NATO-Generalsekretär Stoltenberg | Bildquelle: AP

NATO-Chef über Russland "Immer unberechenbarer und aggressiver"

Stand: 18.03.2018 04:22 Uhr

Die Annexion der Krim, etliche Cyberattacken oder der Giftanschlag auf Skripal: Aus Sicht von NATO-Generalsekretär Stoltenberg verhält sich die russische Regierung "immer unberechenbarer und aggressiver".

Wenige Tage nach dem Giftanschlag auf den Ex-Doppelagenten Sergej Skripal in Großbritannien hat NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg Russland abermals scharf kritisiert. Der Anschlag von Salisbury sei "Ausdruck eines bestimmten Musters, das wir seit einigen Jahren beobachten: Russland wird immer unberechenbarer und immer aggressiver".

Nach der illegalen Annexion der ukrainischen Halbinsel Krim, der Stationierung von Truppen in Georgien und zahlreichen Cyberattacken gebe es neue, weitere Bedrohungen. Russland führe neuerdings Nuklearwaffen in Militärdoktrin und Militärübungen zusammen. "Das reduziert die Schwelle für den Einsatz von Nuklearwaffen seitens Moskau", sagte Stoltenberg der "Welt am Sonntag".

Warnung vor Nuklearwaffen

Es bestehe auch "die Gefahr, dass die russische Regierung sich schrittweise vom Einsatz konventioneller Waffen in Richtung Nuklearwaffen bewegen könnte". Die NATO-Staaten müssten darum ihre Verteidigungsbereitschaft und ihre Fähigkeiten weiter verbessern. "Ich denke, dass Kanzlerin Merkel und ihre Kollegen beim NATO-Gipfel im Juli in Brüssel neue Entscheidungen treffen werden. Wir müssen wachsam und entschlossen sein", sagte der frühere norwegische Ministerpräsident.

Russland dürfe sich nicht verkalkulieren. "Wir sind jederzeit bereit zu antworten, wenn ein Verbündeter militärisch angegriffen wird. Wir wollen glaubhaft abschrecken. Wir wollen keinen Krieg." Ziel der NATO sei vielmehr die Deeskalation.

Fall Skripal - keine eindeutigen Beweise

Großbritannien macht Russland für den Giftanschlag von Salisbury verantwortlich. Die meisten westlichen Staaten haben sich der britischen Einschätzung angeschlossen, obgleich eindeutige Beweise bislang nicht vorliegen.

Am Samstag hatte Russland 23 britische Diplomaten des Landes verwiesen. Die Betroffenen hätten eine Woche Zeit das Land zu verlassen, teilte das Außenministerium mit. Russland ziehe zudem seine Zustimmung für die Eröffnung und den Betrieb des Generalkonsulats in St. Petersburg zurück. Außerdem müsse das Kulturinstitut British Council seine Tätigkeit in Russland einstellen.

Die Regierung in Moskau reagierte damit auf die Entscheidung des Vereinigten Königreichs, russische Diplomaten des Landes zu verweisen.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 17. März 2018 um 16:00 Uhr.

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