Alexej Nawalny | Bildquelle: picture alliance / AA

Kreml-Kritiker Nawalny Giftspuren an einer Wasserflasche

Stand: 17.09.2020 13:40 Uhr

Das Team des Kreml-Kritikers Nawalny geht davon aus, dass der Kreml-Kritiker in Tomsk vergiftet wurde - und nicht erst am Flughafen. An einer Wasserflasche in seinem Hotelzimmer wurden Nowitschok-Spuren nachgewiesen.

Alexej Nawalny ist seinem Team zufolge in seinem Hotelzimmer in der sibirischen Stadt Tomsk vergiftet worden. Dort habe sich eine Flasche befunden, an der Spuren des Nervenkampfstoffs Nowitschok nachgewiesen wurden, hieß es in einem von Nawalnys Instagram-Konto verbreiteten Video.

Bislang war Nawalnys Team davon ausgegangen, dass er am Flughafen beim Trinken eines Tees vergiftet wurde. Der russische Oppositionelle kollabierte am 20. August auf einem Inlandsflug. Er wurde anschließend zur Behandlung nach Berlin geflogen.

"Zweifelsfrei" ein Gift

Während russische Behörden nach eigener Darstellung bei Nawalny keinen Giftstoff gefunden haben, stellte eine von der Berliner Charité in Auftrag gegebene Analyse bei einem spezialisierten Bundeswehrlabor in seinem Körper nach Angaben von Bundeskanzlerin Angela Merkel "zweifelsfrei" ein Gift der Nowitschok-Gruppe fest. Verschiedene Labore bestätigten diesen Befund.

Nawalny wird seit dem 22. August in der Charité behandelt. Er war wochenlang in einem künstlichen Koma. Mittlerweile geht es ihm besser.

"Ich vermisse Euch alle"

Vor zwei Tagen hatte sich Nawalny erstmals wieder zu Wort gemeldet. Der 44-Jährige veröffentlichte ein Foto auf Instagram. "Hi, hier ist Nawalny. Ich vermisse Euch alle", heißt es in der Bildunterschrift. "Ich kann immer noch kaum etwas machen, aber gestern konnte ich den ganzen Tag alleine atmen." Auf dem Foto ist Nawalny zu sehen, wie er neben seiner Frau auf einem Krankenbett der Berliner Charité sitzt.

Der Fall Nawalny hatte einen diplomatischen Streit zwischen Russland und Deutschland ausgelöst. Zudem wurden Forderungen laut, die Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zu stoppen.

Europaparlament kritisiert Russland scharf

Das Europaparlament forderte den sofortigen Beginn einer internationalen Untersuchung zu der Giftattacke auf Nawalny. Auch die EU solle daran beteiligt sein, hieß es in einer nun verabschiedeten Resolution. Der Mordversuch gegen Nawalny wurde scharf verurteilt.

Außerdem sei der wiederholte Einsatz chemischer Waffen gegen russische Bürger ein Grund für Besorgnis, hieß es in der Entschließung. Die Abgeordneten forderten Russland auf, Einschüchterung, Gewalt, Belästigung und Unterdrückung von Oppositionellen ein Ende zu setzen. Politische Morde und Vergiftungen seien in Russland ein systematisches Mittel des Regimes, um die Opposition vorsätzlich anzugreifen.

Die EU müsse angesichts des Falls die Beziehungen zu Russland überdenken, forderte das Europaparlament. Russland müsse in internationalen Foren weiterhin isoliert werden und EU-Sanktionen für Menschenrechtsverletzungen zügig zugestimmt werden.

Hinweis: In einer früheren Version des Textes hieß es, Nawalny sei durch das Wasser in der Flasche vergiftet worden. Dass seine Vergiftung beim Trinken geschah, ist nicht bewiesen - die Giftspuren an der Flasche sind nach Aussage seines Teams wohl eine "Sekundärspur". Wie genau er das Gift aufnahm, ist noch immer unklar.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 17. September 2020 um 10:15 Uhr.

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