Der russische Oppositionsführer Alexej Nawalny. | Bildquelle: dpa

Alexej Nawalny Anwalt, Anti-Korruptionskämpfer, Kreml-Kritiker

Stand: 21.08.2020 03:29 Uhr

Nawalny gehört zu den schärfsten Kreml-Kritikern. Mit seinen Enthüllungsberichten hat er sich viele Feinde unter den Mächtigen gemacht. Aber auch in Oppositionskreisen ist er nicht unumstritten.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Über Alexej Nawalny gehen die Meinungen weit auseinander. Es gibt diejenigen, die ihn schätzen. Die, die ihn verachten und die, die ihn für gefährlich halten. Seit dem Ende der 1990er-Jahre engagiert sich der Anwalt für die Opposition. Schnell macht er sich einen Namen als Antikorruptionskämpfer. Als Minderheitsaktionär verschafft er sich das Recht, Unterlagen von Staatskonzernen einzusehen. Es folgen erste Veröffentlichungen. 

Früh setzt Nawalny dabei auf das Internet. Erst sind es Blogs. Später spielen die Kanäle der soziale Medien bei seinen Enthüllungen, Aktionen und Protestaufrufen eine entscheidende Rolle.

Nawalny mobilisiert die Jugend

Auf diese Weise schafft er es, selbst die als unpolitisch geltende Jugend zu mobilisieren - und auf die Straße zu bringen. Nawalny, sagt die Politologin Jekaterina Schulman 2017, sei zu einem Magnet geworden, für alle, die über Gerechtigkeit und Zukunftsperspektiven reden wollten.

Er ist der Einzige im ganzen politischen Milieu, der sozusagen, von morgen ist. Alle anderen sind von gestern. 2011 gründet er den "Fonds zur Korruptionsbekämpfung". Bürger können dort Hinweise auf Korruption geben, denen sein Team dann nachgeht. Mehrfach reicht der Fonds Klagen gegen Staatsbeamte ein.

Nawalny muss Nichtregierungsorganisation aufgeben

Furore machen vor allem die entsprechenden Enthüllungsvideos im Netz. Wie das über den damaligen Premierminister Dmitri Medwedew, dem vorgeworfen wurde, unter dem Deckmantel gemeinnütziger Organisationen über zahlreiche Luxusvillen zu verfügen. Nach vielen Razzien, Klagen und Schadenersatzforderungen sieht sich Nawalny im Juli gezwungen, die Nichtregierungsorganisation aufzugeben.

Nawalny ist es auch, der der Regierungspartei Geeintes Russland 2011 den Stempel "Partei der Gauner und Diebe" aufdrückt. Eine Losung, die später bei zahlreichen Massenprotesten, an deren Spitze auch Nawalny mit steht, zu hören und zu lesen ist. "Ich hatte damit gerechnet, dass Hunderttausende Aktivisten aus verschiedenen Parteien den Ausdruck übernehmen würden. Und auch das Volk. Und so ist es auch gekommen", sagt er damals voller Stolz.

Bei Präsidentschaftswahl 2018 nicht zugelassen

2013 kandidiert der Anwalt bei der Bürgermeisterwahl in Moskau. Er erhält mit 27 Prozent überraschend viele Stimmen. Bei der Präsidentschaftswahl 2018 wird er nicht zugelassen, weil er zuvor in einem umstrittenen Strafverfahren verurteilt wird.

Wegen nationalistischer Parolen und der Teilnahme am Russischen Marsch, einer Kundgebung weit rechts stehender Gruppierungen trennte sich 2007 die liberale Partei Jabloko von ihm.

"Ich mache einfach das, was ich für richtig halte. Ich ging und werde zu russischen Märschen gehen. (…) Ich schäme mich überhaupt nicht für meine Überzeugungen."

Bereits mehrfach Attacken auf Nawalny

Bis heute ist Nawalny in Oppositionskreisen deswegen umstritten. Auch wenn man gern auf seine Fähigkeiten, Leute zu mobilisieren, zurückgreift. Mehrfach wurde Nawalny bereits tätlich angegriffen. 2017 musste er sich nach einer Attacke mit einem Desinfektionsmittel einer Augen-OP unterziehen. Er drohte zu erblinden.

Im vergangenen Jahr wurde er wegen Hautausschlägen und Schwellungen im Gesicht aus dem Polizeigewahrsam ins Krankenhaus gebracht werden. Die Ärzte werteten es damals als allergische Reaktion. Sein Team sprach von einer Vergiftung.

Nawalny: Anwalt, Anti-Korruptionskämpfer, Kreml-Kritiker
Christina Nagel, ARD Moskau
21.08.2020 06:37 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Inforadio am 21. August 2020 um 06:45 Uhr.

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