgeben. Die Zucht habe eine lange Tradition im Land. Und Dänemark ist seit Jahren der größte Produzent von Nerzfellen. Es geht um ein Milliardengeschäft. Übrigens wird die Mehrheit der Felle aus Dänemark ausgerechnet dorthin verkauft, wo das Virus einst seinen Ursprung genommen hat: nach China.

Über dieses Thema berichtete das Erste in der Sendung "Europamagazin" am 01. November 2020 um 12:45 Uhr.

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