Der russische Oppositionelle Alexej Nawalny verlässt eine haftanstalt. (Aufnahme vom 14.06.2018) | Bildquelle: dpa

Kreml-Kritiker Nawalny erneut in Moskau festgenommen

Stand: 25.08.2018 23:15 Uhr

Die russische Polizei hat erneut den Kreml-Kritiker Nawalny festgenommen. Nach dem Aufenthalt in einer Polizeiwache sei er wegen eines mutmaßlich gebrochenen Fingers in Krankenhaus gebracht worden, sagte eine Sprecherin.

Der bekannteste Kritiker des russischen Präsidenten Wladimir Putin, Alexej Nawalny, ist vor seinem Haus in Moskau festgenommen worden. Er sei nach der Festnahme auf eine Polizeiwache in der Nähe gebracht worden, sagte Nawalnys Sprecherin Kira Jarmisch.

Grund für die Festnahme sei seine Teilnahme an regierungskritischen Protesten im Januar in der Hauptstadt gewesen, teilte die Sprecherin mit. Nawalny sei auf eine lokale Polizeistation gebracht worden. Später sei der 42-Jährige wegen eines mutmaßlich gebrochenen Fingers ins Krankenhaus überwiesen worden. Für Montag sei eine Anhörung vor Gericht geplant. Bis dahin solle er in Haft bleiben.

Wenige Stunden zuvor hatte Nawalny einen Blogbeitrag veröffentlicht, in dem er zu Protesten gegen die Rentenpläne der Regierung für den 9. September aufrief. Diese würden in Moskau und in fast hundert weiteren Städten stattfinden, schrieb er.

Oppositionsführer Alexej Nawalny bei einer Demo in Moskau. | Bildquelle: dpa
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Bereits im Juli hatte Nawalny zu Protesten gegen die Rentenreform aufgerufen. Tausende Menschen hatten damals im Zentrum Moskaus demonstriert.

Putins Zustimmungswerte drastisch eingebrochen

Die geplante Rentenanhebung ist in großen Teilen der Bevölkerung äußerst unbeliebt.  Laut der Initiative von Ministerpräsident Dmitri Medwedew sollen Frauen künftig erst mit 63 statt mit 55 Jahren in Rente gehen können, während das Alter für Männer von 60 auf 65 Jahre angehoben werden soll. Auch wenn Präsident Putin als Staatschef formal nicht für die Maßnahme verantwortlich ist, sind seine Zustimmungswerte drastisch eingebrochen.

Der Kreml-Kritiker Nawalny saß wegen seiner politischen Aktivitäten bereits mehrfach im Gefängnis. Zuletzt war er Mitte Juni nach 30-tägiger Haft freigelassen worden. Zu der Strafe war er wegen der Proteste gegen die neuerliche Vereidigung von Präsident Putin verurteilt worden. Unter dem Motto "Nicht mein Zar" hatte Nawalny am 5. Mai, kurz vor der Vereidigung, zu landesweiten Protesten aufgerufen. Tausende Menschen folgten dem Aufruf und gingen in zahlreichen Städten auf die Straße. 

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 25. August 2018 um 15:00 Uhr.

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