Nawalny bei einer Demonstration in Moskau | Bildquelle: AP

Proteste in Moskau Kremlkritiker Nawalny festgenommen

Stand: 28.01.2018 13:04 Uhr

Der russische Oppositionelle Nawalny ist auf einer von ihm organisierten Kundgebung in Moskau festgenommen worden. Landesweit blieb er nicht der einzige - ein Bürgerrechtsportal spricht von mindestens 250 Festnahmen.

Die russische Polizei hat den Oppositionellen Alexej Nawalny bei einer nicht genehmigten Demonstration gegen die Präsidentenwahl im März im Zentrum von Moskau festgenommen. Sicherheitskräfte hätten ihn auf der Twerskaja Straße auf dem Weg zu seiner Kundgebung abgefangen, teilte Nawalnys Team mit. Der 41-Jährige zeigte auf Twitter seine Festnahme und schrieb: "Die Festnahme einer Person verliert ihre Bedeutung, wenn wir viele sind." Und er appellierte: "Dass jemand komme und mich ersetze!"

Zuvor hatte die Polizei das Moskauer Büro des Politikers durchsucht und Mitarbeiter festgenommen. Die Sicherheitskräfte hätten die Tür aufgebrochen und seien in die Aufnahme einer Videobotschaft hereingeplatzt, teilten Nawalny und sein Team mit. Dabei seien auch mehrere Mitarbeiter seiner Anti-Korruptions-Stiftung sowie weitere Anhänger inhaftiert und Material beschlagnahmt worden. Die Polizisten hätten nach einer Bombe gesucht. "Das ist eine gute Illustration dessen, wie sich die Polizei in Russland verändert hat", kommentierte Nawalny.

Pro-Navalny Demonstrationteste in Moskau | Bildquelle: REUTERS
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Erste Demonstrationen starteten bereits in Wladiwostock.

Aufruf zum "Wählerstreik"

Hunderte Regierungsgegner folgten dem Aufruf des Oppositionellen in Moskau und St. Petersburg. Die Polizei schätzte die Teilnehmerzahl in Moskau bei knackigen Minusgraden auf rund 1000, Beobachter hielten 2000 bis 3000 Demonstranten für möglich. Dennoch war der Zulauf im Vergleich zu Kundgebungen 2017 geringer. Gesicherte Zahlen liegen bislang nicht vor.

Nawalny hatte landesweit zu einem "Wählerstreik" aufgerufen. Damit protestiert er gegen seinen Ausschluss von der Präsidentenwahl im März, den das Präsidium des Obersten Gerichts Russlands vor zwei Tagen endgültig bestätigt hatte. Er darf wegen einer umstrittenen Bewährungsstrafe nicht antreten.

Landesweit mindestens 240 Festnahmen

In Irkutsk und Barnaul in Sibirien kamen nach Behördenangaben rund 100 Teilnehmer bei Temperaturen von minus 45 Grad Celsius zusammen. Russlandweit wurden mindestens 250 Menschen festgenommen, wie das Bürgerrechtlerportal OVD-Info berichtete.

Am Samstag hatte Nawalny seinen Protestaufruf bekräftigt. "Zu Hause zu bleiben, wäre das Signal: Ich halte das noch weitere sechs Jahre aus. Solche Signale dürfen wir ihnen (der Regierung) nicht geben."

Nawalny hatte bereits 2017 mehrfach Großdemonstrationen gegen die Staatsführung und Korruption organisiert. Dabei waren Hunderte Menschen festgenommen worden.

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 28. Januar 2018 um 12:00 Uhr in den Nachrichten.

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