Anlässlich des Nationalfeiertags ist die Oman Arab Bank farbenfroh angestrahlt. | Bildquelle: AFP

50. Nationalfeiertag in Oman Die goldenen Jahre sind vorbei

Stand: 18.11.2020 04:56 Uhr

Das Erdöl hat das Sultanat Oman reich gemacht. Doch wegen der schwindenden Nachfrage und der Corona-Krise gerät das Land in immer größere finanzielle Schwierigkeiten. Viele Omaner sorgen sich um ihre Zukunft.

Von Anne Allmeling, ARD-Studio Kairo

Harith Al-Shabibi hat auf dem Sofa Platz genommen, in einem klimatisierten Raum der Deutschen Universität in Maskat. Ein modernes Gebäude am Rande der omanischen Hauptstadt, vom Zentrum eine knappe Stunde entfernt - mit dem Auto auf dem Highway. Vor 50 Jahren, erzählt Harith Al-Shabibi, sei eine so schnelle Verbindung unvorstellbar gewesen: "Es gab keine Straßen, auch keine Autos - wir sind auf Eseln geritten."

Harith Al-Shabibi war fast 20 Jahre alt, als er Ende der sechziger Jahre zum ersten Mal nach Oman kam. Bis dahin hatte die Familie - wie viele Omaner - in Ostafrika gelebt, denn im Heimatland gab es keine Arbeit, keine Wasserversorgung, keine Entwicklung - bis Qabus bin Said Al-Said die Macht übernahm. Unterstützt von den Briten, stürzte er 1970 seinen Vater vom Thron und begann mit Hilfe der Einnahmen aus der Erdölförderung einen modernen Staat aufzubauen. Heute hat das östlichste Land der arabischen Halbinsel ein Straßennetz, das bis in den letzten Winkel reicht, außerdem gibt es Schulen, Krankenhäuser und ein Opernhaus.

Das Erbe von Sultan Qabus

All das entstand unter Sultan Qabus, erklärt Jürgen Werner, ehemaliger Prorektor der deutschen Universität in Maskat. "Der Sultan hat das Land aus einem schrecklichen mittelalterlichen Lähmungszustand in die Moderne geführt, und zwar radikal, wahnsinnig schnell und vor allem: ziemlich gerecht", sagt Werner.

Die Kunst dabei sei gewesen, die 300 verschiedenen Stämme so zu behandeln, dass sich niemand benachteiligt fühlt. "Alle haben etwas bekommen von dem wahnsinnigen Ölreichtum. Es gibt keine Orte mehr ohne Wasser, ohne Strom - damit gewinnt man ein Volk", erklärt Werner. 

Sultan Qaboos, der im Januar 2020 verstorben ist, im Jahr 2019 | Bildquelle: AP
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Sultan Qaboos hat seinem Nachfolger ...

Sultan Haitham | Bildquelle: REUTERS
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... Sultan Haitham ein schwieriges Erbe hinterlassen.

Fast fünf Jahrzehnte lang stand Sultan Qabus an der Spitze des Staates. Als er im Januar starb, trauerten viele Omaner um ihn wie um einen Vater. Doch seinem Cousin und Nachfolger, Sultan Haitham, hat Qabus ein schwieriges Erbe hinterlassen: Denn die Einnahmen aus der Erdölförderung reichten längst nicht mehr aus, um die üppigen Staatsausgaben zu finanzieren, sagt der Wirtschaftsexperte Murtadha Hassan Ali. "Unser Verwaltungsapparat ist sehr groß - das ist eins der größten Probleme. Zwischen 70 bis 75 Prozent der gesamten Öleinnahmen, unserer größten Einnahmequelle, gehen in die Gehälter für die Beamten", sagt Ali. "Was übrig bleibt, ist sehr wenig. Deshalb haben wir ein riesiges Defizit in unserem Staatshaushalt - und das wächst."

Oman braucht Reformen

Um möglichst viele Omaner mit Stellen zu versorgen, war die öffentliche Verwaltung unter Qabus immer weiter ausgebaut worden. Dagegen ist die Privatwirtschaft bis heute kaum entwickelt; viele Menschen sind arbeitslos. In den Branchen, die den Omanern wenig attraktiv erscheinen, arbeiten vor allem Menschen aus Indien, Pakistan und Bangladesch. Sie verdienen mehr als in ihren Heimatländern, aber viel weniger als die Omaner.

Der neue Sultan muss nun sein Volk für schmerzhafte Reformen gewinnen, die Wirtschaft umgestalten und Arbeitsplätze schaffen. 50 Jahre nach dem Sprung des Landes in die Moderne seien die goldenen Jahre vorbei, sagt Werner: "Qabus hat bei Null angefangen und dementsprechend stark ist dieses Entwicklungsmoment." Haitham fange dagegen in einer Zeit an, in es dem Land nicht besonders gut gehe und der Ölpreis am Boden sei. "Qabus hat das Land aus dem Mittelalter geführt, und Haitham muss sich mit ganz normalen Problemen rumschlagen", sagt Werner.

Oman nach Qabus - Das schwierige Erbe des Sultans
Anne Allmeling, ARD Kairo
17.11.2020 15:50 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk Kultur am 16. November 2020 um 18:30 Uhr.

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