Rauch tritt aus der Kathedrale von Nantes | REUTERS

Feuer in Kathedrale von Nantes Verdacht auf Brandstiftung

Stand: 18.07.2020 13:44 Uhr

Nach dem Großfeuer in der Kathedrale von Nantes ermittelt die Staatsanwaltschaft wegen des Verdachts auf Brandstiftung. Das Feuer ist unter Kontrolle, doch die Flammen richteten großen Schaden an.

Nach dem Großbrand in der Peter-und-Paul-Kathedrale in der westfranzösischen Stadt Nantes hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen wegen des Verdachts auf Brandstiftung eingeleitet. Der zuständige Staatsanwalt Pierre Sennes sagte bei einer Pressekonferenz, das Feuer sei an drei Stellen ausgebrochen, unter anderem an der Orgel und im Hauptschiff. "Das sieht nicht nach einem Zufall aus", zitierten ihn französische Medien. Derzeit gehe man deshalb von einem kriminellen Hintergrund aus, so Sennes. Noch im Laufe des Tages würden Spezialermittler aus Paris mit den Untersuchungen beginnen.

Großaufgebot der Feuerwehr im Einsatz

Der Notruf war am Morgen um 7:44 Uhr bei der Feuerwehr des Départements Loire-Atlantique eingegangen. Eine Augenzeugin hatte sie alamiert, kurz nachdem das Feuer ausgebrochen war. Sie habe einen Knall gehört, berichtet sie im französischen Fernsehen: "Ich glaube, das waren die Kirchenfenster, die zerbrochen sind. Und dann habe ich die Flammen gesehen."

Bilder im französischen Fernsehen zeigten Flammen, die aus dem Bau empor schlugen. Kirchenfenster zerbarsten, schwarzer Rauch stieg zwischen den Kirchtürmen empor. Die Polizei sperrte das Viertel rund um das Gotteshaus ab - auch um Gaffer abzuhalten, dem Einsatzort zu nahe zu kommen.

Orgel wohl komplett zerstört

Die Feuerwehr war über Stunden mit einem Großaufgebot im Einsatz, um den Brand unter Kontrolle zu bringen. Anschließend schildert Feuerwehrchef Laurent Ferlay auf einer Pressekonferenz die Ereignisse:

Wir haben die Kirchentore aufgebrochen, um in das Gebäude reinzukommen. Und wir haben gesehen, dass das Feuer in der ersten Etage, an der Orgel, ausgebrochen war. Die Einsatzkräfte haben sich dem Brandherd dann sowohl vom Inneren der Kathadrale aus als auch von außen, über Feuerwehrleitern, genähert, um die Ausbreitung des Feuers zu verhindern.

Der Schaden konzentriere sich auf die große Orgel, die wohl "vollständig zerstört" sei. Die Plattform, auf der die Orgel stehe, sei "sehr instabil" und drohe zu kollabieren, so Ferlay. Das Dach sei nicht beschädigt worden. Die Einsatzkräfte seien dabei, die Kunstschätze im Inneren der Kathedrale zu sichern.

Politiker reagieren bestürzt - Erinnerungen an Notre Dame

Die französische Politik nimmt den Brand in der Kathedrale von Nantes sehr ernst. Im Tagesverlauf wollen Premierminister Castex in die nordwestfranzösische Stadt kommen sowie der Innenminister und die Kulturministerin.

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron äußerte sich in einem Tweet bestürzt über das Feuer und erklärte, er sei in Gedanken bei den Einsatzkräften. Macron erinnerte auch an den Großbrand in der Pariser Kathedrale Notre Dame im April vergangenen Jahres.

Tatsächlich wecken die Bilder aus Nantes schnell Erinnerungen an die Katastrophe von Notre Dame, bei der das Wahrzeichen der französischen Hauptstadt schwer beschädigt und zeitweise sogar von kompletter Zerstörung bedroht war. Sie befindet sich seither im Wiederaufbau. Der Brand der Kathedrale in Nantes, so Feuerwehrchef Ferlay, sei aber nicht mit dem Feuer in Notre Dame zu vergleichen gewesen.

Bestürzte Passanten beobachten die Löscharbeiten in Nantes | REUTERS

Bei vielen Menschen in Nantes wurden angesichts des Feuers in der Kathedrale schlimme Erinnerungen wach - an das Feuer von Notre Dame de Paris. Bild: REUTERS

Nicht der erste Kirchenbrand in Nantes

Vor fünf Jahren hatte es in Nantes schon einmal ein Großfeuer in einer Kirche gegeben. Damals wurden Teile der Basilika Saint-Donatien aus dem 19. Jahrhundert zerstört. Nantes hat insgesamt zwei Basiliken und eine Kathedrale.

Der Bau der Peter-und-Paul-Kathedrale begann im Jahr 1434 und zog sich mit Unterbrechungen bis ins 19. Jahrhundert. Das Gotteshaus im Stil der französischen Spätgotik hat mit rund 38 Metern eines der höchsten Kathedral-Gewölbe in Frankreich. Es wurde schon mehrfach durch Feuer schwer beschädigt, erstmals 1944 durch ein Bombardement im Zweiten Weltkrieg. 1972 brannte die Dachkonstruktion komplett nieder - der Wiederaufbau dauerte 13 Jahre.

Mit Informationen von Martin Bohne, ARD-Studio Paris

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 18. Juli 2020 um 13:00 Uhr.