Berliner Charité | Bildquelle: picture alliance/dpa

Russischer Politiker in Berlin Verwirrung um Nawalny

Stand: 24.08.2020 10:30 Uhr

Wie geht es Alexej Nawalny? Der in Berlin unter BKA-Schutz stehende Kreml-Kritiker werde den mutmaßlichen Giftanschlag auf ihn überleben, hieß es von einem Vertrauten. Nawalnys Sprecherin dagegen sagte, man könne keine definitiven Aussagen treffen.

Noch immer liegt der mutmaßlich vergiftete russische Oppositionspolitiker Alexej Nawalny in der Berliner Charité. Wie sein Zustand genau ist, bleibt unklar. Die behandelnden Ärzte wollen sich erst nach Abschluss der Untersuchungen und Rücksprache mit der Familie äußern. Das könnte im Tagesverlauf passieren.

Ein Vertrauter teilte inzwischen mit, dass Nawalny den möglichen Giftanschlag überleben wird. Die Frage sei, ob er das unbeschadet überstehe und seine Rolle weiter einnehmen könne, sagte Filmproduzent Jaka Bizilj, der den Transport des Politikers von Omsk nach Berlin organisiert hatte. "Wenn er das unbeschadet übersteht, was wir alle hoffen, dann ist er sicherlich trotzdem mindestens ein, zwei Monate aus dem politischen Gefecht weg", so Bizilj gegenüber der "Bild"-Zeitung.

Jaka Bizilj sorgte mit einer Äußerung über den Zustand von Nawalny für Verwirrung | Bildquelle: dpa
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Jaka Bizilj sorgte mit einer Äußerung über den Zustand von Nawalny für Verwirrung

BKA sorgt für Nawalnys Schutz

Die Sprecherin des Kreml-Gegners, Kira Jarmysch, zeigte sich erstaunt über diese Mitteilung. Niemand habe im Moment Zugang zu Informationen über den Zustand Nawalnys - schon gar nicht jemand, der nicht zur Familie gehöre.

Nawalny steht in der Klinik in Berlin-Mitte unter dem Schutz des Bundeskriminalamts. Am Sonntag waren mehrere Einsatzkräfte vor dem Eingang der Charité. Seine Ehefrau Julia und einer seiner engsten Vertrauten durften zu Nawalny.

Nawalny wurde vom FSB überwacht

Der 44-jährige Nawalny, einer der schärfsten Kritiker von Kremlchef Wladimir Putin, wird seit Samstag in der Berliner Charité behandelt. Er liegt seit Donnerstag im Koma. Er soll nach Angaben seines Umfelds vergiftet worden sein. Die russischen Ärzte sprachen lediglich von Stoffwechselproblemen. Der Flug zur Behandlung nach Deutschland war eine private Aktion der Initiative "Cinema for Peace" um Bizilj.

Noch immer sind die genauen Umstände des Falls unklar. Nawalny hatte bei einer Reise in Sibirien in einem Flugzeug unter starken Schmerzen das Bewusstsein verloren. Am Wochenende wurde bekannt, dass er von Sicherheitskräften bei seiner Reise umfassend beschattet worden sein soll. Dabei soll dokumentiert worden sein, mit wem Nawalny sich getroffen, was er gegessen und wo er geschlafen hat. Sogar eine Sushi-Bestellung seiner Mitarbeiter wurde dabei angeführt.

Der Oppositionelle Ilja Jaschin kündigte an, eine offizielle Anfrage an den Inlandsgeheimdienst FSB stellen zu wollen. Es sei ungeheuerlich, dass Geheimdienstmitarbeiter einen Oppositionspolitiker bespitzelten, schrieb Jaschin auf Facebook.

Ärzte in Sibirien: "Auf uns wurde kein Druck ausgeübt"

Die Ärzte, die Nawalny in Omsk behandelt haben, dementierten inzwischen Berichte, wonach sie unter Druck der Sicherheitsbehörden gestanden hätten. Chefarzt Alexander Murachowski sagte auf einer Pressekonferenz: "Wir haben den Patienten versorgt, und wir haben ihn gerettet. Es gab keinen Einfluss von außen auf die Behandlung des Patienten."

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 24. August 2020 um 07:45 Uhr.

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