Westgate Shopping Mall Nairobi

Al-Schabaab-Angriff in Kenia Noch mehr Tote nach Geiseldrama

Stand: 11.12.2016 11:14 Uhr

Während der mehrtägigen Belagerung eines Einkaufszentrums in der kenianischen Hauptstadt Nairobi hat es offenbar mehr Tote gegeben, als die 72 bislang von den Behörden bestätigten Opfer.

Die Al-Schabaab-Miliz teilte über Kurznachrichtendienst Twitter mit, 137 Geiseln getötet zu haben. Die Verantwortung dafür trage Kenias Staatschef Uhuru Kenyatta und seine Regierung. Die somalische Gruppe warf der kenianischen Armee vor, zur Beendigung des Geiseldramas in der Westgate Shopping Mall "mit Chemikalien gefüllte Geschosse" abgefeuert und den Teileinsturz des Gebäudedachs verursacht zu haben.

Auch Kenias Behörden rechnen mit etwa 60 weiteren Toten, die sich in dem teilweise eingestürzten Einkaufszentrum Westgate befinden könnten. Nach rund 80 Stunden erklärte Präsident Kenyatta am Dienstag Abend die Geiselnahme für beendet. Zu diesem Zeitpunkt sprach die Regierung offiziell von 72 Toten, darunter fünf Extremisten. Das kenianische Rote Kreuz meldete allerdings noch 63 Vermisste.

Staatstrauer für die Opfer begonnen

Zum Gedenken an die Opfer des Überfalls begann in Kenia inzwischen die ausgerufene dreitägige Staatstrauer.

Bei dem Überfall mit Handgranaten und automatischen Schusswaffen waren neben zahlreichen Kenianern unter anderem Franzosen, Briten, Kanadier, Südafrikaner und US-Amerikaner ums Leben gekommen oder verletzt worden.

Amerikaner unter den Extremisten?

Zu dem Angriff hatte sich die somalische Islamisten-Miliz Al Schabaab bekannt. Sie fordert einen Abzug kenianischer Truppen aus dem Somalia. Diese waren 2011 im Nachbarland einmarschiert, um die Islamisten zu bekämpfen.

Die genaue Identität und Zahl der Täter des Überfalls in Nairobi sind allerdings weiterhin unklar. Bislang wurden elf Verdächtige festgenommen. Nicht mitgeteilt wurde, wo sie gefasst wurden und ob es Angreifer oder mutmaßliche Helfer waren. Kenias Außenministerin Amina Mohamed sagte, zwei oder drei junge Amerikaner im Alter von etwa 18 und 19 Jahren zählten zu den Angreifern.

Auch am Tag nach dem offiziell verkündeten Ende der vier Tage andauernden Geiselnahme waren im Einkaufszentrum Schüsse zu hören. Regierungssprecher Manoah Esipisu erklärte, kenianische Elitesoldaten gingen durch die Mall und feuerten dabei.

Ein ranghoher Sicherheitsbeamter sagte, die Soldaten untersuchten immer noch, von wo in der Nacht abgegebene Schüsse gekommen sein könnten. Es wurde nicht ausgeschlossen, dass sich Kämpfer von Al Schabaab immer noch in dem Gebäude befinden.

Die Al-Schabaab-Miliz

Im Bürgerkriegsland Somalia sind Anschläge der Al-Schabaab-Miliz an der Tagesordnung. Immer wieder tritt die radikal-islamistische Gruppierung aber auch in Nachbarländern Somalias in Erscheinung. Einige Beispiele:

- 18. April 2013: In einem Hotel in Garissa im Osten Kenias erschießt ein Attentäter acht Menschen und verletzt sechs weitere. Die Sicherheitskräfte machen die Al-Schabaab-Miliz verantwortlich.

- 11. Juli 2010: Während des Fußball-WM-Finales kommt es beim Public Viewing in Kampala, der Hauptstadt Ugandas, innerhalb kürzester Zeit zu zwei Explosionen. Mindestens 74 Menschen werden getötet, darunter mindestens 15 Ausländer. Al-Schabaab bekennt sich zu den Anschlägen.

- 28. November 2002: Nahe der kenianischen Stadt Mombasa sprengen drei Selbstmordattentäter ein Auto vor einem von israelischen Touristen besuchten Hotel in die Luft und reißen 15 Menschen mit in den Tod.

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