Alexej Nawaly | dpa

Nach Ende des Hungerstreiks Nawalny offenbar weitgehend erholt

Stand: 20.05.2021 12:37 Uhr

Der im Straflager inhaftierte Kremlgegner Nawalny hat sich nach Angaben der russischen Behörden erholt. Er esse nach Ende des wochenlangen Hungerstreiks wieder "normal". Nawalny kämpft nun vor Gericht für bessere Haftbedingungen.

Der inhaftierte russische Oppositionelle Alexej Nawalny hat sich nach Behördenangaben von seinem wochenlangen Hungerstreik weitgehend erholt. Der 44-Jährige habe sich inzwischen "mehr oder weniger erholt", sagte der Leiter der russischen Strafvollzugsbehörde FISN, Alexander Kalaschnikow, nach Angaben der Nachrichtenagentur Tass. Nawalny esse "normal" und könne mit seiner Familie kommunizieren. Er wiege nun 82 Kilogramm. 

FBK-Chef Schdanow: Zustand mehr oder weniger normal

Der Vorsitzende von Nawalnys Anti-Korruptionsstiftung FBK, Iwan Schdanow, bestätigte dessen Genesung. "Sein Zustand ist jetzt mehr oder weniger normal. Der Genesungsprozess ist in der Tat im Gange", sagte Schdanow dem Radiosender Echo Moskau.

Nawalny selbst hatte sich zuletzt Anfang Mai in den Online-Netzwerken zu Wort gemeldet. Er befinde sich auf dem Weg der Besserung und könne ein paar Löffel Grütze essen, schrieb er damals. Nawalny war am 31. März in den Hungerstreik getreten, um gegen unzureichende medizinische Versorgung und schlechte Bedingungen in der Haft zu protestieren. Am 23. April beendete er den Hungerstreik.

Nach Angaben seiner Unterstützer hatte Nawalny 93 Kilogramm gewogen, als er im Februar seine Haftstrafe antrat. Zum Beginn seines Hungerstreiks lag sein Gewicht demnach bei 85 Kilogramm und Mitte April wog Nawalny nach Angaben seiner Frau dann nochmals neun Kilogramm weniger. 

Weiter Kampf für bessere Haftbedingungen

Nawalny will sich nun gerichtlich bessere Bedingungen erkämpfen. Ein Moskauer Gericht setzte gestern nach einem kurzen Termin einen Prozess für den 22. Juni an, bei dem der 44-Jährige gegen seine Einstufung als Fluchtgefährdeter vorgehen will. Wegen der mutmaßlichen Fluchtgefahr gelten die Haftbedingungen als besonders streng - der Oppositionsführer steht ständig unter Beobachtung.

Nawalny kritisiert die Haft als Folter, weil er zum Beispiel mehrfach nachts durch einen Wachmann gefilmt und geweckt werde. Er verlangt das Recht auf einen achtstündigen Schlaf ohne Unterbrechung und klagt zudem vor anderen Gerichten etwa um das Recht auf Zugang zu Büchern und Zeitungen im Straflager sowie auf Einhaltung der Rechte seiner Anwälte, die vom Strafvollzug bei ihrer Arbeit behindert worden sein sollen.

Nawalny hatte im vergangenen August einen Anschlag in Russland mit einem Nervengift aus der Nowitschok-Gruppe überlebt, für den er den Kreml verantwortlich macht. Nach seiner Behandlung in der Berliner Charité wurde er nach seiner Rückkehr im Januar in Russland festgenommen und später wegen angeblicher Verstöße gegen Bewährungsauflagen zu mehr als zweieinhalb Jahren Lagerhaft verurteilt. 

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 23. April 2021 um 15:00 Uhr.