Polizisten sichern den Platz vor der Kathedrale in Nantes ab. Dort war am Morgen ein Großbrand ausgebrochen.  | dpa

Feuer in Kathedrale von Nantes "Wichtiges religiöses Erbe zerstört"

Stand: 18.07.2020 18:07 Uhr

Frankreich steht nach dem Brand in der Kathedrale von Nantes unter Schock. Ermittlungen sollen Klarheit bringen, ob das Feuer mit Vorsatz gelegt wurde. Die Schäden im Inneren sind immens.

Von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Die Franzosen wachten am Morgen mit der Meldung auf, dass in der Kathedrale von Nantes ein Großbrand ausgebrochen war. Sofort kam wieder die Erinnerung an das Feuer hoch, das vor etwas mehr als einem Jahr die Kathedrale Notre-Dame in Paris stark in Mitleidenschaft gezogen hat.

Martin Bohne ARD-Studio Paris

"Ich war fast im Schockzustand und empfand eine große Traurigkeit - wie ein Albtraum", sagte eine Einwohnerin von Nantes später in die Kameras. Präsident Emmanuel Macron reagierte sofort nach den ersten Eilmeldungen per Tweet: "Nach Notre-Dame steht die Kathedrale Saint-Pierre-et-Saint-Paul, dieses gotische Juwel, in Flammen."

"Will verstehen, was passiert ist"

Der neue Premierminister Jean Castex schmiss kurzerhand seinen Terminplan um und kam am Nachmittag, begleitet vom Innenminister und von der Kulturministerin in die nordwestfranzösische Stadt.

"Das ist wichtig für mich. Denn der Brand ist ein außergewöhnliches Ereignis. Ich will den Bürgern von Nantes meine Solidarität zeigen und ich will den Einsatzkräften danken. Und dann will ich verstehen, was genau passiert ist", sagte er.

Verdacht auf Brandstiftung

Das fragen sich in der Tat viele. Der Staatsanwalt von Nantes, Pierre Sennès, ordnete inzwischen eine Untersuchung an: "Wir haben festgestellt, dass das Feuer am Morgen an drei verschiedenen Stellen ausgebrochen ist. Und diese Feststellung bringt uns natürlich dazu, eine Ermittlung wegen vorsätzlicher Brandstiftung aufzunehmen."

Spezialisten aus Paris sollen nun herausfinden, wie der Brand entstand und wie er sich ausgebreitet hat. "Es ist noch zu früh, ein abschließendes Urteil zu fällen. Die Brandspezialisten werden uns nun hoffentlich Aufklärung über die Ursachen der Katastrophe bringen", sagte der Staatsanwalt.

Beträchtliche Schäden

Kurz vor acht Uhr heute Morgen sahen Passanten und Geschäftsleute im Zentrum von Nantes Rauch aus dem großen Fenster an der Hauptfassade der Kathedrale aufsteigen. Im Inneren waren Flammen zu sehen.

Die Feuerwehr war schnell mit über 100 Einsatzkräften am Ort des Geschehens. Am späten Vormittag konnte der Feuerwehr-Kommandeur des Départements, General Laurent Ferlay, vermelden, dass das Feuer unter Kontrolle sei.

 

Bestürzte Passanten beobachten die Löscharbeiten in Nantes | REUTERS

Bei vielen Menschen in Nantes wurden angesichts des Feuers in der Kathedrale schlimme Erinnerungen wach - an das Feuer von Notre-Dame de Paris. Bild: REUTERS

Bürger spendeten den Feuerwehrleuten spontan Beifall. Trotz der schnellen Erfolge sind die Schäden im Inneren der Kathedrale beträchtlich. "Die große Orgel ist vollständig verbrannt, sie gibt es nicht mehr", sagte Ferlay.

Dort war eines der Feuer ausgebrochen. Ein Gemälde wurde auch zerstört und das Chorgestühl beschädigt. Das Glasfenster der Rosette an der Hauptfassade ging zu Bruch.

Wände sind rußgschwärzt

Auf Videos sieht man, dass der Kirchenboden von Trümmern der Orgel bedeckt ist. Die Plattform, auf der die Orgel stand, ist einsturzgefährdet und muss abgesichert und abgetragen werden. Die Wände sind rußgeschwärzt.

Die Kathedrale von Nantes ist den Aposteln Peter und Paul gewidmet und sie gehört zu den bedeutendsten Werken der französischen Spätgotik. Ihre Errichtung zog sich ab 1450 über Jahrhunderte hin. Mit dem Brand sei ein wichtiger Teil des religiösen Erbes und ein Symbol des katholischen Glaubens zerstört worden, bedauerte die französische Bischofskonferenz.

Vor 50 Jahren war die Kathedrale von Nantes schon einmal von einem Feuer heimgesucht worden. Damals wurde der Dachstuhl zerstört und es dauerte 13 Jahre bis die Kirche für Gläubige und Touristen wieder zugänglich war.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 18. Juli 2020 um 18:00 Uhr.