Das Krankenhaus in Omsk, in dem Alexej Nawalny in Russland behandelt wurde | Bildquelle: dpa

Mögliches Beweisstück Nawalny fordert Kleidung zurück

Stand: 21.09.2020 18:27 Uhr

Mehr als einen Monat nach seiner Vergiftung ist Alexej Nawalny weiter auf dem Weg der Besserung. Jetzt forderte er von russischen Ermittlern seine Kleidung zurück. Auf dieser könnten Spuren des Nervengiftes Nowitschok zu finden sein.

Der Kremlkritiker Alexej Nawalny hat von Russland die Rückgabe der Kleidung gefordert, die er vor mehr als einem Monat am Tag seiner Vergiftung trug.

"Wenn man bedenkt, dass Nowitschok an meinem Körper gefunden wurde und eine Vergiftung durch Körperkontakt sehr wahrscheinlich ist, ist meine Kleidung ein sehr wichtiges Beweisstück", schrieb Nawalny auf seiner Webseite. Die russischen Ermittler würden dieses verbergen.

Er forderte die russischen Behörden auf, ihm seine Kleidung "sorgfältig in einer Plastiktüte verpackt" zurückzuschicken.

Nervenkampfstoff durch Labore bestätigt

Nawalny war am 20. August auf einem Inlandsflug in Russland bewusstlos geworden. Die behandelnden Krankenhaus-Ärzte in der sibirischen Stadt Omsk sagten der Nachrichtenagentur Interfax zufolge, Ermittler hätten die Kleidung des russischen Oppositionspolitikers mitgenommen.

Seit dem 22. August wird Nawalny in der Berliner Charité behandelt. Nach Angaben von mehreren Speziallaboren wurde er mit einem Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Wochenlang lag er in einem künstlichen Koma. Mittlerweile geht es ihm besser.

"Ich habe nichts anderes erwartet"

Das Ausbleiben eines russischen Ermittlungsverfahrens und Anschuldigungen in russischen Talkshows, dass westliche Staaten oder seine eigenen Unterstützer hinter dem Anschlag stecken könnten, kommentierte Nawalny mit den Worten: "Ich habe nichts anderes erwartet". 

Die russischen Behörden würden behaupten, dass kein Nervenkampfstoff gefunden worden sei. Die unabhängigen Labore hätten das Gift jedoch in seinem Körper festgestellt, schrieb Nawalny in seinem Blog-Eintrag weiter. "Nichts davon existiert in der politischen und rechtlichen Realität Russlands."

Laut Polizei zahlreiche Befragungen

Moskau weist den Verdacht zurück, staatliche russische Stellen könnten Nawalny gezielt vergiftet haben.

Eigenen Angaben zufolge hat die russische Transportpolizei bei Vorermittlungen in dem Fall bislang rund 200 Personen befragt. Die Untersuchung sei noch im Gange, teilte sie in Moskau mit.

Man habe zudem Rechtshilfeersuchen an Deutschland, Frankreich und Schweden gestellt. In diesen drei Ländern hatten Labore die Vergiftung Nawalnys festgestellt.

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