Der russische Oppositionelle Nawalny | dpa

Russischer Kreml-Kritiker Nawalny auf dem Weg nach Deutschland

Stand: 22.08.2020 04:31 Uhr

Der russische Oppositionelle Nawalny befindet sich auf dem Weg nach Deutschland. Ein medizinisches Spezial-Flugzeug bringt den schwer erkrankten Kremlkritiker nach Berlin, wo er behandelt werden soll.

Der schwer erkrankte russische Oppositionellen Alexej Nawalny ist auf dem Weg nach Deutschland. Ein Krankenwagen habe den im Koma liegenden Politiker von der Klinik in Omsk zum Flughafen gefahren, teilte seine Sprecherin Kira Jarmysch mit. Dort sei er an Bord eines Spezial-Flugzeugs mit medizinischer Ausstattung gebracht worden. Das Flugzeug, das bereits in der Luft ist, wird noch heute in Berlin erwartet, wo Nawalny in der Charité behandelt werden soll.

Nawalny wird auf Wunsch seiner Familie nach Deutschland gebracht. Der Anti-Korruptions-Aktivist und prominente Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin war am Donnerstag ins Krankenhaus von Omsk eingeliefert worden, nachdem er während eines Fluges nach Moskau das Bewusstsein verloren hatte. Nawalnys Umfeld geht davon aus, dass er vergiftet wurde. 

Röttgen: "Starker Verdacht" auf Anschlag

Auch der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen hält einen Giftanschlag für wahrscheinlich. In der Vergangenheit habe es "eine ganze Serie von Ermordungen, Mordversuchen und auch tödlichen Vergiftungen in der Verantwortung des russischen Staates" gegeben, sagte Röttgen der "Passauer Neuen Presse". "Da gibt es einen starken Verdacht, dass es sich auch hier um einen erneuten Anschlag auf einen russischen Oppositionellen handelt." Er hoffe, die deutsche Unterstützung werde helfen, Nawalnys Leben zu retten.

Streit über Zustand Nawalnys

Die Initiative "Cinema for Peace" hatte ein Rettungsflugzeug mit deutschen Ärzten an Bord nach Omsk geschickt, um Nawalny nach Berlin zu holen. Zuvor hatte es Unklarheiten über die weitere Behandlung Nawalnys gegeben. Russische Mediziner hatten einen Transport zunächst abgelehnt, weil der Gesundheitszustand des Patienten keinen Flug erlaube. Deutsche Ärzte stuften den 44-Jährigen dagegen laut Aktivisten als transportfähig ein. Dann erlaubten die Ärzte in Omsk am Freitagabend den Transport Nawalnys nach Deutschland doch: Der stellvertretende Chefarzt der Klinik, Anatoli Kalinitschenko, sagte, der Zustand des Patienten sei "stabil".

Die Abreise nach Deutschland hatte sich nach Angaben der Behörden im sibirischen Omsk um einige Stunden verzögert. Zur Begründung hieß es, die Piloten müssten gesetzliche Ruhezeiten einhalten.

Wollten russische Ärzte Zeit gewinnen?

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch sagte: "Es ist schade, dass die Ärzte so lange gebraucht haben, um diese Entscheidung zu treffen." Nawalnys Team und seine Familie gehen davon aus, dass er Opfer eines Gift-Anschlags wurde. Sie befürchten auch, dass Verzögerungen dafür sorgen könnten, dass das mögliche Gift nicht mehr nachweisbar sei. Deswegen hatten sie auf einen möglichst schnellen Transport gedrängt.

Die russischen Ärzte hatten dagegen erklärt, sie hätten kein Gift in seinem Körper gefunden. Nach eigenen Angaben diagnostizierten sie eine Stoffwechselstörung. Nawalnys persönliche Ärztin, Anastassija Wassiljewa, sagte dagegen, ein niedriger Blutzucker und eine Stoffwechselstörung seien keine Diagnose, sondern eine Zustandsbeschreibung.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 22. August 2020 um 01:13 Uhr.