Das Krankenhaus in Omsk, in dem Alexej Nawalny in Russland behandelt wurde | dpa

Russischer Kreml-Kritiker Nawalny darf ausgeflogen werden

Stand: 21.08.2020 18:48 Uhr

Noch am Morgen hatten russische Ärzte die Verlegung Nawalnys ins Ausland abgelehnt - nun stimmten sie einem Transport zu: Der Zustand des Kreml-Kritikers sei "stabil". Damit könnte er schon bald nach Berlin geflogen werden.

Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny darf nach einer möglichen Vergiftung nun doch zur Behandlung ins Ausland geflogen werden. Die behandelnden Ärzte im sibirischen Omsk hätten keine Einwände mehr gegen eine Verlegung in ein anderes Krankenhaus, sagte der stellvertretende Chefarzt der Klinik, Anatoli Kalinitschenko. Der Zustand des Patienten sei "stabil".

Zuvor hatten russische Mediziner einen Transport noch abgelehnt, weil der Gesundheitszustand des Patienten keinen Flug erlaube. Deutsche Ärzte stuften den 44-Jährigen dagegen laut Aktivisten als transportfähig ein. Die extra angereisten Mediziner hielten ihn für flugfähig, erklärte die Organisation "Cinema for Peace", die den Rettungsflug organisiert hatte. Als wahrscheinlich gilt nun, dass Nawalny bald mit einem Spezialflugzeug nach Berlin in die Charité gebracht wird.

Nawalnys Sprecherin Kira Jarmysch sagte: "Es ist schade, dass die Ärzte so lange gebraucht haben, um diese Entscheidung zu treffen." Nawalnys Team und seine Familie gehen davon aus, dass er vergiftet wurde. Sie befürchten auch, dass Verzögerungen dafür sorgen könnten, dass ein mögliches Gift nicht mehr nachweisbar sei. Deswegen hatten sie auf einen möglichst schnellen Transport gedrängt.

Seit Donnerstag auf Intensivstation

Nawalny liegt seit Donnerstag in Omsk auf der Intensivstation im Koma und muss beatmet werden. Der Putin-Gegner hatte auf einem Flug auf dem Rückweg von der sibirischen Stadt Tomsk nach Moskau plötzlich das Bewusstsein verloren. Das Flugzeug musste daraufhin in Omsk notlanden.

Die russischen Ärzte erklärten, sie hätten kein Gift in seinem Körper gefunden. Nach eigenen Angaben diagnostizierten sie eine Stoffwechselstörung. Nawalnys persönliche Ärztin Anastassija Wassiljewa sagte dagegen, ein niedriger Blutzucker und eine Stoffwechselstörung seien keine Diagnose, sondern eine Zustandsbeschreibung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. August 2020 um 1:00 Uhr.