Kreml-Kritiker Nwalny ist zurück im Gefängnis. | Bildquelle: dpa

Nach Vergiftungs-Verdacht Nawalny zurück im Gefängnis

Stand: 29.07.2019 18:53 Uhr

Kreml-Kritiker Nawalny ist nach seinem Krankenhausaufenthalt wieder ins Gefängnis gebracht worden. Nawalnys Hausärztin und seiner Anwältin zufolge sind wichtige Tests aber nicht gemacht worden.

Von Christina Nagel, ARD-Studio Moskau

Am frühen Nachmittag wurde der Kreml-Kritiker Alexej Nawalny aus der Klinik abgeholt und zurück ins Gefängnis gebracht. Sein Zustand habe sich deutlich gebessert, hieß es von Seiten der Klinikärzte.

Sie hatten bei Nawalny eine Art Nesselsucht diagnostiziert. Was sie ausgelöst haben könnte, blieb offen. Nur in einem Punkt waren sich die Ärzte einig: Es sei keine Vergiftung gewesen.

Ausschlag durch unbekannte chemische Substanz

Nawalnys Anwältin und seine eigene Ärztin halten es trotzdem nach wie vor für möglich, dass der Hautausschlag und die Schwellungen im Gesicht des Aktivisten durch eine unbekannte chemische Substanz ausgelöst wurden. Sie warfen der Klinik vor, wichtige Tests nicht gemacht zu haben.

Seiner Ärztin Anastasija Wassiljewa zufolge habe Nawalny habe noch nie in seinem Leben eine Allergie oder Lebensmittelunverträglichkeit gehabt. Er habe weder ein neues Parfum noch neue Seife benutzt. Sie sei sich sicher, dass es sich um eine toxische Dermatitis handele.

Sie habe Haarproben genommen und diese unabhängig untersuchen lassen, sagte Wassiljewa. "Wir haben auch sein T-Shirt mitgenommen. Wir werden das alles sehen. Leider kann so ein toxischer Mittler sowohl innerlich als auch äußerlich übertragen werden."

Chemikalie könnte sich noch in der Zelle befinden

Nawalnys Ärztin befürchtet, dass sich die Chemikalie noch in der Zelle befinden könnte. Aus ihrer Sicht besteht darin eine große Gefahr für den Kreml-Kritiker. Er sei noch nicht gesund und sollte unter ärztlicher Aufsicht bleiben, sagte sie.

Auch wenn es bislang keinen Nachweis für eine Vergiftung gibt, will sich Nawalnys Anwältin, Olga Michailowa, noch heute vor Gericht für seine vorzeitige Entlassung aus der Haft einsetzen.

Erste Urteile gegen Demo-Teilnehmer verhängt

Unterdessen wurden von Moskauer Gerichten die ersten Urteile gegen Teilnehmer der nicht genehmigten Demonstration am Samstag gesprochen. Es wurden Geldbußen und mehrtägige Haftstrafen verhängt.

Oppositionsführer Ilja Jaschin wurde zu zehn Tagen Haft verurteilt, ein weiterer, nicht zur Wahl zugelassener Kandidat, der ebenfalls zu Protesten aufgerufen hatte, zu sieben Tagen Haft.

Sie werden damit nicht an der nächsten Demonstration teilnehmen können, die am kommenden Samstag stattfinden soll. Für die gibt es, wie der Vorsitzende des Rats für Menschenrechte, Michail Fedotow mitteilte, eine Genehmigung seitens der Behörden - mit der Auflage, dass die Protestaktion an einem anderen Platz stattfindet, als von den Organisatoren gewünscht.

Nawalny zurück im Gefängnis
Christina Nagel, ARD Moskau
29.07.2019 18:01 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 29. Juli 2019 um 18:27 Uhr.

Darstellung: