Mars-Hubschrauber Ingenuity | dpa

"Ingenuity" filmt seinen Schatten Hubschrauber-Flug auf Mars geglückt

Stand: 19.04.2021 14:35 Uhr

Mehrfach wurde der Start verschoben, jetzt hat es geklappt: Der Mini-Hubschrauber "Ingenuity" hat einen Flug auf dem Mars absolviert. Es ist das erste Mal, dass ein solches Manöver auf einem anderen Planeten gelungen ist.

Mit dem Mars-Hubschrauber "Ingenuity" hat erstmals ein Luftfahrzeug einen Flug auf einem anderen Planeten absolviert. Der mit Lithium-Ionen-Akkus betriebene und rund 1,8 Kilogramm schwere "Ingenuity" (auf Deutsch etwa: Einfallsreichtum) stieg bei seinem ersten Testflug auf, schwebte dann auf der Stelle und landete schließlich wieder auf der Oberfläche des Planeten, wie die US-Raumfahrtbehörde NASA mitteilte. Die Kurz-Mission dauerte nach NASA-Angaben etwa 39 Sekunden.

Erste Bilder zeigen den Schatten von "Ingenuity" aus der Luft gesehen und der Hubschrauber in der Luft aus der Perspektive des Rovers "Perseverance". Wegen technischer Probleme war der Testflug seit Anfang April mehrfach verschoben worden.

"Es ist wahr, es ist wirklich wahr", jubelte "Ingenuity"-Projektmanagerin MiMi Aung im NASA-Kontrollzentrum im kalifornischen Pasadena, nachdem die Daten des Hubschraubers auf der Erde angekommen und ausgewertet worden waren. "Wir können jetzt sagen, dass Menschen einen Drehflügler auf einem anderen Planeten geflogen haben."

Die NASA verglich den Hubschrauberflug mit dem geglückten Motorflug der Gebrüder Wright 1903. Als Erinnerung daran war dem Hubschrauber ein wenig Stoff des Wright-Flugzeugs mitgegeben worden.

Mars-Hubschrauber Ingenuity | AFP

Der Rover "Perseverance" filmte den ersten Flug des Mini-Hubschraubers.. Bild: AFP

Hubschrauber muss extreme Bedingungen aushalten

"Ingenuity" muss auf dem Mars extremen Bedingungen trotzen: Nachts ist es bis zu minus 90 Grad Celsius kalt, was für Batterien und andere Elektronik leicht das Todesurteil bedeuten kann.

Wegen der dünnen Atmosphäre, die grob gesehen nur ein Prozent so dicht ist wie die auf der Erde, müssen die Rotoren von "Ingenuity" auf 2537 Umdrehungen pro Minute beschleunigen - ein Vielfaches von Hubschraubern auf der Erde. Die Energie für diese Kraftanstrengung zieht "Ingenuity" aus seiner durch Sonnenenergie gespeisten Batterie.

Suche nach Spuren früheren Lebens

Der Mini-Helikopter war Ende Februar an Bord des Rovers "Perseverance" mit einem riskanten Manöver in einem ausgetrockneten Mars-See namens "Jezero Crater" aufgesetzt. Diesen See mit einem Durchmesser von etwa 45 Kilometern soll "Perseverance" in den kommenden zwei Jahren untersuchen.

Im Vergleich zum Rover waren die Baukosten des Hubschraubers mit 85 Millionen Dollar überschaubar. Entwicklung und Bau des "Perseverance"-Rovers hatten rund 2,5 Milliarden Dollar (etwa 2,2 Milliarden Euro) verschlungen und acht Jahre gedauert. Der Rover soll auf dem Mars nach Spuren früheren mikrobiellen Lebens fahnden sowie das Klima und die Geologie des Planeten erforschen.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 19. April 2021 um 13:15 Uhr in den Nachrichten.