Alexej Nawalny | Bildquelle: Instagram account @navalny / AFP

Nawalny zu Giftanschlag "FSB-Agent hat gestanden"

Stand: 21.12.2020 20:00 Uhr

Eine Recherche mehrerer Medien machte vergangene Woche acht FSB-Agenten für den Giftanschlag auf Alexej Nawalny verantwortlich. Nun legt der Kremlkritiker nach: In einem Telefonat soll einer der Männer die Tat gestanden haben.

Ein Agent des russischen Inlandsgeheimdiensts FSB soll nach Darstellung des Kremlkritikers Alexej Nawalny den Giftanschlag auf ihn zugegeben haben. Unter dem Titel "Ich habe meinen Mörder angerufen. Er hat gestanden" veröffentlichte Nawalny auf Youtube den Mitschnitt eines Telefonats mit dem mutmaßlichen FSB-Agenten.

Das Telefonat soll wenige Stunden vor der Veröffentlichung einer Recherche mehrerer internationaler Medien - darunter des "Spiegel" - erfolgt sein, die mindestens acht russische Geheimdienstagenten für den Giftanschlag auf den Oppositionellen verantwortlich macht. Nawalny war im August auf einem Inlandsflug zusammengebrochen.

Enttarnt: Nawalny telefoniert mit Giftanschlag-Attentäter
tagesthemen 23:05 Uhr, 21.12.2020, Ina Ruck, ARD Moskau

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Gift auf Innenseite der Unterhose

Nawalny rief demnach mehrere der mutmaßlich an dem Anschlag Beteiligten an und gab sich dabei als Assistent des Chefs des russischen Sicherheitsrats aus, um ihr Vertrauen zu gewinnen. Die Telefonnummer wurde mithilfe eines speziellen Programms unterdrückt und durch eine andere ersetzt, über die die Männer miteinander in Kontakt gestanden haben sollen.

Fast alle Angerufenen hätten demnach aufgelegt, außer einem, den Nawalny als den FSB-Agenten Kudrjawzew identifiziert haben will. Der Mann sagte in dem nun veröffentlichten Telefonat, das Gift sei an den Innennähten der Unterhose angebracht gewesen. Nawalny habe den Anschlag nur überlebt, weil der Pilot zu schnell eine Notlandung veranlasst habe. Das Flugzeug landete in der sibirischen Stadt Omsk. Nawalny wurde zunächst dort in ein Krankenhaus gebracht und später in die Berliner Charité geflogen. Kudrjawzew gab an, gemeinsam mit einem weiteren FSB-Agenten nach Omsk gereist zu sein, um dort Kleidungsstücke von Nawalny einzusammeln und Spuren des Gifts zu beseitigen. 

"Einer der intimsten Gegenstände"

Nach Angaben von drei europäischen Laboren, deren Ergebnisse von der Organisation für das Verbot Chemischer Waffen (OPCW) bestätigt wurden, wurde Nawalny mit einem chemischen Nervenkampfstoff aus der Nowitschok-Gruppe vergiftet. Wie das russische Portal "Meduza" berichtet, habe einer der sowjetischen Entwickler des Giftstoffs, Wladimir Ugljow, bereits im September die Vermutung geäußert, dass das Gift auf Nawalnys Unterwäsche angebracht worden sein könnte. "Die Unterhose ist eines der intimsten Gegenstände eines Menschen - niemand außer dem Besitzer fasst sie normalerweise an. So vermeidet man, dass Außenstehende in Mitleidenschaft gezogen werden", sagte Ugljow.

Russland hatte wiederholt Vorwürfe zurückgewiesen, nichts zur Aufklärung des Falls beizutragen, und das Vorlegen von Beweisen gefordert. Auf seiner großen Jahrespressekonferenz hatte Kremlchef Wladimir Putin eine Beobachtung Nawalnys durch den Geheimdienst zwar eingeräumt. Für eine Vergiftung seines schärfsten Gegners gebe es aber keinen Grund, hatte der Präsident betont. "Wenn man das gewollt hätte, dann hätte man es auch zu Ende geführt." Nawalny selbst, sein Stab, aber auch viele Experten werteten bereits diese Worte Putins als Teilgeständnis.

FSB bezeichnet Telefonat als "Fälschung"

Russland hatte eine Vergiftung des Putin-Gegners bestritten und erklärt, alle Nowitschok-Vorräte vernichtet zu haben. Teile der russischen Führung warfen sogar westlichen Geheimdiensten vor, den Fall konstruiert zu haben, um Moskau international an den Pranger zu stellen und zu bestrafen. Die EU hat wegen der Vergiftung Sanktionen gegen Russland erlassen.

Der FSB reagierte auf die jüngste Veröffentlichung: Es handele sich um eine Fälschung, teilte der Geheimdienst nach Angaben der Staatsagentur Ria Nowosti mit. Die "sogenannten Untersuchungen" Nawalnys seien eine "geplante Provokation zur Diskreditierung des russischen FSB". Es würden Ermittlungen eingeleitet.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 21. Dezember 2020 um 23:05 Uhr.

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