NASA-Sonde der Mission DART vor Asteroid (Simulation) | via REUTERS

"DART"-Mission Die NASA lässt es krachen

Stand: 27.09.2022 08:08 Uhr

Es klingt wie Stoff aus Hollywood: Der Kurs eines Asteroiden muss verändert werden - mithilfe einer Sonde, so groß wie ein Getränkeautomat. Bei der NASA heißt diese Mission "DART". In der Nacht endete das Manöver mit einem krachenden Erfolg.

Von Ralf Borchard, ARD-Studio Washington

Die Spannung stieg und stieg im NASA-Kontrollzentrum, als um 01.15 Uhr nachts deutscher Zeit die letzten Bilder von der "DART"-Sonde übertragen wurden, live zu verfolgen auf der NASA-Website. Kurz waren noch gestochen scharfe Aufnahmen des Asteroiden Dimorphos zu sehen, dann wurde der Bildschirm rot. Aufprall - und klar war: Teil eins des Experiments ist geglückt.

Ralf Borchard ARD-Studio Washington

Nach dem ersten Jubel ließ die wissenschaftliche Koordinatorin der "DART"-Mission (Double Asteroid Redirection Test), Nancy Chabot, ihrer Begeisterung freien Lauf: "Das war unglaublich. Diese Bilder, immer näher und näher. Wir haben jahrelang für diesen Moment gearbeitet - seit 2015. Wir haben immer wieder darüber gesprochen - so wird es werden, wir werden spektakuläre Bilder sehen. Jetzt wurden meine Erwartungen noch übertroffen."

Getränkeautomat trifft Fußballstadion

Rund 330 Millionen Dollar kostet die Mission. Ihr Ziel: Erkenntnisse, ob künftig möglicherweise direkt auf die Erde zurasende Asteroiden so abgelenkt werden können, dass sie an der Erde vorbeifliegen, ohne Schaden anzurichten. Die würfelförmige "DART"-Sonde, die jetzt in den Asteroiden Dimorphos gesteuert wurde, hatte eine Kantenlänge von rund zwei Metern und war gut 600 Kilo schwer - so groß wie ein Getränkeautomat, der auf einen Asteroiden von der Größe eines Fußballstadions trifft.

Wie groß der Krater ist, den die Sonde durch den Aufprall verursacht hat, und ob der getroffene Asteroid tatsächlich seine Flugbahn ändert, sollen Aufnahmen verschiedener Teleskope in den kommenden Tagen und Wochen zeigen.

"Teleskope hier auf der Erde und im All beobachten jetzt, wie etwa das Gestein genau aussieht, das durch diese spektakuläre Kollision herausgeschleudert wurde", so Koordinatorin Chabot:

Die Mission wird noch wochenlang weitergehen. Aber nichts kann uns diesen ersten Moment des Erfolgs jetzt nehmen.

"Planetare Verteidigung" als Gemeinschaftsprojekt

Der Physiker Ralph Semmel von der Johns-Hopkins-Universität drückte die Bedeutung des "DART"-Projekts in der Live-Übertragung der NASA so aus: "Ich war schon an vielen Raumfahrtprojekten und -erfolgen beteiligt. Aber dies ist eine noch nie dagewesene Mission." Chabot ergänzt, auch mit Blick auf China, Russland und die Europäische Union:

Planetare Verteidigung ist ein wirklich internationales Thema. Wir leben alle zusammen auf diesem Planeten. Dieses Projekt zur Abwehr von auf die Erde zusteuernden Objekten zeigt, wie wichtig internationale Zusammenarbeit ist. Nur durch Kooperation können wir den Lerneffekt maximieren.

Für die langfristige Fortsetzung der Mission ist großenteils die europäische Raumfahrtbehörde ESA verantwortlich: Sie soll 2024 eine eigene Sonde zum Asteroiden Dimorphos schicken, um die Auswirkungen des jetzigen Aufpralls weiter zu untersuchen.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 27. September 2022 um 09:00 Uhr.