Weltraum-Touristen könnten sich schon bald den Traum vom Astronauten erfüllen. | REUTERS

NASA-Tourismus zur ISS 31.000 Euro für den Astronautentraum

Stand: 08.06.2019 02:38 Uhr

Schon in wenigen Monaten sollen die ersten bemannten Testflüge zur internationalen Weltraumstation ISS den Weg für neuen Tourismus im All ebnen. Der Grund dafür ist simpel: Die NASA braucht das Geld.

Von Kai Clement, ARD-Studio New York 

Man trifft sich an New Yorks Technologiebörse NASDAQ, kein Wunder, schließlich geht es um - womöglich - ganz große Einnahmen. Und ganz großen Optimismus.

Kai Clement

Einen großen Schritt nach vorne - so nennt esJeff DeWit, Finanzchef der US-Raumfahrtbehörde NASA. Dem kann Kevin Foley vom Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing nur beipflichten: Ja, ein großer Tag.

Wer schon die ganze Welt bereist hat, könnte ab kommendem Jahr ein neues Ziel bekommen: Das All. So jedenfalls haben es die beiden jetzt in New York angekündigt. Die NASA will dafür die Internationale Raumfahrtstation ISS für Touristen öffnen. Sie selbst nutzt russische Technik für die Weltraumflüge ihrer Astronauten und wird deshalb auch für Touristen keine eigenen Raumschiffe anbieten. Geplant ist vielmehr, dass kommerzielle Anbieter die Reisen organisieren und dabei Technik beispielsweise von Boeing nutzen, die allerdings noch im Teststadium ist. 

Damit können kommerzielle Anbieter eine starke und dynamische Weltraum-Wirtschaft aufbauen. Das ist für alle großartig. Ein bedeutsamer Tag, das hat es so noch nie gegeben.

Anreise um ein Vielfaches teuer

Kost und Logis belaufen sich auf umgerechnet rund 31.000 Euro pro Nacht, so NASAs Finanzchef Jeff DeWit weiter. Das Gros davon entfalle auf die Nutzung der lebenserhaltenden Systeme und der Toiletten. In der Schwerelosigkeit ist eben alles etwas komplizierter. Jetzt aber noch nicht zu rechnen beginnen, denn der größte Kostenfaktor fehlt noch, die Anreise. Die dürfte bei mindestens 50 Millionen Dollar pro Person liegen. 

NASAs CFO Jeff DeWit. | AFP

NASAs CFO Jeff DeWit. Bild: AFP

Für Kevin Foley von Boeing gilt das Credo: das Geschäft folgt den Menschen. Und das gilt offenbar selbst für das Weltall.

Wir sind eines von zwei Unternehmen, das Raumschiffe baut, die Menschen zur ISS bringen und dann wieder sicher zur Erde zurück. Wir sind mitten in unserem Testprogramm. Im August werden wir unbemannte Testflüge haben. Und dann im November einen bemannten Testflug.

Neben Boeing ist auch SpaceX, die Weltraumfirma von Elon Musk, einer der Interessenten für die Weltraumreisen.

Weltraumreisen - dank Trump?

Was nach so spektakulärem wie unbezahlbaren Abenteuer klingt, hat auch einen politischen und finanziellen Hintergrund. US-Präsident Trump nämlich will über kurz oder lang die Zahlungen für die ISS einstellen - zugleich fordert er, das binnen fünf Jahren wieder Amerikaner auf dem Mond landen.

Das kommerzielle Nasa-Programm könnte dafür wie auch für eine Mars-Mission dringend benötigtes Geld einbringen, so Finanzchef DeWit. Auch, indem die ISS für Firmen geöffnet werde, die dort forschen oder die Station für Werbung nutzen wollen.

Alle Kosten, die wir damit kompensieren können, geben uns mehr Geld für unsere Erkundungsmissionen, die der aktuellen Regierung sehr wichtig sind. Etwa bis 2024 wieder zum Mond zu fliegen. Zum Mars. Zugleich hilft es, eine starke Weltraum-Wirtschaft zu beleben.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Juni 2019 um 17:15 Uhr in den Nachrichten.

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KOMMENTARE

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Anna-Elisabeth 08.06.2019 • 23:04 Uhr

09:01 von riewekooche

"Dorthin sollte es keine touristischen Touren geben, und schon gar nicht als Alleingang eines einzelnen Landes. Sollen sie doch für Touristen eine eigene Station bauen." Sehe ich auch so. Touristen stören nur bei der harten Arbeit und im Falle eines Notfalls vermutlich auch noch mit Hysterie.