Alexej Nawalny sitzt zusammen mit seiner Ehefrau im Flugzeug. | AFP

Nach Giftanschlag Nawalny ist zurück in Russland

Stand: 17.01.2021 18:22 Uhr

Fünf Monate sind vergangen, seit der Kreml-Kritiker Nawalny in Russland vergiftet wurde. Nach einer Behandlung in Deutschland ist er nun in seine Heimat zurückgekehrt. In Moskau warteten Anhänger - und die Polizei.

Der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny ist zurück in Russland. Die Maschine der russischen Gesellschaft Pobeda landetet am frühen Abend am Flughafen Scheremetjewo in Moskau. Sie sollte eigentlich am Flughafen Wnukowo landen, war aber kurzfristig umgeleitet worden.

Nawalny macht Putin für Anschlag verantwortlich

Nawalny hatte sich in Deutschland von einem Anschlag mit dem als Chemiewaffe verbotenen Nervengift Nowitschok erholt. Das Attentat war am 20. August in der sibirischen Stadt Tomsk verübt worden. Nawalny hatte immer wieder den russischen Präsidenten Wladimir Putin und den Inlandsgeheimdienst FSB für den Mordanschlag verantwortlich gemacht. Der Kreml-Chef hatte das stets zurückgewiesen.

Ungeachtet der Gefahr, getötet oder festgenommen zu werden, erklärte Nawalny mehrfach, dass sein Platz in Russland sei und er dort seinen Kampf gegen das "System Putin" fortsetzen wolle.

Anti-Terror-Polizei in Moskau in Stellung

Nawalny wurde unter anderem von seiner Ehefrau Julia Nawalnaja und seinen Mitarbeitern begleitet. Sie wurden unter Polizeischutz zum Flugzeug gebracht. In der Maschine saßen zahlreiche Journalisten. Am Flughafen in Berlin hatten Nawalny zahlreiche Unterstützer "Udatschi!" gewünscht - auf Deutsch: "Erfolg!"

Auf dem Flughafen Wnukowo bezogen Hundertschaften der Anti-Terror-Polizei OMON Stellung. Vor dem Gebäude standen mehrere Gefangenentransporter, wie eine Reporterin der Nachrichtenagentur dpa berichtete. Der Oppositionsführer hatte seine Anhänger aufgerufen, ihn auf dem Flughafen zu treffen. Die Moskauer Staatsanwaltschaft warnte vor unerlaubten Kundgebungen auf dem Flughafengelände und drohte mit Konsequenzen.

Anwältin: Festnahme würde gegen internationales Recht verstoßen

Die russische Justiz hat Nawalny zur Fahndung ausgeschrieben, weshalb er mit seiner Festnahme rechnen muss. Er soll in einem früheren Strafverfahren gegen Bewährungsauflagen verstoßen haben. Er sagte im Flugzeug, dass er sich vor nichts fürchte. "Was soll mir Schlimmes in Russland passieren?", meinte er.

Die Anwältin Karinna Moskalenko, die Nawalny in der Vergangenheit verteidigt hatte, sagte, dass eine Festnahme gegen internationales Recht verstoßen würde. "Ich hoffe, dass sie nicht ihre eigene Reputation verhaften", sagte die Juristin zum Verhalten des Machtapparats dem Kanal Doschd.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 17. Januar 2021 um 16:50 Uhr.