Eine Regenbogenflagge hängt an der Keizersgrachtkerk in Amsterdam | Bildquelle: JEROEN JUMELET/EPA-EFE/REX

"Nashville"-Erklärung Streit über Manifest gegen Homo-Ehe

Stand: 10.01.2019 12:03 Uhr

Die "Nashville"-Erklärung bezeichnet Homosexualität als Sünde. Das Manifest wurde nun in den Niederlanden von 300 Geistlichen und Politikern unterschrieben - und führt zu Streit.

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Studio Den Haag

Über den Rathäusern der großen Städte in den Niederlanden flattert die Regenbogenflagge. Und auch viele kleine Kommunen und Kirchen im Land haben die bunte Fahne der Schwulen- und Lesbenbewegung gehisst. So wie die Küstengemeinde Oldambt in der Provinz Groningen. Schade, dass solche Zeichen der Solidarität überhaupt nötig seien, meint die Beigeordnete der Gemeinde, Laura Broekhuizen. "Ich finde es sehr traurig, dass Menschen auf diese Weise zeigen müssen, wie tolerant sie sind. Das macht mich sprachlos. Das kann eigentlich nicht sein."

Erzkonservative unterzeichnen "Nashville"-Erklärung

Die Regenbogen-Fahne ist ein Statement gegen die sogenannte Nashville-Erklärung. Ein bereits 2017 in den USA veröffentlichtes Pamphlet, das die gleichgeschlechtliche Ehe ablehnt und Homosexualität als Sünde bezeichnet.

Der Text wurde nun ins Niederländische übersetzt und von fast 300 Geistlichen und Politikern unterschrieben - auch von Cees Lock, dem Parteivorsitzenden der orthodox-calvinistischen SGP im süd-holländischen Hardinxveld. "Ich finde es sehr wichtig, dass diese Erklärung unterstreicht, dass die Ehe für Mann und Frau bestimmt ist. Und dass eine gleichgeschlechtliche Ehe in der Bibel nicht vorgesehen ist."

Die bibeltreue SGP ist in Hardinxveld die zweitstärkste politische Kraft. Auch der Landesvorsitzende der erzkonservativen Partei hat die Nashville-Erklärung unterzeichnet. Bereits im ersten Artikel des Dokuments heißt es: "Wir bestreiten, dass Gott die Ehe als homosexuelle, polygame oder polyamouröse Beziehung erdacht hat."

Ein Familien- und Weltbild, das eine strenggläubige Protestantin aus Hardinxveld teilt. Sie meint, Gott habe die Menschen - Mann und Frau - geschaffen und nicht zwei Männer oder zwei Frauen. Und die Menschen müsse man mit Liebe umarmen, aber "nicht die Sünde, die sie tun."

Eine Regenbogenflagge hängt am Eingang der Orangekerk in Amsterdam | Bildquelle: JEROEN JUMELET/EPA-EFE/REX
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Die Regenbogenflagge als Statement für die Schwulen- und Lesbenbewegung

"Nur die Meinung einer Minderheit"

René de Reuver, der Vorsitzende der Protestantischen Kirchen in den Niederlanden, kann der Nashville Erklärung nichts abgewinnen. Er betont, dass der Text lediglich die Meinung einer Minderheit im Land wiedergäbe. De Reuver distanziert sich von dem Papier, das die Tageszeitung "TROUW" als "Anti-Homo-Manifest" bezeichnet. "Jeder Mensch ist ein Geschöpf Gottes, egal wie er geartet ist", meint er.

In der Kirche sei jeder willkommen bei Gott. Und natürlich würde innerhalb der Kirche unterschiedlich über Homosexualität gedacht, aber das hieße nicht, dass man nicht willkommen sei. Deshalb solle man ein Klima schaffen, in dem man offen darüber reden könne Und diese Erklärung trage dazu nichts bei.

"Liebeserklärung" für Respekt und Toleranz

Als Reaktion auf den Nashville-Text hat die Humanistische Vereinigung eine zehn Punkte umfassende "Liebeserklärung" ins Netz gestellt, die zu Respekt und Toleranz aufruft. Mehr als 40.000 Niederländer, darunter viele Prominente, haben die humanistische Botschaft bereits geteilt.

Unterdessen untersucht die niederländische Staatsanwaltschaft, ob die Nashville-Erklärung Textpassagen enthält, die strafbar sind. Die Debatte wird also weitergehen - ausgerechnet in den Niederlanden, die vor fast 20 Jahren als erstes Land der Welt die gleichgeschlechtliche Ehe zugelassen haben.

"Es ist Sünde" Nashville-Erklärung spaltet die niederländischen Protestanten
Ludger Kazmierczak, ARD Den Haag
10.01.2019 10:48 Uhr

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Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 10. Januar 2019 um 20:00 Uhr.

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