Bäume brennen an einem Hang bei einem Waldbrand in Vacaville, Kalifornien. | Bildquelle: dpa

UN-Bericht Mehr Naturkatastrophen durch Klimawandel

Stand: 12.10.2020 15:26 Uhr

4,2 Milliarden Betroffene, 1,2 Millionen Tote - zwischen 2000 und 2019 hat sich die Zahl der Naturkatastrophen gegenüber den vorherigen 20 Jahren fast verdoppelt. Ein UN-Bericht sieht dafür vor allem einen Grund: den Klimawandel.

Der Klimawandel ist einem UN-Bericht zufolge hauptverantwortlich dafür, dass sich die Zahl der Naturkatastrophen seit dem Jahr 2000 verdoppelt hat. Bis 2019 seien weltweit insgesamt 7348 Katastrophen größeren Ausmaßes registriert worden und damit fast doppelt so viele wie zwischen 1980 und 1999, teilte das UN-Büro für Katastrophenvorbeugung (UNDRR) mit.

Am schwersten betroffen war dem Bericht zufolge Asien, gefolgt vom amerikanischen und afrikanischen Kontinent. China und die USA registrierten demnach die meisten Naturkatastrophen, danach folgten Indien, die Philippinen und Indonesien.

Überschwemmungen, Stürme, Dürren, Waldbrände

Es gab mehr Erdbeben und Tsunamis und vor allem mehr klimabedingte Naturkatastrophen: Deren Anzahl stieg von gut 3600 auf gut 6600. Der Anteil dieser Vorfälle an der Gesamtzahl stieg leicht von 87 auf 91 Prozent. Dazu gehören Überschwemmungen, Stürme, Dürren, Waldbrände und Hitzewellen.

"Die Zahl der Ereignisse durch extreme Temperaturen ist dramatisch gestiegen", sagte die Professorin Debarati Guha-Sapir vom Katastrophenforschungszentrum (CRED) der Universität Löwen in Belgien, wo die Datenbank geführt wird. 91 Prozent der Todesopfer durch extreme Temperaturen seien zwischen 2000 und 2019 durch Hitzewellen umgekommen, insgesamt 165.000 Menschen. Alle Länder müssten sich deutlich besser auf Hitzewellen vorbereiten, mahnte die Wissenschaftlerin.

Die Gesamtzahl der Naturkatastrophen sei nicht deshalb höher, weil in den vergangenen 20 Jahren mehr erfasst wurden, betonte Guha-Sapir. Die Kommunikationsmittel seien seit Ende der 70er-Jahre so gut, dass praktisch alle Vorfälle registriert würden. Gelistet werden solche ab zehn Toten oder 100 Betroffenen.

4,2 Milliarden Betroffene, 1,2 Millionen Tote

Die Anzahl der von Naturkatastrophen betroffenen Menschen stieg in den vergangenen 20 Jahren von 3,2 auf 4,2 Milliarden. Viele seien mehrfach Opfer geworden, so der Bericht.

Die Zahl der Todesopfer blieb bei rund 1,2 Millionen konstant. Besonders verheerend waren die Jahre 2004, 2008 und 2010. Gründe waren 2004 der Tsunami im Indischen Ozean mit rund 230.000 Toten, 2008 das Erdbeben in Haiti mit gut 220.000 Toten und 2008 der Zyklon Nargis in Myanmar mit etwa 138.000 Toten.

Der wirtschaftliche Schaden der Katastrophen belief sich demnach zwischen 2000 und 2019 auf fast drei Billionen US-Dollar. Tatsächlich dürften die Schäden jedoch noch höher liegen, da viele Länder vor allem in Asien und Afrika keine Informationen zu den wirtschaftlichen Auswirkungen veröffentlichen. 1980 bis 1999 hatte die Schadenssumme noch bei 1,63 Billionen US-Dollar gelegen.

"Wir zerstören mit vollem Wissen"

Die Leiterin des UNDRR, Mami Mizutori, erklärte: "Wir zerstören mit vollem Wissen. Das ist die einzige mögliche Schlussfolgerung, wenn man die Katastrophen der letzten 20 Jahre Revue passieren lässt." Die Regierungen aber würden nicht genug tun, um Klimarisiken zu verhindern. Sie forderte bessere Strategien, um sich auf die Gefahren vorzubereiten. Es sei wichtig, auf "wissenschaftliche Erkenntnisse und Frühwarnungen" zu hören und entsprechend "in Prävention, Anpassung an den Klimawandel und Katastrophenvorsorge zu investieren".

Das UNDRR veröffentlichte den Report anlässlich des Internationalen Tages der Katastrophenvorbeugung (13. Oktober). Er behandelt keine epidemiologischen Geschehnisse wie die Corona-Pandemie. Doch habe die weltweite Ausbreitung des Virus "Regierungen und die Öffentlichkeit auf die Gefahren aufmerksam gemacht, denen wir ausgesetzt sind", erklärte Mizutori. Sie fügte hinzu, die Bemühungen zur Überwindung der Pandemie müssten "grün" sein, andernfalls "tragen wir nur zur Klima-Notlage bei".

Klimawandel verursacht deutlich mehr Naturkatastrophen
Dietrich Karl Mäurer, ARD Türich
12.10.2020 16:51 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR 2 am 12. Oktober 2020 um 17:00 Uhr in den Nachrichten.

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