Eine Soldatin der Bundeswehr im Feldlager "Camp Gardermoen".  | dpa

Bundeswehr bei NATO-Manöver Ein Kraftakt, der Eindruck machen soll

Stand: 25.10.2018 05:00 Uhr

Es ist das größte NATO-Manöver seit Ende des Kalten Krieges: An der Übung in Norwegen sind 50.000 Soldaten beteiligt, darunter rund 10.000 Bundeswehrsoldaten. Ein Kraftakt.

Von Christoph Prössl, ARD-Hauptstadtstudio

10.000 Soldatinnen und Soldaten, 4000 Fahrzeuge, darunter 30 "Leopard"-2-Panzer, neun Flugzeuge, drei Schiffe, die Fregatte "Lübeck" mit dabei: Das ist der Beitrag der Bundeswehr zur NATO-Übung "Trident Juncture". Kosten für die Bundesrepublik Deutschland: rund 90 Millionen Euro. Zur Einordnung: Insgesamt sind an dem Manöver rund 50.000 Personen aus den 29 Mitgliedsstaaten beteiligt.

Christoph Prössl ARD-Hauptstadtstudio

Die umfangreiche deutsche Beteiligung hat einen Grund: Im kommenden Jahr übernimmt Deutschland die Führung einer NATO-Einheit, der "Very High Readiness Joint Task Force", VJTF. Sie dient als Speerspitze, sollte ein Bündnispartner angegriffen werden und soll besonders zügig in ein Einsatzgebiet verlegt werden können.

Praxistest in Norwegen

In Norwegen soll die schnelle NATO-Eingreiftruppe zeigen, dass sie einsatzbereit ist. Die Einheit umfasst bis zu 7000 Personen, rund 4000 deutsche, dazu kommen norwegische und niederländische Kräfte. "Deutschland ist so stark beteiligt, weil es sich schon 2014 bei den Wales-Beschlüssen der NATO sehr mit engagiert und gesehen hat, dass es eine Verantwortung innerhalb  der NATO hat und dass es auf Deutschland als Rückgrat ankommen wird in der Zukunft", sagt Christian Mölling, stellvertretender Direktor der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik (DGAP).

2014 in Wales - das war der Gipfel, auf dem die Allianz die schnelle Eingreiftruppe beschlossen hat. Das war eine Reaktion auf die Krim-Krise und auf die Furcht nordosteuropäischer NATO-Partner vor Russland. Damals einigte sich die Allianz auch darauf, die Verteidigungsausgaben deutlich zu erhöhen.

Infografik "Trident Juncture"

"Dynamisches Verfügbarkeitsmanagement"

Aus deutscher Sicht ist es schon eine Leistung, dass die Bundeswehr die Einheiten zur Übung und im kommenden Jahr für die Eingreiftruppe mit voller Ausrüstung stellen kann.

Noch immer wirken Beschlüsse der vergangenen Jahre nach, als der Verteidigungshaushalt von Jahr zu Jahr kleiner wurde. Im Verteidigungsministerium wurde aus der Not heraus das sogenannte "dynamische Verfügbarkeitsmanagement" geboren. Die Bundeswehr sparte beim Material, Verbände sind nicht voll ausgestattet, es fehlten Panzer, Maschinengewehre und Splitterschutzwesten. Ausrüstung wird hin- und hergeschoben. Soldatinnen und Soldaten verwenden lieber den Ausdruck Mangelverwaltung als "dynamisches Verfügbarkeitsmanagement".

Ministerin Ursula von der Leyen kündigte an, dass die Bundeswehr wieder zu einer Vollausstattung kommen soll. Doch das dauert. Bis dahin belastet der Zustand die Einheiten, die ausbilden müssen und Soldatinnen und Soldaten in Auslandseinsätze entsenden. "Das bringt die Bundeswehr zum jetzigen Zeitpunkt an ihre Grenzen und vielleicht sogar ein Schritt darüber hinaus", sagt Vize-DGAP-Chef Mölling. Die Hoffnung sei, dass man bei solchen Manövern auch lerne, was noch nicht funktioniere, und wo man in den nächsten Jahren besser werden müsse.

Ziel: Vollausstattung

Dass die USA sich von den deutschen Bemühungen beeindrucken lassen, ist eher unwahrscheinlich. Gerade erst hat der amerikanische Botschafter in Deutschland, Richard Grenell, angesichts sprudelnder Steuereinnahmen in Deutschland die US-Forderung nach höheren deutschen Verteidigungsausgaben bekräftigt.

In der Bundeswehr sehen die Offiziere die Entwicklung viel pragmatischer: 2023, wenn Deutschland erneut die Führung der VJTF übernehmen wird, dann sollen die deutschen Soldatinnen und Soldaten über eine Vollausstattung verfügen und das Material nicht mehr in anderen Verbänden zusammenleihen müssen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 25. Oktober 2018 um 09:00 Uhr.

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KOMMENTARE

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Bernd39 25.10.2018 • 06:29 Uhr

Völlige Desorientierung

In dieser Hinsicht ist deutsche Politik ein völliges Chaos. So wie bei Israel hätte sich für Deutschland schon aus historischer Verantwortung die Teilnahme an einem Großmanöver an Russlands Grenzen untersagt. So etwas kann man doch auch in Spanien, Griechenland u.a. an Rhein oder Seine üben. Aber nicht in Norwegen, Litauen, Polen, Ukraine oder Georgien, oder an der Memel. Aber wie sagte schon ein US-General seinen Leuten? Die sollen das zukünftige Kriegsgebiet kennenlernen. Und Norwegen hat dort oben nun einmal nur wenige Nachbarn, die man angreifen könnte. Man könnte solchen Hitzköpfen immer nur zurufen, fragt eure Großväter (ich noch meinen Vater), was ein Krieg gegen Russland einbringt. Erst recht, nachdem Putin gerade sagte, ein 22. Juni 1941 wird sich nicht wiederholen. Übrigens, zum mentalen Umgang mit Russland. Bis dieses Jahr wurden die Sanktionen exakt jedes mal am 22. Juni verlängert. Erst 2018 fiel in Brüssel jemandem auf, daß sich mit diesem Tag etwas verbindet!