Alexej Nawaly | dpa

Nawalny im Straflager Hungerstreik, Atembeschwerden, Schmerzen

Stand: 06.04.2021 18:35 Uhr

Der Kreml-Kritiker Nawalny sitzt in einem Straflager in Haft. Aus Protest gegen die Bedingungen ist er in einen Hungerstreik getreten. Nun verschlechtert sich sein Zustand, seine Ärzte machen sich Sorgen.

Von Stephan Laack, ARD-Studio Moskau, zzt. Köln

Der Gesundheitszustand des inhaftierten Kreml-Kritikers Alexej Nawalny hat sich weiter verschlechtert. Der 44-Jährige ist auf eine medizinische Station seines Straflagers verlegt worden. Nach eigenen Angaben leidet er jetzt auch unter starkem Husten und Fieber. Schon vorher hatte er über starke Rückenschmerzen und ein Taubheitsgefühl in den Beinen geklagt.

Stephan Laack

Seine Anwältin Olga Michailowa hatte gestern in einem Interview mit dem unabhängigen Kanal Doschd gesagt, dass ihr Mandant nach wie vor keine angemessene medizinische Behandlung bekäme.

Ich weiß ausschließlich aus den Medien, dass er in eine medizinische Abteilung des Straflagers gebracht wurde. Eigentlich handelt es sich nur um einen Raum, in dem es lediglich einen Krankenpfleger gibt. Es gibt dort keine Ärzte, und die gesamte medizinische Hilfe in der Strafkolonie wird von einem Sanitäter durchgeführt, der dort arbeitet. Ob noch ein Arzt dazu geholt wird oder nicht, weiß ich nicht, alles liegt in den Händen der Gefängnisverwaltung.

Wie die russische Tageszeitung "Iswestija" berichtet, soll Nawalny mittlerweile untersucht und wegen seiner Atembeschwerden unter anderem auf Corona getestet worden sein. Das Ergebnis ist noch nicht bekannt. Drei Mitinsassen Nawalnys waren zuvor an Tuberkolose erkrankt.

Polizisten bewachen einen Eingang des Straflagers IK-2 | dpa

In diesem russischen Straflager in der Nähe von Moskau sitzt der Kreml-Kritiker in Haft. Bild: dpa

Hungerstreik von Nawalny

Am Mittwoch vergangener Woche war der Kreml-Kritiker in den Hungerstreik getreten, den er trotz seines verschlechterten Gesundheitszustands fortsetzen will, wie er über Instagram mitteilen ließ.

Nawalny will damit erreichen, dass ihn ein Arzt seiner Wahl untersuchen darf. Außerdem fordert er andere Medikamente als Schmerztabletten und Salben, die ihm die Gefängnisverwaltung bislang gewährt hatte. Seine Anwältin Michailowa teilte mit, dass Nawalny jetzt 13 Kilogramm abgenommen habe. "Es ist absolut schlimm, dass sie Alexej in diesen Zustand gebracht und ihn nicht wegen der Rückenprobleme behandelt haben, so dass diese Beschwerden mit seinen Beinen aufgetreten sind", sagt sie. Laut Nawalny wird das Taubheitsgefühl immer schlimmer. Er habe Angst, beide Beine zu verlieren.

Ärztin kämpft um Zugang

Nawalnys Ärztin Anastasia Wassilewa will gemeinsam mit anderen Kollegen der Organisation "Allianz der Ärzte", die ebenfalls in Sorge um den Oppositionspolitiker sind, stärker aktiv werden.

Man wolle vor allem versuchen, in Kontakt mit der Gefängnisverwaltung des Lagers zu treten, das sich etwa 100 Kilometer östlich von Moskau befindet. "Vielleicht verstehen sie in der Kolonie einfach nicht, was mit ihm los ist", mutmaßt die Ärztin. "Wir werden versuchen, eine Einigung mit ihnen zu erzielen und zu erklären, wie schwierig und gefährlich sein Zustand ist."

"Erlösung dieses Menschen erreichen"

Man wolle nicht kämpfen, keinen Konflikt und keinen Protest. "Wir wollen eine qualitativ hochwertige medizinische Versorgung und die Erlösung dieses Menschen erreichen. Dies ist unsere einzige Botschaft und Option", sagt Wassilewa.

Wassilewa will heute zusammen mit anderen Ärzten zum Straflager fahren. Der Hungerstreik Nawalnys, sagte sie, sei eine extreme Form des Protests. Man dürfe nicht tatenlos zusehen, wie ein Mensch stirbt.

Über dieses Thema berichtete Inforadio am 06. April 2021 um 13:08 Uhr.